Predigtgottesdienst an Neujahr, 01. 01. 2009 
 
in der Jakobuskirche Kuchen
 
 
 
Orgelvorspiel
 
 
Begrüßung
 
 
Lied: 665, 1 – 4 Gelobt sei deine Treu
 
 
Psalm  1 ( 702)
 
 
            Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
 
Gebet / Stilles Gebet
 
 
Schriftlesung: Josua 1 , 1 – 9 
 
 
Lied: 39, 1 – 3 + 7 Kommt und ´lasst uns Christus ehren
 
 
Predigt
 
 
            Orgelmeditation
 
 
Lied 295, 1 – 4 Wohl denen, die da wandeln           
 
 
Dank- und Fürbittegebet
 
 
Vaterunser
 
 
Lied: 368, 1 – 4 In allen meinen Taten...
 
 
Abkündigungen
 
 
Segensstrophe
 
Segen
 
 
Orgelnachspiel
 
 
Predigt an  Neujahr, 01. 01. 2009  in der Jakobuskirche Kuchen
 
Reihe I
 
 
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.  Amen<
 
 
Liebe Gemeinde,
 
aller Anfang ist schwer, sagt man. Das kann für so vieles zutreffen. Wer sich in ein unbekanntes Fach einüben will, eine Sprache, ein Instrument neu erlernt, der hat es nicht einfach. Wer sich das Rauchen abgewöhnen will und seine erste unbewusst gezückte Zigarette wieder einsteckt, muss sich schon ziemlich überwinden. Wer nach einem Umzug in eine neue Schulklasse kommt, seufzt wohl erst einmal: alles ist so anders. Und wer nach langer Bettlägerigkeit erstmals wieder auf eigenen Füßen steht und die ersten Schritte geht, der glaubt es nicht, wie viel Kraft das doch kostet. Auch der Anfang, den Josua wagt, als er der Jordan überschreitet und das gelobte Land betritt, ist eine Herausforderung.
 
Aller Anfang ist schwer. Und doch geht es nicht ohne ihn. Ohne den ersten Schritt gibt es keinen zweiten und keinen dritten Schritt. Und ohne die Lektion Eins kommt man nie zur Lektion Zwei. Meister fallen eben nicht vom Himmel. Meister fangen von vorne an. Manchmal sogar mehrmals.
 
Manche Anfänge dagegen fallen gar nicht schwer. Zum Beispiel das neue Jahr zu beginnen. Es kommt, ist einfach da, wir gehen hinein ins neue Jahr und stehen schon unversehens mitten drin.
 
Nach langer Zeit alte Freunde zu treffen, kann ganz leicht sein. Gleich ist da Offenheit, wo man sich meinte mühsam erst wieder aneinander herantasten zu müssen. Die Themen fliegen einem geradewegs zu, man ist sich einig – wie in uralten Zeiten. Ein Neuanfang ist es, als habe man nie aufgehört sich zu sehen.
 
Anfangsgeschichten sind auch die Geschichten um Jesus wie er mit seinem Wirken begann. Zu der Zeit, als ihn noch gar nicht viele kannten. Ein Anfang mit Jesus, ist er leicht wie etwas, das wie selbstverständlich und harmonisch geschieht. Oder ist der Anfang mit Jesus eher eine ziemliche Umstellung, ein Herausgerissenwerden aus allem Bekannten? Treffen wir auf Erwartetes oder auf Unerwartetes?
 
Das Lukasevangelium beschreibt einen ersten Anfang, ziemlich gleich nach der Erzählung des Weihnachtsgeschehens so:
 
                                   Text: Lukas 4, 16 – 30
 
Liebe Gemeinde,
 
am Anfang ist man erst einmal vorsichtig. Man probiert aus, versucht langsam Sicherheit zu gewinnen. Am Anfang orientiert man sich erst einmal. Niemand steigt nach bestandenem Führerschein in sein Auto und jagt mit Vollgas um die Ecken. Alles Gelernte, jede Verkehrsregel wird beachtet.
 
Auch der neue amerikanische Präsident Barak Obama wird nicht morgen vors Mikrophon treten und sagen: ich rette die amerikanische Wirtschaft und zwar sofort. Und als nächstes stifte ich Frieden in Nahost für immer. Nicht einmal auf der Höhe seines Amtes würde er das sagen. Überheblichkeit ist bei weitem auch ein Anfängerproblem. Daran erkennt man den Unerfahrenen, dass er Dinge verspricht, die er nicht halten kann.
 
