Predigtgottesdienst mit Taufe an Epiphanias, 06. 01. 2010 um 9.00 Uhr
in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 45, 1 – 3 Herbei o ihr Gläub’gen
Psalm 100 (Nr. 740)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Ansprache zur Taufe
Tauflied 582, 1 – 3 Kind du bist uns anvertraut...
Schriftlesung zur Taufe
Glaubensbekenntnis
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
Lied: 544, 1 + 2 Wie schön leuchtet der Morgenstern
Predigt zu Epheser 3, 2f. 5f.
Lied: 293, 1 + 2 Lobt Gott den Herren, ihr Heiden all...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 66, 1 + 5 Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude...
Abkündigungen
Segensstrophe 74,4 Bleib bei uns Herr, verlass uns nicht...
Segen
Orgelnachspiel
Predigt an Epiphanias, 06. 01. 2010 in der Jakobuskirche Kuchen und in der Johanneskirche Gingen Reihe II, Epheser 3,2 – 5
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
noch einmal feiern wir Gottesdienst mitten unter der Woche, heute, am 6. Januar. „Heilige Drei Könige“ heißt es im Volksmund und im überwiegend katholischen Bereich. Die Königssängerinnen und –sänger sind unterwegs - unsere Kinder sind auch mit dabei - und bringen den Segen an die Haustüren. Dreikönigstag – heute werden noch einmal die Kerzen am Christbaum angezündet; bis hierher muss er gehalten haben. Es ist der Abschluss von Weihnachten, der letzte der vierzehn heiligen Tage und Nächte. Glücklicherweise sagt der eine oder andere vielleicht, der nun auch von Weihnachten genug hat.
Dabei gibt es den Feiertag gar nicht in allen Bundesländern. In Mittel -und Norddeutschland ist heute schlicht Alltag, die Geschäfte haben geöffnet und man geht zur Arbeit. Vielleicht dünkte es den evangelischen Hochburgen ein zu katholischer Feiertag zu sein. Wenn es so wäre, ist es ein blinder Fleck im evangelischen Bewusstsein.
Der 6. Januar ist nämlich einer der ältesten Feiertage und heißt mit dem anderen Namen: Erscheinungsfest – und mit dem Fremdwort: Epiphanias, was dasselbe meint, nämlich „aufscheinen“. Wie wichtig dieser Feiertag ursprünglich einmal war, zeigt die orthodoxe Kirche, die heute das Weihnachtsfest feiert. Selbst für uns zählen die nächsten drei Sonntage – es können bis zu fünf Sonntagen sein – als Sonntage nach Epiphanias, nicht nach Weihnachten!
Es war in der alten Kirche das Fest der Beschneidung Jesu, später wurde daraus die Taufe Jesu und wurde gefeiert als die eigentliche Geburt Christi. Mit diesem Tag, mit diesem Erscheinen, ist Gott wirklich in die Welt gekommen. Hier wird etwas offenbar, was bisher nicht zu sehen war. Hier blitzt etwas auf. Hier wird die Welt in einen schönen Schein getaucht. Ein göttliches Leuchten umgibt sie von da an und wird nicht mehr von ihr genommen. Das Weihnachtsgefühl geht. Aber der Glanz bleibt. Und er bleibt durch dieses Fest heute.
Das soll natürlich auch in den Bibelabschnitten für diesen Tag zum Ausdruck kommen. Dazu lesen wir im Epheserbrief im 3. Kapitel die folgenden Verse:
Epheser3,2f, 5f.
