Predigtgottesdienst mit Taufen am 1. Advent, 2. Dezember 2007
in der Jakobuskirche Kuchen
 
 
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 11, 1-4 Wie soll ich dich empfangen
 
Psalm 24 (Nr. 712)
 
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
Gebet / Stilles Gebet
 
Ansprache zur Taufe
Tauflied: 643, 1 – 4 Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer...
Schriftlesung zur Taufe
 
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
 
Lied: 4, 1 – 5 Nun komm, der Heiden Heiland...
 
Predigt
Orgelmeditation (ggf. zum nachfolgenden Lied)
Lied: 1, 1- 4 Macht hoch die Tür...
 
Dank- und Fürbittegebet
 
Vaterunser
 
Lied: 13, 1 – 3 Tochter Zion
 
Abkündigungen
Segensstrophe 1,5 Komm o mein Heiland Jesu Christ...
Segen
Orgelnachspiel
 
Predigt am 1. Advent, 2. Dezember 2007
in der Jakobuskirche Kuchen Reihe VI
 
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
 
Liebe Gemeinde!
Was – ist denn schon wieder 1. Advent. Kann das denn wahr sein? Manch einer oder eine wird das erstaunt bei seinem Blick in den Kalender gedacht haben. Gerade eben haben wir doch erst die Jakobuskirche wieder bezogen. Vor kurzem doch erst ist diese oder jene Feierlichkeit im privaten Kreis begangen worden. Und nun rollt schon das nächste heran, eben die Adventszeit. Unglaublich kommt es einem vor.
Und weiter vor wagt man schon gar nicht zu denken. Denn es lässt sich leicht ausrechnen, dass wir am 23. feststellen: Wie kurz war doch der Advent. Kann das denn sein, dass das alles schon wieder vorbei ist? Was haben die wenigen Wochen ausgemacht? Haben wir alles zu Wege gebracht, was wir uns vorgenommen haben? Waren wir erfolgreich?
Die Blicke zurück sind manchmal sehr von Furcht und Bedauern begleitet. Als wäre doch so etwas wie eine Probe nicht bestanden worden. Als müssten wir uns selbst etwas vor halten. Ein immer wieder verlorener Kampf mit der Zeit spiegelt uns die Rückbesinnung wider. Möchten wir denn bei diesen Aussichten überhaupt gerne den nächsten und den übernächsten Schritt gehen? So gehen, dass man ihn im nächsten Moment nicht nur hinter sich gelassen hat?
Wir feiern den ersten Advent und wir beginnen damit eine Zeit. Eine neue Zeit. Eine Zeit der Hoffnung. Und so wollen wir uns ganz und gar nicht damit beschäftigen heute, was es am Ende wieder an Versäumnissen gibt, sondern voller Erwartung soll unser Beginnen sein. Jetzt ist alles möglich. Jetzt wollen wir uns beflügeln lassen und nicht lähmen.
Die Worte aus dem Hebräerbrief wollen gerade das: eine Aufbruchstimmung erzeugen und uns mit Freude auf den Weg schicken. Sie sind nicht einfach diese Worte. Aber am Ende sind sie eindeutig. Hören wir zu, was uns der Hebräerbrief für den Beginn der Adventszeit sagt:
 