Aber Jesus, sagt der nicht ein paar zu große Worte? Auf mir ruht der Geist. Heute ist die Verheißung erfüllt. Das seit Jahrhunderten Geglaubte, Gehoffte wird nun wahr. Eure Augen und Ohren sehen und hören es. Macht sie nur auf.
 
Die Leute stutzen auch und fragen sich: Wer hat uns da etwas zu sagen? Kennen wir den? Ist das nicht der Sohn Josephs, des Zimmermanns? Woher will der solche Dinge wissen? Sagen eigentlich der Synagogenvorsteher und der Rabbi nichts dazu?
 
Eines ist sicher, die Aufmerksamkeit hat er auf seiner Seite. Und dabei steht er doch, wie gesagt, erst am Anfang.
 
Liebe Gemeinde, ich frage mich da, ob das Wohlverhalten am Anfang nicht auch eine Täuschung sein kann. Um sich nicht von vornherein lächerlich zu machen, schaut man, wie man ankommt. Um nicht gleich ins Fettnäpfchen zu treten, hört man sich ein bisschen um, was denn angesagt ist und um was man sich besser nicht kümmert. Um nicht vor den Kopf zu stoßen, passt man sich erst einmal an. Da sind genügend alte Hasen. Da sind genügend die es besser können. Da sind schon welche, die mich zurückstutzen werden, wenn ich’s nicht mache wie sie. Nicht aller Anfang ist schwer. Sondern: Alle machen den Anfang schwer. Jeder passt auf. Und so wird Zurückhaltung, Schamhaftigkeit und Kleinlaut zu sein, zur Anfängerkrankheit. Eine allerdings, die die Umgebung zustimmend akzeptiert. Denn allen ist es am Anfang ähnlich gegangen. Und am Ende kommt es nur darauf an, dass jeder dasselbe macht und ja nicht einer mit etwas gänzlich Neuem anfängt.
 
Wo ich vorhin schon von den Fahrstunden mit dem Auto sprach, muss ich aber sagen, dass ich mit dem ersten richtigen Gasgeben mein Anfängertum überwand. Denn da konnte ich mit einem Mal links vorbei ziehen und vor mir eine Lücke nutzen, anstatt den Verkehr aufzuhalten durch falsche Vorsicht. Also muss der Anfang nicht zaghaft sein.
 
Weiß Jesus um diese Tücken des Anfangs? Fällt er darum mit der Tür ins Haus, wie es scheint? Hier beginnt Gott neu. Dies ist die Stunde der Erfüllung. Ein Gnadenjahr beginnt. Noch einmal: Für einen, der sich sonst noch nie hervorgetan hat, sind das große Worte. Sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Denn für Jesus steht nicht er am Anfang, sondern alles steht am Anfang. Für das was Jesus zu sagen und zu bringen hat, gibt es kein Vorbild und kein Beispiel. Im Glauben kann niemand voraus sein. Vor Gott steht jeder an der Startlinie. Und alles, was Jesus ausdrückt, ist eben kein: Ich fange hier heute an, lasse mich im Gottes-dienst einführen, meine Stelle in gebührender Weise einzunehmen. Was Jesus ausdrückt ist ein: Wir fangen hier heute an. Und was wir jetzt wissen, können wir getrost vergessen: Alle Prophezeiungen für später. Sie waren nur vorläufig und sind jetzt vorbei. Denn die Zeit ist da.
 
Welche Zeit? Was soll geschehen? Wo ist etwas erfüllt?
 
Dass das Heil verkündet wird. Den Armen. Dass Freiheit da ist. Für Gefangene. Dass der, der nichts gesehen hat, jetzt sieht. Dass Zusammengebrochene aufstehen. Dass es Aussicht gibt. Für den, der im tiefen Loch sitzt. Dass es Hoffnung gibt. Für die gesenkten Blicke.
 
Dass es Erlass gibt. Für alle Schuldigen.
 
Liebe Gemeinde, das sind schöne Worte. Das spürte Jesu erste Gemeinde dort in der Synagoge auch. Es ist die Stimme der Ermutigung. Es sind Sätze des Zuspruchs. Rede zum Haus Jakob, zu dem arg gebeutelten Volk freundlich. Jesus tut es. Von der Zukunft, die gerade beginnt, handelt seine Rede, nicht von der Vergangenheit. Die Menschen hier betrifft es. Nicht andere, nicht bessere an einem fernen Ort. Und vor allem die hören es, die so etwas noch nie gehört haben.
 