Liebe Gemeinde,
das Fest der Erscheinung birgt ein Geheimnis. Das hört sich ganz toll an und ist auf der anderen Seite ziemlich paradox. Toll hört es sich an, weil ein Geheimnis eine Sache immer interessant macht. Unerhört, was es da zu entdecken gibt. Und schon ist die Phantasie angeregt. In der Kinderzeit, erinnere ich mich, hat meine Schwester einmal ein Buch mit dem Titel „Das Geheimnis der orangefarbenen Katze“ gehabt. Jedes Kapitel war von einem anderen Autor weiter geschrieben worden und von Seite zu Seite wurde es rätselhafter, was es mit dieser Katze auf sich hat. Ich weiß die Lösung des Rätsels nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass das Buch Eindruck gemacht hat. Rätsel würzen den grauen Alltag, setzen ihre Farbtupfer. Gerade dann, wenn sich nicht sogleich etwas erschließt, richte ich mein Augenmerk besonders darauf und will mehr davon wissen. Manches kann da irgendwo schlummern.
Eine Auster – wir wissen es nicht – enthält möglicherweise eine Perle. Eine willkürliche Zahlenfolge – so nichts sagend wie sie aussieht - kann der Schlüssel zum Geldsegen werden, weil eine Lottofee sie zieht.
Hinter einer Tür – mir ist sie nie aufgefallen – kann die Begegnung meines Lebens warten. Was sich je davon erfüllt, bleibt ein Geheimnis, bis es so weit ist.
Also: das Erscheinungsfest enthält ein solches Geheimnis, etwas ganz Besonderes. Das steht diesem Feiertag gut an.
Aber dann müsste es ja auch Fest der Verborgenheit heißen, Fest der Unentdecktheit, der dunklen Bedeutung. Das ist das Paradoxe, denn solche ein Fest würde niemand mit Freunden feiern und „Erscheinungsfest“ drückt genau das Gegenteil aus: Licht, Strahlen, Hell sein, offenbar werden.
Es stimmt aber trotzdem: es ist genau das Fest und genau der Tag, an dem das Geheimnis aufgedeckt wird. Es ist genau auf der Grenze, wo es gerade noch ein Geheimnis war und doch schon sichtbar, erkennbar wird. Ein preisgegebenes, gelüftetes Geheimnis. Vielleicht kommt es einer Enthüllung eines Denkmals gleich. Bisher konnten nur Vermutungen angestellt werden, Spekulationen, was sich unter dem Tuch befindet. Bisher herrschte zwar Spannung, aber auch Unsicherheit. Nichts Genaues weiß man nicht. Jetzt, da es offen gelegt wird, kann man es bewundern. Jetzt wo die Hülle weg ist, zeigt es seine wahre Gestalt.
Davon schreibt der Epheserbrief, von der wundersamen Öffnung eines Geheimnisses. „Dies war früher den Menschenkindern nicht kund gemacht“, heißt es da. Doch zuvor lässt die Briefstelle den Paulus sprechen: nach Gottes Gnade ist mir „durch Offenbarung ... das Geheimnis kund gemacht worden“. Und so kommt das Geheimnis auch zuerst zu der bedachten Gemeinde und letztlich auch zu uns.
Liebe Gemeinde, die Weihnachtszeit scheint ja doch reich an solch wundersamen Geschichten. In einem kleinen Kind wird Gottes ganze Unfassbarkeit zum Menschen. Der Allmächtige liegt nackt und bloß in einer Krippe. Das Heil für alles in dieser Welt tritt an einer dunklen zugigen Ecke in einem Stall herein. Gott will im Dunkeln wohnen und hat es doch erhellt, wie es im Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ heißt. Drei Weise werden geheimnisvoll durch einen Stern gelenkt. Sie kommen den neuen König anzubeten, von dem noch niemand etwas weiß.
