Abendmahlsgottesdienst an Silvester, 31. 12. 2008 um 17.00 Uhr
In der Jakobuskirche Kuchen
Orgel- bzw. Posaunenvorspiel
Gruß
Lied: 671, 1 – 4 Diesen Tag Herr
Psalm: 145 (Nr. 756)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Glaubensbekenntnis
Posaunenzwischenspiel
Schriftlesung:
Lied: 5, 1 – 4 Gottes Sohn ist kommen
Predigt:
Lied: 147, 1 + 2 Wachet auf, ruft uns die Stimme
Überleitung z. Abendmahl
Sündenbekenntnis
Vergebungszusage
Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl
Lied 190.2 Christe du Lamm Gottes
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 541, 1 – 3 Von guten Mächten
Abkündigungen
Segen /Orgelnachspiel
Predigt an Silvester, 31.12.2008 in der Jakobuskirche Kuchen.
Reihe I Lukas 12, 35 - 38
>Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Amen<
Liebe Gemeinde,
es wird spät werden heute nacht, bis sich die meisten von uns zur Ruhe begeben werden. Vielleicht nicht ganz so spät oder schon wieder früh, dass jemand noch Hahnenschrei oder Morgendämmerung erleben wird. Aber deutlich nach Mitternacht wird es schon. Denn das neue Jahr zu begrüßen, wer will sich das entgehen lassen? Die wenigen Stunden werden schnell vergehen. Und weil man schon wach ist und der Moment gar etwas besonderes, da darf ruhig schon die eine oder andere Stunde noch daran gehängt werden. Zumindest wenn man nicht allein ist.
So sind nicht wenige heute die halbe oder dreiviertel der Nacht wach. Als Jugendlicher hat man sich vielleicht gelegentlich einen Sport daraus gemacht, die ganz Nacht wach zu bleiben. Und eine Nacht lang auf zu sein, ist schon etwas Eigenartiges. Das nutzen bestimmte Veranstalter auch aus, zum Beispiel bei langen Museumsnächsten oder ähnlichem.
Andererseits gibt es viele Menschen, die regelmäßig Nachtdienste haben - Pfleger und Krankenschwestern zum Beispiel. Eine Nacht kann da auch lang werden. Eine durchwachte Nacht kann müder machen als ein ganzer Tag. Normalerweise verläuft unser Leben in anderen Zeitabläufen. Die Nacht ist immer noch hauptsächlich zum Schlafen da. Und das ist auch gut so.
Auch in unserem Predigtabschnitt geht es um das Wach-sein und Wach-bleiben, gerade in der Nacht. Ganz passend doch für heute. Können wir heute ganz besonders dieses Gleichnis erfassen? Oder können wir's weil uns das nahende Jahr in diese Stimmung versetzt?
Hören wir auf die Worte aus dem 12. Kapitel des Lukasevangeliums:
Lk. 12, 35 - 38
Liebe Gemeinde,
kann dieses Gleichnis uns noch richtig berühren? Selbst in dieser Nacht, wo das eine oder andere Familienglied vielleicht zum Nachtschwärmer wird, bleibt wohl niemand auf, um ihn oder sie zurück zu erwarten. Heimkehrer von dem einen oder anderen Fest wird es diese Nacht schon geben. Sie haben ihre Schlüssel zur Haustür, wenn sie es nicht vorziehen, doch woanders zu übernach-ten. Dass jemand alleine deswegen wacht um jemanden zu erwarten, dem er Einlass gewähren soll, das scheint, nicht nur für heute, weit aus der Welt. Und dass es gar noch solche Herrschaftsverhältnisse gäbe, wo Knechte oder Mägde den Auftrag haben, das Tor aufzuma-chen, liegt fernab der Realität. Irgendwo im Film. Ein Buttler. Spielhandlung im vorletzten Jahrhundert. Da ist so etwas noch möglich.
So wird zwar heute nacht gewacht, aber nur aus Spaß an der Freude. Und gewartet wird auch. Auf den Gongschlag und die Raketen. Und ansonsten geht alles seinen normalen Gang. Wann jemand kommt oder ankommt, wird mit Datum und Uhrzeit benannt. Sonst kann niemand mit einem regulären Empfang rechnen.
