Predigtgottesdienst mit Taufen am Sonntag Estomihi, 06. 03. 2011
in der Jakobuskirche Kuchen 10.00 Uhr
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 446, 1 – 6 Wach auf mein Herz und singe..
Psalm Ps 139 (Nr. 754)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Ansprache zur Taufe
Tauflied: 395, 1 – 3 Vertraut den neuen Wegen...
Schriftlesung zur Taufe
Glaubensbekenntnis
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
Lied: 401, 1 – 4 Liebe, die du mich zu Bilde...
Predigt: Lk 10, 38 - 42
Lied: 386, 1 – 4 Eins ist not! Ach Herr dies eine...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 256, 1 + 2 + 5 Einer ist’s, an dem wir hangen...
Abkündigungen
Segensstrophe 446, 7 + 9 So wollst du nun vollenden...
Segen
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Estomihi am 06.03. 2011 in Gingen und Kuchen, am Sonntag Invokavit 13.03. 2011 in Süßen und Donzdorf
Reihe III; Lukas 10, 38 - 42
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
„geh hin zur Ameise, du Fauler und lerne“, diese Weisheit finden wir im Buch der Sprichwörter. Arbeiten, sich mühen und regen haben einen hohen Stellenwert in der Bibel. Schließlich soll der Mensch ja sechs Tage lang arbeiten und erst am siebenten wie Gott ruhen. Und der 90. Psalm lehrt uns, dass unser Leben dann köstlich erscheint, wenn es Mühe und Arbeit war, geht sie auch mit uns dahin. Die Bestimmung des Menschen ist es, tätig zu sein. Von den Tagen im Paradies an hat er die Aufgabe zu bebauen und zu bewahren. Ein hohes Arbeitsethos hat sich daraus insbesondere im Protestantismus herausgebildet. Bei Beerdigungsgesprächen klingt es immer noch in einer Art stolzer Bestätigung nach, wenn es – meistens von einer Frau – heißt: Sie hat ihr ganzes Leben lang geschafft. Sie hat für Ordnung gesorgt, sie hat die Kinder erzogen, sie hat den Opa gepflegt, sie hat mit Halbtagsjobs die Familienfinanzen aufgebessert. Was nur mehr könnte ein Mensch noch leisten. Scherzhaft sagen Frauen, die in solch einer Welt vielfacher Aufgaben stehen heute von sich: ich leite ein kleines Familienunternehmen. Das trifft es durchaus. Viel Management steckt dahinter, von der Terminplanung bis zur reibungslosen Versorgung. Im Buch der Sprichwörter finden wir als eine schöne Bestätigung das Lob der Hausfrau. Im Neuen Testament aber hat vor allem eine Geschichte eine bedenkliche Sicht auf den Wert oder aber schon den Unwert solch vieler Arbeit geworfen. Es ist die Erzählung von Maria und Martha im Lukasevangelium im 10. Kapitel. Ich lese daraus die Verse 38 bis 42:
Text: Lukas 10, 38 – 42
Liebe Gemeinde,
gestern Morgen war ein gutes Dutzend beieinander, die rund ums Evangelische Gemeindehaus im Garten gearbeitet, die Kieswege erneuert und die Fußballtore abgeschmirgelt haben. Die Mehrzahl davon waren Jungs und Männer, die sich dieser Geschäfte angenommen haben, die Hand angelegt haben und ganz praktisch etwas geleistet haben.
Am Freitagabend hingegen waren etwa achtzig Frauen beieinander, die den Weltgebetstag gestaltet haben. Sie haben einen Gottesdienst gefeiert, über Chile informiert, sie haben gesungen und gebetet und sind anschließend noch in geselliger Runde beisammen gesessen, in der niemand zu bedienen brauchte. Die Hauptsache war, Gemeinschaft zu haben und Gott zu loben. Wenn man will, so haben also achtzig Frauen zu Jesu Füßen gesessen.
Dann haben wir es doch wohl erreicht, dieses Ungleichgewicht der Maria – und – Martha – Erzählung aufzuheben. Es sind dann doch nicht mehr die Marthas für Gemeindehausküche und Gemeindehaus-saal zuständig, während die vornehmeren geistlichen Aufgaben den Herrschaften vorbehalten bleiben. Die lang ersehnte Neuverteilung, sie könnte also inzwischen vollzogen sein, oder zumindest im Gange sein.
Aber wir wissen es, der Zufall allein gibt hier das schöne, zukunfts-weisende Bild ab. Beim Nachmittag für die ältere Generation „Immergrün“ sind es vier bis fünf Frauen, die in der Küche stehen; bei der Kinderbibelwoche ebenso. Und beim Gemeindefest gibt auch nur ein Mann, seines Zeichens Mesner, einen eignen Kuchen ab. Den Rest haben Frauen gemacht.