Es stimmt schon, unsere Zeit heute ist solche ausgesprochenen Geheimnisse nicht mehr gewohnt. Zwar hört man sie gerne und erzählt es auch, als sei es ein ferner sonderbarer Brauch. Etwas, was dieses Weihnachten so heimelig sein lässt. Aber es für wahr nehmen, es für eine Realität seines Lebens nehmen, kann man das? Schon allein Gott ist etwas Fragliches. Man will nicht sagen, dass es ihn nicht gibt, aber auch nicht ausdrücklich, dass es ihn gibt. Und, nun ja, warum soll er nicht die Welt besuchen und Erdenbürger werden. Es fällt nicht auf, dass das gar nicht geht, dass der Schöpfer, von dem alles ausgeht, nicht selbst Geschöpf werden kann. Er kann nicht Geber und Gegebenes zugleich sein, sich praktisch selbst in die Hand nehmen und in die Welt hinein tragen. Und wo das aber doch geschieht, da ist es ein unverständliches aber doch offenbares Geheimnis. Die alte Kirche hat es zu fassen versucht im nizänischen Glaubensbekenntnis, wenn es von Christus als wahrem Menschen und wahren Gott zugleich spricht.
Von einer solchen Art Geheimnis spricht auch das heutige Erscheinungsfest. Nach langen Windungen, dass es Paulus gesehen hat, andere aber nicht sehen konnten, heißt es endlich als Bekanntmachung: „nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu Christi Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind.
Und – dieses Geheimnis wirkt nicht. Sollen sie doch dazu gehören, die Heiden, irgendwelche Naturvölker, der letzte Mensch auf der einsamsten Insel. Es ist doch eh alles eine große Welt und über die Maßen global. Die Kunde von diesem christlichen Glauben hat ja doch schon seinen Weg bis zu den weißen Flächen der Landkarte gefunden. Heute macht man keinen so großen Unterschied mehr zwischen Menschen hier und Menschen da. Wer ist da schon noch Heide und wer Nichtheide?
Auch hier ist der Sinn und die Wahrheit dieses Geheimnisses gar nicht mehr erfasst.
Aber schauen wir noch einmal zurück: An Heilig Abend haben wir von diesem Paulus schon einmal gehört, dass seine Begegnung mit diesem Menschen, der an Weihnachten geboren wurde, sein Leben eine schicksalhafte Wendung nahm. Erst die Geburt machte dessen Bekehrung möglich. Er gründete Gemeinden. Ohne all das gäbe es keine Kirche und keinen Glauben an Christus.
Und heute, am Abschluss der Weihnachtszeit, verkündet ebendieser Paulus, dass dieser Glaube nicht nur einem kleinen Kreis Eingeweihter gilt. Es bleibt kein Geheimzirkel, der da einer nur ihm zugängliche Offenbarung huldigt. Es bleibt – und das muss man recht verstehen – auch nicht mehr nur ein Gottesvolk, das seinen Gott alleine hat. Was hell aufstrahlt, das beleuchtet nicht nur einen Teil dieser Welt. Das Licht gilt der ganzen Welt. Der Glaube an diesen einen Gott soll nicht einigen Menschen vorbehalten sein, sondern allen Menschen offen stehen. Diese unbekannte Einladung: jeder kann zu Gott kommen, soll nicht länger unbekannt bleiben. Denn dafür hat dieser geborene Mensch aus Gottes Willen ja auch den Weg frei gemacht. Den Weg, den es vorher nicht gab, nämlich an ihn durch seinen Sohn zu glauben. Plötzlich Miterbe zu sein, wo man nicht zu denen zuvor gehörte, an die es etwas zu verteilen gab, ist schon überraschend und bedeutend. Auf einmal Brüder und Schwestern zu sein, wo wir eben noch Fremde waren, hat schon etwas Schwindelerregendes. Ungläubig fragen Schülerinnen und Schüler an der Stelle noch einmal nach wo sie das ganze Ausmaß zu ahnen beginnen: dann ist ja der und der – oder auch Sie Herr Bendler – auch mein Bruder.
Noch einmal: alles, was wir heute haben, die ganze Verbreitung des Glaubens – auch mit den Problemen, die es dadurch gibt, die wir aber bewältigen sollen – kommt aus diesem Geheimnis von Epiphanias her: das Evangelium gehört allen.