Und doch rührt uns das Bild von den Wartenden auch an. Man kann es sich ganz leicht vorstellen, dass es so etwas gibt. Es ist gar nicht unmöglich. Denn jeder und jede hat auch schon einmal gewartet und weiß, wie das ist.
Dann, wenn man zu Hause ist und wartet, dass der Ehepartner kommt, vielleicht schon tief am Abend, von der Spätschicht, von einer Besprechung. Und es fallen einem Dinge ein, die man ihm gleich mitteilen muss. Oder was man sie fragen wird, wie es denn war, den Tag, den Abend.
Oder am Bahnhof warten wir auf die Ankunft eines nahen Freundes, einer Bekannten und malen uns schon aus, wie er, wie sie wohl jetzt aussieht.
Und nicht selten warten wir auf eine schon festgesetzte Zeit. Auf ein Jubiläum, das man mit der ganzen Familie feiern wird. Oder auf den schon festgesetzten Tag der Hochzeit. Ja, manche warten auch schon wieder auf den nächsten Urlaub.
Keines dieser Wartezeiten ist nutzlos vertane Zeit, denn im Warten liegt Vorfreude. In jedem Warten liegt auch schon vorweg Genommenes Begegnen und Begehen, dann wenn man sich ausmalt, was kommen wird und wie es dann sein wird, wenn das Erwartetete eingetroffen sein wird. Vielleicht sehnen wir uns ja sogar danach, wieder einmal so warten zu können, weil es auch etwas heimeliges hat und uns das Unbekannte, was kommen soll, vertraut
macht.
Warten ist eine gute Zeit. Und es ist gut dies zu hören, gerade jetzt, bei einem Jahreswechsel. Denn wie schnell holt unsere Gedanken die vergangene, die verfließende Zeit ein. Und so manche Tatsache, was denn auch in diesem Jahr nicht zustande kam, sich nicht verwirk-lichen ließ oder wie es jahraus, jahrein immer dasselbe ist, tritt da zutage. So raubt einem der Aufruf zu Warten von vornherein den Mut, weil es denn heißt: immer noch warten. Noch ein Jahr warten. Schauen wir, was möglich sein wird - oder auch nicht.
Doch wer so spricht, der wartet gar nicht mehr. Der hat schon ausgewartet und lässt den Dingen ihren Lauf.
Dazu sind wir aber an diesem Abend nicht zusammengekommen, um den Dingen ihren Lauf zu lassen und um zu denken, es soll halt alles weitergehen. Und darum ist es gut uns zuzurufen: Lasst uns warten und dieses Warten schon immer wieder unentwegt feiern. Lasst uns warten auf den Herrn, der da auf dem Weg ist zu uns und uns an unseren Rändern und Spitzen immer wieder berührt und erreicht, so dass wir gewiss sind, er ist schon sehr nahe. Aber noch mehr muss er zu uns kommen. Und diese Zeit soll uns nicht lang werden. Und wir sollen vor allem nichts von der Vorfreude, die im Warten liegt, verlieren.
Das ist das eine: freudig warten können, in das neue Jahr hinein.
Das andere ist aber eine ganz neue Sicht, mit der wir uns sehen dürfen: Der Herr ist auf dem Weg. Er ist noch außer Haus. Im Haus sind nur die Knechte und Mägde. Was werden sie tun? Sie räumen auf. Sie heizen vielleicht ein. Sie bereiten ein Mahl. Sie bestellen das Haus - anstelle dessen, dem es gehört. Sie passen auf, dass es nicht verschlossen ist, wenn der Eigentümer kommt. Sie handeln an seiner Statt. Sie machen es so, wie er es machen würde, wenn er da
wäre.