Hebr. 10, 22 – 25
 
Liebe Gemeinde,
„Alleine gehe ich nicht. Aber wenn du mit kommst, dann gehe ich auch.“ Wer hat es gesagt? Unser Sohn oder unsere Tochter? Ich weiß es nicht mehr. Aber es war eine ganz typische Reaktion. Allein ist alles langweilig. Alleine habe ich auch Angst, traue ich mich nicht. Aber wenn wir uns helfen, wenn wir uns stützen, miteinander auf dem Weg reden, dann will ich es versuchen. Wie wertvoll ist manches Mal die Gemeinschaft. Und ist es auch nur Zweisamkeit, die kleinste mögliche Gruppe, es hilft doch, sich über die Schwelle zu wagen. Es bringt in Gang.
Diese kleine Rede hier im Hebräerbrief ist ohne Gemeinschaft gar nicht denkbar. Die Stunde naht, jeder einzelne gehe diesem Ereignis entgegen, mache sich bereit und sammle sich – das gelingt nicht. Auch wenn es manchmal gut sein kann, bei sich zu bleiben. Aber hier nicht. Lasst uns entgegentreten, beginnt der Briefschreiber. Lasst uns zusammen gehen. Lasst uns den Weg beschreiten. Keiner für sich nur allein. Nur wir alle zusammen.
Wie oft begegnen wir diesem gemeinschaftlichen Aufbruch in dieser Advents- und Weihnachtszeit?
Da sind als erstes Maria und Joseph selbst, die zusammen nach Bethlehem gehen, sich in die Listen des Kaisers Augustus eintragen zu lassen. Auf den langen und in Marias Lage beschwerlichen Weg machen sie sich. Zu zweit suchen sie in der Fremde zu recht zu kommen.
Die Weisen aus dem Morgenland sind zu dritt unterwegs. Stand nicht auch bei Ihnen jenes „Lasst uns...“ am Anfang. Als sie den Stern sahen und sich gegenseitig Mut machten. Brechen wir auf, sagten sie sich. Wir. Nicht einer, von den anderen beiden gesandt.
Und die Hirten auf dem Feld. Wie viele waren es? Ein halbes Dutzend. Oder ein ganzes? Allein gehe ich nicht. Aber wenn du mit kommst gehe ich.
Und so lasst uns auch gehen. Uns als Gemeinde, in den vor uns liegenden Advent. In diese heilige Zeit. Machen wir uns auf, immer noch das eine Wunder der Nahbarkeit Gottes zu entdecken. Und gleich werden wir uns durch die Selbstermunterung bewusst, dass dies nichts mit unseren sonstigen Gängen, die wir heute und morgen und die nächste Zeit machen, zu tun haben kann.
Weit entfernt ist es davon, sich in den Trubel zu stürzen, sich da oder dort hintragen zu lassen, wo man vielleicht etwas Interessantes findet. Der da sagt: Lasst uns entgegentreten, der weiß, wohin die Reise geht. Und die, die mit ihm gehen, suchen nicht irgendwo irgendetwas und lassen sich überraschen, was sie wohl Schönes finden werden. Die sich hier anstecken lassen, die suchen dem vorgesteckten Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dass es eine Stelle gibt, an der nicht heute etwas ist und morgen ist es wieder vorbei. Dass es den einen Moment gibt, den es fest zu halten gilt, weil er so viel Wahrheit enthält. Dass dieser Advent einen letzten Sinn enthält, der hinter allen Glitzerbuden steht und bleibt und hervor scheint.
Ja, liebe Gemeinde, kann dies wahr werden, dass wir die Leuchtsterne über den Straßen hängen sehen und uns sagen: Es ist, weil Gottes Sohn geboren wird. Kann dies sein, dass wir in der schmalzigsten Weihnachtsmusik noch den Lobpreis vernehmen an Gott, der sich zu uns auf Erden begibt? Kann es angehen, dass wir uns bei Bratwurst und Pommes frites –Geruch den kleinen Nebengedanken erlauben uns zu fragen: Wie mag wohl Weihrauch und auch Myrrhe riechen. Und so unsere Sinne wach halten für das eigentliche?
So verstehe ich den Briefschreiber, der mich mit Ihnen allen einlädt, mit wahrhaftigem Herzen und los von dem bösen Gewissen, auf den Weg zu machen. Der Weg, der zwischen dem Zauber dem wirklich Bedeutsamen folgt. Der sich den Freuden der Zeit nicht versagt. Und der doch nicht alles darin sucht und zu finden trachtet.
Denn dies zum zweiten heißt es: Lasst uns auch festhalten. So wird erneut an die Gemeinschaft appelliert. Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung.
Ist es nicht jedes Mal dasselbe? Sagen wir nicht jedes Jahr auf’s Neue: wir warten auf Christi Geburt? Beleben wir nicht alljährlich den Glauben an ein großes Ereignis und stelle letztendlich fest, dass wir eine Erinnerung an etwas längst Gewesenes feiern?
Bei der Suche nach Gottesdienstvorschlägen zu Weihnachten für junge Erwachsene bin ich so gut wie nicht fündig geworden. Dafür gab es Anregungen für Advents- und Weihnachtsgottesdienste mit und für Kinder in Hülle und Fülle. Untergräbt sich denn eine Glaubens-gemeinschaft nicht selbst, wenn sie eines ihrer Hauptfeste nur noch als Hintergrund für kindgemäße Spiele hält?