Daran kann ich mich an diesem Tag freuen und es ist eine Art Glück, das mit Epiphanias wieder zu entdecken, dass aus wenigen viele geworden sind und das von vornherein so angelegt war.
Aber es hat auch Konsequenzen: Das Evangelium, dass Gott die Menschen liebt und annimmt, soll, da es allen gilt, auch allen gesagt werden. Das begründet die Mission, an die wir auch an diesem Tag denken. Hinaus in die Welt muss diese Kunde von Christus, der einlädt zu sich.
Zum anderen: eine solche große Sache darf nicht verkommen und zum Allergewöhnlichsten werden. Gerade dieser Tag des Erscheinungsfest muss über die Resignation hinaus führen. Gott interessiert doch keinen Menschen mehr. Gar nicht: der Gott eines solchen Geheimnisses, das alle betreffen soll, ist interessant. Er wird dadurch zu deinem und meinem Gott.
Das führt zum Dritten: Weil es keine Grenzen mehr gibt im Glauben, können Christinnen und Christen andere Wege aufeinander zu begehen. Alle Systeme sonst, alle Gruppierungen, haben ihre Grenzen, wer mit wem und wer mit wem nicht. Der Erscheinungstag hebt ein solches Verhalten quasi auf. Das macht Christen zu einer unvergleichlichen Gemeinschaft.
Ein Geheimnis strahlt auf an diesem Feiertag. Behalten wir es nicht, denn Gott behält es auch nicht. Er will bekannt gemacht werden, wir dürfen Brüder und Schwestern um seine Mitte sein und der Fernste darf dabei zum Nächsten werden.
Ein schöner Schein kann ja schon doppeldeutig sein: er will uns nur so vorkommen, nur so scheinen. Vielleicht blendet er auch, es blenden diese Aussichten, die sich da auftun. Aber nehmen wir es in seiner guten Bedeutung: Gottes Licht kommt in die Welt, an diesem Erscheinungstag. Das sollen und dürfen wir feiern.
Amen
in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 45, 1 – 3 Herbei o ihr Gläub’gen
Psalm 100 (Nr. 740)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Ansprache zur Taufe
Tauflied 582, 1 – 3 Kind du bist uns anvertraut...
Schriftlesung zur Taufe
Glaubensbekenntnis
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
Lied: 544, 1 + 2 Wie schön leuchtet der Morgenstern
Predigt zu Epheser 3, 2f. 5f.
Lied: 293, 1 + 2 Lobt Gott den Herren, ihr Heiden all...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 66, 1 + 5 Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude...
Abkündigungen
Segensstrophe 74,4 Bleib bei uns Herr, verlass uns nicht...
Segen
Orgelnachspiel
Predigt an Epiphanias, 06. 01. 2010 in der Jakobuskirche Kuchen und in der Johanneskirche Gingen Reihe II, Epheser 3,2 – 5
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
noch einmal feiern wir Gottesdienst mitten unter der Woche, heute, am 6. Januar. „Heilige Drei Könige“ heißt es im Volksmund und im überwiegend katholischen Bereich. Die Königssängerinnen und –sänger sind unterwegs - unsere Kinder sind auch mit dabei - und bringen den Segen an die Haustüren. Dreikönigstag – heute werden noch einmal die Kerzen am Christbaum angezündet; bis hierher muss er gehalten haben. Es ist der Abschluss von Weihnachten, der letzte der vierzehn heiligen Tage und Nächte. Glücklicherweise sagt der eine oder andere vielleicht, der nun auch von Weihnachten genug hat.
Dabei gibt es den Feiertag gar nicht in allen Bundesländern. In Mittel -und Norddeutschland ist heute schlicht Alltag, die Geschäfte haben geöffnet und man geht zur Arbeit. Vielleicht dünkte es den evangelischen Hochburgen ein zu katholischer Feiertag zu sein. Wenn es so wäre, ist es ein blinder Fleck im evangelischen Bewusstsein.