Liebe Gmeinde, dürfen wir uns das so zusagen lassen? Wir alle stehen für ihn, den Herrn, - in der Zeit seiner Abwesenheit, in der er aber schon am Kommen ist. Wir sind in seinem Haus und dürfen es so benutzen, als sei es unseres. Wir dürfen uns in dem, was Gott gehört sozusagen wie zu Hause fühlen? Es ist so. Und doch ist es immer wieder ganz neu so, es so zu hören. Die Knechte und Mägde ließen sich die Zeit des Wartens nicht lang werden. Ja, vielleicht fiel es ihnen gar nicht so auf, dass sie eigentlich warten. Sie waren gar nicht so auf den Zeitpunkt fixiert, wenn es am Tor klopfen, an der Tür läuten wird. Denn dass das Warten zäh und elend wird, das geschieht am ehesten dann, wenn es nichts mehr zu tun gibt und man fertig ist und träge wird. Da wird das Warten zum Kampf mit dem Schlaf. Da wird das "Wachet" zum elektrisierenden Stoß, dass der Moment, wo es richtig losgehen wird, nicht verpasst wird.
Geht es erst richtig los, wenn der Hausherr kommt? Ist erst sein Reich da, wenn er in es eingetreten ist? Ist das Haus erst erfüllt, wenn sein Eigentümer in ihm ist?
So empfanden es die Knechte und Mägde nicht. Und so brauchen wir nicht zu empfinden. Denn wie einladend ist es gerade heute nacht, wenn im Haus oder sogar davor ein Licht brennt um den Ankömmling zu leuchten. Und wie beruhigend ist es, im Haus noch Geräusche und Stimmen zu hören, so dass ich nicht ins Haus komme und keiner merkt es oder ich könnte die Schlafenden stören.
Gott, der zu uns kommt, möchte kein leeres Haus vorfinden. Auch keines, wo ein alter Diener knarrend die Tür öffnet. Er will sein Haus betreten, wo die Wartenden schon angefangen haben das zu tun, was er vollendet. Er will in sein Haus kommen, wohin sein Geist, sein Wille, seine Art, sein Stil ihm schon vorausgeeilt war. Das ist es aber, was die Mägde und Knechte schon längst empfangen haben, dass sie es in seiner Abwesenheit und seinem schon fortwährenden Kommen dort tun: Barmherzigkeit üben, Freude verbreiten, Glauben vermitteln, Tröstungen über den Unglücken einander zusprechen, Hilfe geben, das Gebet suchen - und zuletzt auch das Warten einüben. Wirklich zuletzt, wenn nach allem anderen noch Raum bleibt. Denn dass der Raum der Weite Gottes offen bleibt, durch das, was in ihm getan und gelebt wird, das ist das erste und wichtigste. Das ist es auch, was der Herr erwartet, der da bei allem Kommen auch schon immer leise mit da ist.
So haben wir allerhand zu tun, liebe Gemeinde. Mehr als "Wachet" und "Wartet", wenn es nicht das enthält: "Lebt" und "Liebt Gott".
Und dann? Was folgt dann ?
Dann wird sich zeigen, dass wir keine Dienerinnen und Knechte mehr sind. Ja, es in Wirklichkeit nie waren als die, die Gottes Kommen mit vorbereiten sollen. Die sich aber nichts darauf einbilden dürfen, denn noch ist es nicht so weit. Nur die Vorfreude, wie es dann sein wird, darf uns so leiten. Der, der erst noch kommen wird, macht uns schon jetzt in seinem Licht so groß. Der, der einst alles erfüllen wird, lässt uns schon jetzt erfüllt sein.
Ich glaube, wir treten so anders in das neue Jahr. Keine Vorstellung, weitere Jahre warten zu müssen leiten uns, sondern die Vorstellung, Empfangende zu sein, auch weiterhin,nehmen wir mit hinein. Und wir entfernen uns nicht, sondern bleiben beieinander.
In einem seiner schönsten Lieder singt Herbert Grönemeyer : "Ich gehe nicht weg. Hab' meinen Vertrag verlängert. Neue Zeitreise. Offene Welt." Wir alle verlängern an dieser Jahreswende irgendwie alle unseren Vertrag noch einmal eine Weile. Den Vertrag unter Gottes Wort zu bleiben. Den Vertrag, sein Haus aufzuhalten für alle Welt. Den Vertrag, dienstbar und frei durch ihn zu sein. Das ist aktives Warten, ein Warten, das lohnt.
Maranatha, so rief die alte Urchristenheit: Komm, Herr Jesus. Es ist unser Ruf ins neue Jahr: Maranatha.