Vielleicht hat Jesus für seinen Anfang doch das Beste getan. Wer den richtigen Ton trifft, der darf auch schon mal etwas zu viel sagen. Wer Neues so bezwingend, auf so im Guten vereinnahmende Art und Weise sagt, der darf auch als Anfänger über das Ziel hinausschießen. Respekt vor so viel Mut, mögen nicht wenige gedacht haben. Heute kommt das Heil. Eine kolossale Behauptung, die man sich gerne anhört, selbst wo es ja doch nicht der Fall ist. Die Welt hat schon immer Visionen gebraucht. Und Jesus hat eine Vision.
 
Aber nein – es war kein kalkulierter Erfolg, den Jesus  anstrebte. Es war nicht der Paukenschlag, mit dem Jesus ins Licht der Öffentlichkeit trat. Das meinte die raunende Menge so verstanden zu haben. Doch Jesus ging es wirklich um das Jetzt des Beginns. Er wird eindringlich, weil er zugleich auch aufrütteln muss: Ihr wisst nicht was das heißt, wenn Gott nicht mehr wartet und ihr auch nicht mehr warten könnt. So hat noch jede Sonntagsrede angefangen, glaubt das Volk. Es ist aber keine Sonntagsrede, es ist Realität, sagt Jesus.
 
Aller Anfang ist unscheinbar. Und alles Große auch. Vom Freiwerden spricht die Prophetie, die Jesus vorliest. Von der Heilung Blinder spricht sie. Von der guten Nachricht für die Armen spricht sie. All das soll verkündet werden. All das soll gepredigt werden. Heute, da ich vor euch stehe und es sage, kommt es in die Welt. Indem ich es euch mitteile, wird es wahr.
 
Was soll geschehen? Was ist erfüllt? Wo denn?
 
Ernüchtert ist die Gemeinde, die erkennt, dass sie nur hören kann aber nichts mit Händen zu greifen ist. Enttäuscht ist die Gemeinde, dass sie nur Worte hat und keine Taten.
 
Von Kapernaum hört man Wunderdinge. Heilungen und vertriebene Dämonen. Und für uns gibt es nur hehre Worte? Anderswo bist du der Arzt. Und hier soll nur die Beratung sein? Was du anfasst, verändert sich. Aber hier gibt es nur vollmundige Erfüllungsworte. Wir wollen nichts hören Jesus. Wir wollen erleben, wir wollen berührt sein, es spüren, ergriffen sein, erschüttert, wenn es sein muss. Und dazu...? Ja dazu müssen wir sehen wie Ketten gesprengt werden und Gefängnistüren aus den Angeln fliegen. Gefangene werden frei. Dazu müssen wir den Armen als Reichen wieder begegnen.  Das Blatt hat sich gewendet, sichtbar. Dazu müssen wir den, der sich die Augenbinde wegreißt, Gott loben und preisen hören. Auf seinem Gesicht wollen wir das Strahlen erblicken, das das Licht in ihm hervorruft. Gib uns diese Zeichen Jesus.
 
Ich glaube, wir können uns diese Gemeinde sehr gut vorstellen. Auch der Unmut ist uns nicht fremd, der die erfasst, die mehr wollen. Mehr als sie bekommen.
 
Und Jesus sagt: Keine Zeichen. Nur mein Wort und mein Geist. Aller Anfang ist unscheinbar. Und das Große ist nicht sichtbar.
 
Denn Heil lässt sich nicht in die Bahnen zwingen, wie wir es gerade brauchen oder begreifen wollen. Das Gute lässt sich nicht irgendwie anschaulich machen. Und das, was wir mit Händen zu greifen meinen, ist oft nur das Vordergründige, das zerfällt und wertlos wird, wenn wir es dann in der Hand haben.
 
So stehen wir mit Jesus wirklich am Anfang, wo wir das einsehen. Wo Erfüllung geschieht, ist sie nicht nachweisbar, ist sie nicht vorzeigbar. Es gibt ein Sehen jenseits des Lichts. Es gibt ein Freiwerden selbst zwischen Mauern. Es gibt ein Aufstehen jenseits der Heilung.
 
Es geschieht und wird möglich durch Christus. Heute. Jederzeit.
 
Aller Anfang ist  - ein Anfang. Nicht mehr. Und zugleich ist er schon alles. In Christus liegt kein zögerlicher Anfang und auch kein überschwänglicher Anfang. In Christus ist nicht das vorsichtige Umschauen nach den anderen. In Christus ist der Anfang von Erfüllung. Er ist nicht leicht, nicht einfach, nicht selbstverständlich. Und im eigentlichen können wir nur um eines hoffen und beten, dass nämlich Christus in uns anfängt. Er ist unser Anfang.             Amen
 

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