Der 6. Januar ist nämlich einer der ältesten Feiertage und heißt mit dem anderen Namen: Erscheinungsfest – und mit dem Fremdwort: Epiphanias, was dasselbe meint, nämlich „aufscheinen“. Wie wichtig dieser Feiertag ursprünglich einmal war, zeigt die orthodoxe Kirche, die heute das Weihnachtsfest feiert. Selbst für uns zählen die nächsten drei Sonntage – es können bis zu fünf Sonntagen sein – als Sonntage nach Epiphanias, nicht nach Weihnachten!
Es war in der alten Kirche das Fest der Beschneidung Jesu, später wurde daraus die Taufe Jesu und wurde gefeiert als die eigentliche Geburt Christi. Mit diesem Tag, mit diesem Erscheinen, ist Gott wirklich in die Welt gekommen. Hier wird etwas offenbar, was bisher nicht zu sehen war. Hier blitzt etwas auf. Hier wird die Welt in einen schönen Schein getaucht. Ein göttliches Leuchten umgibt sie von da an und wird nicht mehr von ihr genommen. Das Weihnachtsgefühl geht. Aber der Glanz bleibt. Und er bleibt durch dieses Fest heute.
Das soll natürlich auch in den Bibelabschnitten für diesen Tag zum Ausdruck kommen. Dazu lesen wir im Epheserbrief im 3. Kapitel die folgenden Verse:
Epheser3,2f, 5f.
Liebe Gemeinde,
das Fest der Erscheinung birgt ein Geheimnis. Das hört sich ganz toll an und ist auf der anderen Seite ziemlich paradox. Toll hört es sich an, weil ein Geheimnis eine Sache immer interessant macht. Unerhört, was es da zu entdecken gibt. Und schon ist die Phantasie angeregt. In der Kinderzeit, erinnere ich mich, hat meine Schwester einmal ein Buch mit dem Titel „Das Geheimnis der orangefarbenen Katze“ gehabt. Jedes Kapitel war von einem anderen Autor weiter geschrieben worden und von Seite zu Seite wurde es rätselhafter, was es mit dieser Katze auf sich hat. Ich weiß die Lösung des Rätsels nicht mehr. Aber ich weiß noch, dass das Buch Eindruck gemacht hat. Rätsel würzen den grauen Alltag, setzen ihre Farbtupfer. Gerade dann, wenn sich nicht sogleich etwas erschließt, richte ich mein Augenmerk besonders darauf und will mehr davon wissen. Manches kann da irgendwo schlummern.
Eine Auster – wir wissen es nicht – enthält möglicherweise eine Perle. Eine willkürliche Zahlenfolge – so nichts sagend wie sie aussieht - kann der Schlüssel zum Geldsegen werden, weil eine Lottofee sie zieht.
Hinter einer Tür – mir ist sie nie aufgefallen – kann die Begegnung meines Lebens warten. Was sich je davon erfüllt, bleibt ein Geheimnis, bis es so weit ist.
Also: das Erscheinungsfest enthält ein solches Geheimnis, etwas ganz Besonderes. Das steht diesem Feiertag gut an.
Aber dann müsste es ja auch Fest der Verborgenheit heißen, Fest der Unentdecktheit, der dunklen Bedeutung. Das ist das Paradoxe, denn solche ein Fest würde niemand mit Freunden feiern und „Erscheinungsfest“ drückt genau das Gegenteil aus: Licht, Strahlen, Hell sein, offenbar werden.
Es stimmt aber trotzdem: es ist genau das Fest und genau der Tag, an dem das Geheimnis aufgedeckt wird. Es ist genau auf der Grenze, wo es gerade noch ein Geheimnis war und doch schon sichtbar, erkennbar wird. Ein preisgegebenes, gelüftetes Geheimnis. Vielleicht kommt es einer Enthüllung eines Denkmals gleich. Bisher konnten nur Vermutungen angestellt werden, Spekulationen, was sich unter dem Tuch befindet. Bisher herrschte zwar Spannung, aber auch Unsicherheit. Nichts Genaues weiß man nicht. Jetzt, da es offen gelegt wird, kann man es bewundern. Jetzt wo die Hülle weg ist, zeigt es seine wahre Gestalt.