Amen
In der Jakobuskirche Kuchen
Orgel- bzw. Posaunenvorspiel
Gruß
Lied: 671, 1 – 4 Diesen Tag Herr
Psalm: 145 (Nr. 756)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Glaubensbekenntnis
Posaunenzwischenspiel
Schriftlesung:
Lied: 5, 1 – 4 Gottes Sohn ist kommen
Predigt:
Lied: 147, 1 + 2 Wachet auf, ruft uns die Stimme
Überleitung z. Abendmahl
Sündenbekenntnis
Vergebungszusage
Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl
Lied 190.2 Christe du Lamm Gottes
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 541, 1 – 3 Von guten Mächten
Abkündigungen
Segen /Orgelnachspiel
Predigt an Silvester, 31.12.2008 in der Jakobuskirche Kuchen.
Reihe I Lukas 12, 35 - 38
>Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Amen<
Liebe Gemeinde,
es wird spät werden heute nacht, bis sich die meisten von uns zur Ruhe begeben werden. Vielleicht nicht ganz so spät oder schon wieder früh, dass jemand noch Hahnenschrei oder Morgendämmerung erleben wird. Aber deutlich nach Mitternacht wird es schon. Denn das neue Jahr zu begrüßen, wer will sich das entgehen lassen? Die wenigen Stunden werden schnell vergehen. Und weil man schon wach ist und der Moment gar etwas besonderes, da darf ruhig schon die eine oder andere Stunde noch daran gehängt werden. Zumindest wenn man nicht allein ist.
So sind nicht wenige heute die halbe oder dreiviertel der Nacht wach. Als Jugendlicher hat man sich vielleicht gelegentlich einen Sport daraus gemacht, die ganz Nacht wach zu bleiben. Und eine Nacht lang auf zu sein, ist schon etwas Eigenartiges. Das nutzen bestimmte Veranstalter auch aus, zum Beispiel bei langen Museumsnächsten oder ähnlichem.
Andererseits gibt es viele Menschen, die regelmäßig Nachtdienste haben - Pfleger und Krankenschwestern zum Beispiel. Eine Nacht kann da auch lang werden. Eine durchwachte Nacht kann müder machen als ein ganzer Tag. Normalerweise verläuft unser Leben in anderen Zeitabläufen. Die Nacht ist immer noch hauptsächlich zum Schlafen da. Und das ist auch gut so.
Auch in unserem Predigtabschnitt geht es um das Wach-sein und Wach-bleiben, gerade in der Nacht. Ganz passend doch für heute. Können wir heute ganz besonders dieses Gleichnis erfassen? Oder können wir's weil uns das nahende Jahr in diese Stimmung versetzt?
Hören wir auf die Worte aus dem 12. Kapitel des Lukasevangeliums:
Lk. 12, 35 - 38
Liebe Gemeinde,
kann dieses Gleichnis uns noch richtig berühren? Selbst in dieser Nacht, wo das eine oder andere Familienglied vielleicht zum Nachtschwärmer wird, bleibt wohl niemand auf, um ihn oder sie zurück zu erwarten. Heimkehrer von dem einen oder anderen Fest wird es diese Nacht schon geben. Sie haben ihre Schlüssel zur Haustür, wenn sie es nicht vorziehen, doch woanders zu übernach-ten. Dass jemand alleine deswegen wacht um jemanden zu erwarten, dem er Einlass gewähren soll, das scheint, nicht nur für heute, weit aus der Welt. Und dass es gar noch solche Herrschaftsverhältnisse gäbe, wo Knechte oder Mägde den Auftrag haben, das Tor aufzuma-chen, liegt fernab der Realität. Irgendwo im Film. Ein Buttler. Spielhandlung im vorletzten Jahrhundert. Da ist so etwas noch möglich.
So wird zwar heute nacht gewacht, aber nur aus Spaß an der Freude. Und gewartet wird auch. Auf den Gongschlag und die Raketen. Und ansonsten geht alles seinen normalen Gang. Wann jemand kommt oder ankommt, wird mit Datum und Uhrzeit benannt. Sonst kann niemand mit einem regulären Empfang rechnen.