Darum gilt es fest zu halten am Bekenntnis der Hoffnung. Ja zu sagen zu der Möglichkeit, dass Christus in jedem Jahr neu zu uns kommt, in der jeweiligen Aktualität. Dass nicht alles eine Wiederholung von letztem und von vorletztem Jahr ist und überhaupt alle Jahre gleich.
Denken wir so, dann können wir schon heute des Advents überdrüssig sein. Wer schaut sich schon dauernd Wiederholungen an? Wer liest schon ein Buch noch einmal und noch einmal?
Advent ohne Hoffnung ist ja dann doch so etwas wie Advent ohne Advent. Und dabei soll es sich nicht um jene Hoffnung handeln, dass sich vielleicht in diesem Advent etwas tut, was so nun wirklich nicht zu erwarten war. Das Bekenntnis der Hoffnung ist nicht ein Hoffen auf Wunder. Sondern es ist diese erhöhte Aufmerksamkeit vor einer Begegnung. Es ist ein seliges Gespannt - Sein, auf jenen erwarteten Zipfel von dem Höchsten etwas zu begreifen. Es ist die Berührung mit Gott, von der immer klar ist und bleiben muss, dass sie eigentlich nicht geschehen kann und unerklärlicherweise doch geschieht. Und es ist die Hoffnung darauf, dass diese Berührung Wirkung zeigt.
So kann Advent nicht Wiederholung von gestern sein, sondern immer nur Aussicht darauf, dass diese Bindung an Gott immer noch näher wird, dass sich sein Offenbarwerden immer noch klarer zeigt. Es ist die gespannte Erwartung, ob ich nicht doch ganz anders denken und handeln kann, weil es Gott gibt.
Berührt es nur wieder den einzelnen, berührt es nur mich allein? Nein. Lasst uns gemeinsam dahin aufbrechen. Lasst uns gemeinsam bekennen, dass das unsere wahre Hoffnung ist. Befragen wir uns doch gegenseitig, nicht wie hast du Advent oder Weihnachten verbracht, sondern welche Bilder einer neuen Welt sind dir unterwegs in diesem Advent gekommen? Wo kann das Leben gerechter und schöner und gottgefälliger werden? Denn das muss es, wo es mit der Realität des kommenden Herrn rechnet. Wo habt ihr Gottes Spuren festgestellt, wo waren Hoffnungsfünkchen zu erkennen? Ist das nicht auch ganz besonders auch heute der Fall, bei der Taufe, bei dem Wissen, hier beginnt ein neuer Weg mit Gott? Und dieser neue Weg dieses einen Menschen wird unser aller Wegenetz bereichern und verändern.
Dies kann nur geradewegs zu dieser dritten Aufforderung aus dem Hebräerbrief führen: Lasst uns aufeinander acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken.
Es ist die wohl schwierigste Aufforderung. Nicht weil sie so schwer zu erfüllen wäre. Und nicht, weil das ja nicht Aufgabe eines jeden und einer jeden sein könne. Sondern weil alle Welt davon in einem fort redet und es doch gleichzeitig dabei belässt. Lasst uns Gutes tun! Lasst die Liebe walten! Lasst uns Freundlichkeit üben! Lasst uns Anerkennung aussprechen! Das ist so wohlmeinend und dann auch wieder wirkungslos. Denn oftmals steht hinter solchen plakativen Ausrufen doch die geheime Ansicht: Sollen doch die anderen einmal anfangen. Soll doch erst einmal jemand an mir Gutes tun, bevor ich es weiter gebe. Oder soll doch erst einmal jemand meine Leistung honorieren, bevor ich mich darum kümmere, was andere getan haben. Lasst uns anreizen zur Liebe – das kann nicht empfohlen werden, das kann nicht eingefordert werden, dazu kann auch nicht überzeugt werden. Im Grunde kann es nur dann so gesagt werden, wenn es schon längst angefangen hat und praktiziert wird. Wenn Respekt voreinander üblich ist, kann gesagt werden: Lasst uns respektvoll voreinander sein. Wenn es Allgemeingut ist, dass jeder und jede ein Abbild Gottes ist, kann es heißen: Lasst Güte und Barmherzigkeit aus euch heraus erkennen.
Müssen wir also auf den dritten Schritt noch warten? Ich meine, wir können anfangen damit. Wir werden darin nicht perfekt sein noch werden. Wir müssen uns darin jedoch auch nicht entmutigen lassen. Es muss nicht immer nur das freundlich ausgesprochene Wort auf der Straße sein, dass uns als Anzeichen gilt. Es kann auch der still gefasste Gedanke sein, mit dem wir entdecken: jetzt verstehe ich diesen Menschen, dem ich nichts abgewinnen konnte, ganz anders und irgendwie richtiger. Ich will versuchen mit dieser Erkenntnis neu mit ihm umzugehen.
Advent ist wieder bald vorbei? Ich glaube, wir haben alle noch eine Menge vor in ihm. Lasst uns herzu treten und in fröhlicher Spannung, in freudiger Erwartung den Sinn dieses Advents erfassen. Lasst uns bekennen, dass wir Hoffnung für diese Welt haben und sich diese Hoffnung an Gott fest macht, der in diese Welt kommt. Lasst uns aufeinander zu gehen, mit neuem Verständnis, mit Dingen, durch die wir erfreuen, mit Nähe die wir nicht vorenthalten. Lasst uns einen langen Advent feiern, und heute damit anfangen.
Amen
 
 

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