Davon schreibt der Epheserbrief, von der wundersamen Öffnung eines Geheimnisses. „Dies war früher den Menschenkindern nicht kund gemacht“, heißt es da. Doch zuvor lässt die Briefstelle den Paulus sprechen: nach Gottes Gnade ist mir „durch Offenbarung ... das Geheimnis kund gemacht worden“. Und so kommt das Geheimnis auch zuerst zu der bedachten Gemeinde und letztlich auch zu uns.
Liebe Gemeinde, die Weihnachtszeit scheint ja doch reich an solch wundersamen Geschichten. In einem kleinen Kind wird Gottes ganze Unfassbarkeit zum Menschen. Der Allmächtige liegt nackt und bloß in einer Krippe. Das Heil für alles in dieser Welt tritt an einer dunklen zugigen Ecke in einem Stall herein. Gott will im Dunkeln wohnen und hat es doch erhellt, wie es im Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ heißt. Drei Weise werden geheimnisvoll durch einen Stern gelenkt. Sie kommen den neuen König anzubeten, von dem noch niemand etwas weiß.
Es stimmt schon, unsere Zeit heute ist solche ausgesprochenen Geheimnisse nicht mehr gewohnt. Zwar hört man sie gerne und erzählt es auch, als sei es ein ferner sonderbarer Brauch. Etwas, was dieses Weihnachten so heimelig sein lässt. Aber es für wahr nehmen, es für eine Realität seines Lebens nehmen, kann man das? Schon allein Gott ist etwas Fragliches. Man will nicht sagen, dass es ihn nicht gibt, aber auch nicht ausdrücklich, dass es ihn gibt. Und, nun ja, warum soll er nicht die Welt besuchen und Erdenbürger werden. Es fällt nicht auf, dass das gar nicht geht, dass der Schöpfer, von dem alles ausgeht, nicht selbst Geschöpf werden kann. Er kann nicht Geber und Gegebenes zugleich sein, sich praktisch selbst in die Hand nehmen und in die Welt hinein tragen. Und wo das aber doch geschieht, da ist es ein unverständliches aber doch offenbares Geheimnis. Die alte Kirche hat es zu fassen versucht im nizänischen Glaubensbekenntnis, wenn es von Christus als wahrem Menschen und wahren Gott zugleich spricht.
Von einer solchen Art Geheimnis spricht auch das heutige Erscheinungsfest. Nach langen Windungen, dass es Paulus gesehen hat, andere aber nicht sehen konnten, heißt es endlich als Bekanntmachung: „nämlich dass die Heiden Miterben sind und mit zu Christi Leib gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind.
Und – dieses Geheimnis wirkt nicht. Sollen sie doch dazu gehören, die Heiden, irgendwelche Naturvölker, der letzte Mensch auf der einsamsten Insel. Es ist doch eh alles eine große Welt und über die Maßen global. Die Kunde von diesem christlichen Glauben hat ja doch schon seinen Weg bis zu den weißen Flächen der Landkarte gefunden. Heute macht man keinen so großen Unterschied mehr zwischen Menschen hier und Menschen da. Wer ist da schon noch Heide und wer Nichtheide?
Auch hier ist der Sinn und die Wahrheit dieses Geheimnisses gar nicht mehr erfasst.
Aber schauen wir noch einmal zurück: An Heilig Abend haben wir von diesem Paulus schon einmal gehört, dass seine Begegnung mit diesem Menschen, der an Weihnachten geboren wurde, sein Leben eine schicksalhafte Wendung nahm. Erst die Geburt machte dessen Bekehrung möglich. Er gründete Gemeinden. Ohne all das gäbe es keine Kirche und keinen Glauben an Christus.