Und doch rührt uns das Bild von den Wartenden auch an. Man kann es sich ganz leicht vorstellen, dass es so etwas gibt. Es ist gar nicht unmöglich. Denn jeder und jede hat auch schon einmal gewartet und weiß, wie das ist.
Dann, wenn man zu Hause ist und wartet, dass der Ehepartner kommt, vielleicht schon tief am Abend, von der Spätschicht, von einer Besprechung. Und es fallen einem Dinge ein, die man ihm gleich mitteilen muss. Oder was man sie fragen wird, wie es denn war, den Tag, den Abend.
Oder am Bahnhof warten wir auf die Ankunft eines nahen Freundes, einer Bekannten und malen uns schon aus, wie er, wie sie wohl jetzt aussieht.
Und nicht selten warten wir auf eine schon festgesetzte Zeit. Auf ein Jubiläum, das man mit der ganzen Familie feiern wird. Oder auf den schon festgesetzten Tag der Hochzeit. Ja, manche warten auch schon wieder auf den nächsten Urlaub.
Keines dieser Wartezeiten ist nutzlos vertane Zeit, denn im Warten liegt Vorfreude. In jedem Warten liegt auch schon vorweg Genommenes Begegnen und Begehen, dann wenn man sich ausmalt, was kommen wird und wie es dann sein wird, wenn das Erwartetete eingetroffen sein wird. Vielleicht sehnen wir uns ja sogar danach, wieder einmal so warten zu können, weil es auch etwas heimeliges hat und uns das Unbekannte, was kommen soll, vertraut
macht.
Warten ist eine gute Zeit. Und es ist gut dies zu hören, gerade jetzt, bei einem Jahreswechsel. Denn wie schnell holt unsere Gedanken die vergangene, die verfließende Zeit ein. Und so manche Tatsache, was denn auch in diesem Jahr nicht zustande kam, sich nicht verwirk-lichen ließ oder wie es jahraus, jahrein immer dasselbe ist, tritt da zutage. So raubt einem der Aufruf zu Warten von vornherein den Mut, weil es denn heißt: immer noch warten. Noch ein Jahr warten. Schauen wir, was möglich sein wird - oder auch nicht.
Doch wer so spricht, der wartet gar nicht mehr. Der hat schon ausgewartet und lässt den Dingen ihren Lauf.
Dazu sind wir aber an diesem Abend nicht zusammengekommen, um den Dingen ihren Lauf zu lassen und um zu denken, es soll halt alles weitergehen. Und darum ist es gut uns zuzurufen: Lasst uns warten und dieses Warten schon immer wieder unentwegt feiern. Lasst uns warten auf den Herrn, der da auf dem Weg ist zu uns und uns an unseren Rändern und Spitzen immer wieder berührt und erreicht, so dass wir gewiss sind, er ist schon sehr nahe. Aber noch mehr muss er zu uns kommen. Und diese Zeit soll uns nicht lang werden. Und wir sollen vor allem nichts von der Vorfreude, die im Warten liegt, verlieren.
Das ist das eine: freudig warten können, in das neue Jahr hinein.
Das andere ist aber eine ganz neue Sicht, mit der wir uns sehen dürfen: Der Herr ist auf dem Weg. Er ist noch außer Haus. Im Haus sind nur die Knechte und Mägde. Was werden sie tun? Sie räumen auf. Sie heizen vielleicht ein. Sie bereiten ein Mahl. Sie bestellen das Haus - anstelle dessen, dem es gehört. Sie passen auf, dass es nicht verschlossen ist, wenn der Eigentümer kommt. Sie handeln an seiner Statt. Sie machen es so, wie er es machen würde, wenn er da
wäre.