Und heute, am Abschluss der Weihnachtszeit, verkündet ebendieser Paulus, dass dieser Glaube nicht nur einem kleinen Kreis Eingeweihter gilt. Es bleibt kein Geheimzirkel, der da einer nur ihm zugängliche Offenbarung huldigt. Es bleibt – und das muss man recht verstehen – auch nicht mehr nur ein Gottesvolk, das seinen Gott alleine hat. Was hell aufstrahlt, das beleuchtet nicht nur einen Teil dieser Welt. Das Licht gilt der ganzen Welt. Der Glaube an diesen einen Gott soll nicht einigen Menschen vorbehalten sein, sondern allen Menschen offen stehen. Diese unbekannte Einladung: jeder kann zu Gott kommen, soll nicht länger unbekannt bleiben. Denn dafür hat dieser geborene Mensch aus Gottes Willen ja auch den Weg frei gemacht. Den Weg, den es vorher nicht gab, nämlich an ihn durch seinen Sohn zu glauben. Plötzlich Miterbe zu sein, wo man nicht zu denen zuvor gehörte, an die es etwas zu verteilen gab, ist schon überraschend und bedeutend. Auf einmal Brüder und Schwestern zu sein, wo wir eben noch Fremde waren, hat schon etwas Schwindelerregendes. Ungläubig fragen Schülerinnen und Schüler an der Stelle noch einmal nach wo sie das ganze Ausmaß zu ahnen beginnen: dann ist ja der und der – oder auch Sie Herr Bendler – auch mein Bruder.
Noch einmal: alles, was wir heute haben, die ganze Verbreitung des Glaubens – auch mit den Problemen, die es dadurch gibt, die wir aber bewältigen sollen – kommt aus diesem Geheimnis von Epiphanias her: das Evangelium gehört allen.
Daran kann ich mich an diesem Tag freuen und es ist eine Art Glück, das mit Epiphanias wieder zu entdecken, dass aus wenigen viele geworden sind und das von vornherein so angelegt war.
Aber es hat auch Konsequenzen: Das Evangelium, dass Gott die Menschen liebt und annimmt, soll, da es allen gilt, auch allen gesagt werden. Das begründet die Mission, an die wir auch an diesem Tag denken. Hinaus in die Welt muss diese Kunde von Christus, der einlädt zu sich.
Zum anderen: eine solche große Sache darf nicht verkommen und zum Allergewöhnlichsten werden. Gerade dieser Tag des Erscheinungsfest muss über die Resignation hinaus führen. Gott interessiert doch keinen Menschen mehr. Gar nicht: der Gott eines solchen Geheimnisses, das alle betreffen soll, ist interessant. Er wird dadurch zu deinem und meinem Gott.
Das führt zum Dritten: Weil es keine Grenzen mehr gibt im Glauben, können Christinnen und Christen andere Wege aufeinander zu begehen. Alle Systeme sonst, alle Gruppierungen, haben ihre Grenzen, wer mit wem und wer mit wem nicht. Der Erscheinungstag hebt ein solches Verhalten quasi auf. Das macht Christen zu einer unvergleichlichen Gemeinschaft.
Ein Geheimnis strahlt auf an diesem Feiertag. Behalten wir es nicht, denn Gott behält es auch nicht. Er will bekannt gemacht werden, wir dürfen Brüder und Schwestern um seine Mitte sein und der Fernste darf dabei zum Nächsten werden.
Ein schöner Schein kann ja schon doppeldeutig sein: er will uns nur so vorkommen, nur so scheinen. Vielleicht blendet er auch, es blenden diese Aussichten, die sich da auftun. Aber nehmen wir es in seiner guten Bedeutung: Gottes Licht kommt in die Welt, an diesem Erscheinungstag. Das sollen und dürfen wir feiern.
Amen