Liebe Gmeinde, dürfen wir uns das so zusagen lassen? Wir alle stehen für ihn, den Herrn, - in der Zeit seiner Abwesenheit, in der er aber schon am Kommen ist. Wir sind in seinem Haus und dürfen es so benutzen, als sei es unseres. Wir dürfen uns in dem, was Gott gehört sozusagen wie zu Hause fühlen? Es ist so. Und doch ist es immer wieder ganz neu so, es so zu hören. Die Knechte und Mägde ließen sich die Zeit des Wartens nicht lang werden. Ja, vielleicht fiel es ihnen gar nicht so auf, dass sie eigentlich warten. Sie waren gar nicht so auf den Zeitpunkt fixiert, wenn es am Tor klopfen, an der Tür läuten wird. Denn dass das Warten zäh und elend wird, das geschieht am ehesten dann, wenn es nichts mehr zu tun gibt und man fertig ist und träge wird. Da wird das Warten zum Kampf mit dem Schlaf. Da wird das "Wachet" zum elektrisierenden Stoß, dass der Moment, wo es richtig losgehen wird, nicht verpasst wird.
Geht es erst richtig los, wenn der Hausherr kommt? Ist erst sein Reich da, wenn er in es eingetreten ist? Ist das Haus erst erfüllt, wenn sein Eigentümer in ihm ist?
So empfanden es die Knechte und Mägde nicht. Und so brauchen wir nicht zu empfinden. Denn wie einladend ist es gerade heute nacht, wenn im Haus oder sogar davor ein Licht brennt um den Ankömmling zu leuchten. Und wie beruhigend ist es, im Haus noch Geräusche und Stimmen zu hören, so dass ich nicht ins Haus komme und keiner merkt es oder ich könnte die Schlafenden stören.
Gott, der zu uns kommt, möchte kein leeres Haus vorfinden. Auch keines, wo ein alter Diener knarrend die Tür öffnet. Er will sein Haus betreten, wo die Wartenden schon angefangen haben das zu tun, was er vollendet. Er will in sein Haus kommen, wohin sein Geist, sein Wille, seine Art, sein Stil ihm schon vorausgeeilt war. Das ist es aber, was die Mägde und Knechte schon längst empfangen haben, dass sie es in seiner Abwesenheit und seinem schon fortwährenden Kommen dort tun: Barmherzigkeit üben, Freude verbreiten, Glauben vermitteln, Tröstungen über den Unglücken einander zusprechen, Hilfe geben, das Gebet suchen - und zuletzt auch das Warten einüben. Wirklich zuletzt, wenn nach allem anderen noch Raum bleibt. Denn dass der Raum der Weite Gottes offen bleibt, durch das, was in ihm getan und gelebt wird, das ist das erste und wichtigste. Das ist es auch, was der Herr erwartet, der da bei allem Kommen auch schon immer leise mit da ist.
So haben wir allerhand zu tun, liebe Gemeinde. Mehr als "Wachet" und "Wartet", wenn es nicht das enthält: "Lebt" und "Liebt Gott".
Und dann? Was folgt dann ?
Dann wird sich zeigen, dass wir keine Dienerinnen und Knechte mehr sind. Ja, es in Wirklichkeit nie waren als die, die Gottes Kommen mit vorbereiten sollen. Die sich aber nichts darauf einbilden dürfen, denn noch ist es nicht so weit. Nur die Vorfreude, wie es dann sein wird, darf uns so leiten. Der, der erst noch kommen wird, macht uns schon jetzt in seinem Licht so groß. Der, der einst alles erfüllen wird, lässt uns schon jetzt erfüllt sein.
Ich glaube, wir treten so anders in das neue Jahr. Keine Vorstellung, weitere Jahre warten zu müssen leiten uns, sondern die Vorstellung, Empfangende zu sein, auch weiterhin,nehmen wir mit hinein. Und wir entfernen uns nicht, sondern bleiben beieinander.
In einem seiner schönsten Lieder singt Herbert Grönemeyer : "Ich gehe nicht weg. Hab' meinen Vertrag verlängert. Neue Zeitreise. Offene Welt." Wir alle verlängern an dieser Jahreswende irgendwie alle unseren Vertrag noch einmal eine Weile. Den Vertrag unter Gottes Wort zu bleiben. Den Vertrag, sein Haus aufzuhalten für alle Welt. Den Vertrag, dienstbar und frei durch ihn zu sein. Das ist aktives Warten, ein Warten, das lohnt.
Maranatha, so rief die alte Urchristenheit: Komm, Herr Jesus. Es ist unser Ruf ins neue Jahr: Maranatha.
Amen