Ja, es hat ihn lange gegeben, den Unmut über diese Maria – und – Martha – Geschichte und gibt ihn noch. Und dass hier zwei Frauen in Konkurrenz zueinander stehen und nicht Mann und Frau, macht diese Geschichte nicht einfacher, sondern schlimmer. Denn ein Mann, Jesus lobt das Tun der einen, nämlich Maria, vor dem der anderen, Martha. Und es ist kein Lob der Hausfrau. Es ist eine Frage, wie sinnvoll deren Handeln ist. Und viele Marthahände in den Gemeinden haben es so verstanden: schon recht und gut, was ihr da macht. Aber es ist nicht das Eigentliche. Und das war und ist immer noch für viele eine bittere Erfahrung und Lektion. Denn wehe, wenn die besagten Marthas ihre Hände in den Schoß gelegt hätten. Was wäre gelaufen und würde noch laufen in der Kirche – nicht nur in der Küche, sondern auch in der Kirchenpflege, in der Kirchenmusik, im Mesneramt, im Gemeinderat, im Evangelischen Kindergarten sowieso. – Nun, das alles gab es zu Zeiten von Jesus und Lukas noch nicht. In Tempel und Synagoge waren nur Männer zugange. Selbst die Händler, die Jesus aus dem Vorhof vertreibt, waren Männer. Im öffentlichen Leben standen Frauen sehr weit im Hintergrund.
Von daher ist es schon eine große Ausnahme, dass Martha hier Jesus und die Jünger aufnimmt. Martha, unverheiratet oder verwittwet, jedenfalls allein lebend mit ihrer Schwester, die ebenfalls solo ist. Dabei ist Martha wohl in der Position der Hausherrin, denn sie spricht die Einladung aus, spricht sie aus und übernimmt zugleich die Verantwortung dafür. Wer Gäste aufnimmt, für den stehen automatisch eine Reihe von Aufgaben ins Haus: Ist genügend Platz da? Wollen sich die Herren (und vielleicht doch auch Damen) Jünger etwas erfrischen? So abwegig ist das ja alles nicht und Jesus war dem auch nicht abgeneigt. Denn als er im Haus des Pharisäers Simon war wo eine Sünderin Jesus salbte, merkte er an: Du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, die Sünderin aber hat meine Füße mit Tränen gewaschen. Sich reinigen zu können, zeichnete den guten Ton eines Hauses aus. Und als Jesus bei dem Zöllner Zachäus zu Gast war, ließ er sich gerne auch bewirten mit seiner Gruppe – und nicht nur, weil Zachäus ja nun reich war, sondern weil es zur Gastfreundschaft dazu gehört. Kein Wunder hat Martha allerlei zu regeln, umherzulaufen, Stühle zu rücken und Tische zu schieben, mit Geschirr zu klappern und vielleicht einer Dienerin noch Anweisungen zuzurufen. Denn so sieht es ja aus, wenn man sich viel zu schaffen macht, wie Luther übersetzt, dass eine, die tüchtig ist oder sein will, an mindestens drei Stellen gleichzeitig sein müsste. Und das schafft sie nicht. Und das bringt auch eine Gastgeberin heutzutage aus der Puste. Ganz zerrissen ist sie zwischen allem, was sonst noch notwendig ist. Und Jesus sieht es oder bemerkt es zumindest. Aber er lässt sie auch gewähren.
Und dann Maria. Auch sie handelt ungewöhnlich. Erstens, sie springt nicht ihrer tonangebenden Schwester bei. Zweitens, sie setzt sich wie ein Schüler einer Rabbinenschule, der sie ja nie angehören könnte, zu Füßen des Lehrers. Drittens könnte man ihr sogar eine gewisse Neugierde unterstellen, die sicher unschicklich wäre. Sie steht ja nicht irgendwo verschämt am Rand und passt auf, dass sie das eine oder andre Wort Jesu aufschnappt. Nein, sie sitzt mitten unter den anderen (in Klammern: männlichen) Jüngern, sie ist ganz im Hören auf Jesus konzentriert und weiß auf alle Fälle, dass ihr alles Hauswirtschaftliche in diesem Moment völlig egal ist.
Kann es sein, dass viele Frauen auch mit diesem Selbstbewusstsein der Maria haderten? Dass sie es ihr neideten, dass sie sich etwas herausnahm, was sie sich selber nie herausnehmen. Dass diese Frau weiß, was sie will, und man selbst immer gesagt bekommen hat, was man soll? Es liegt nicht an der Geschichte, sondern es liegt an der Vorerfahrung im eigenen Leben, dass das Dargestellte so wirkt. Verdammt sein zur Martha und doch von Herzen gern Maria sein zu wollen, wie viel von diesem Schmerzen überlagert das, was da eigentlich geschieht?
Denn Jesus sagt nicht zur Martha: Du machst dir viel unsinniges Geschäft. Er sagt erst recht nicht: Hör mit deiner nervigen Herumwirt-schafterei auf (welche der Frauen hat nicht so etwas schon zu verstehen bekommen?). Er sagt auch nicht: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe“, so wie es hier steht. Vielmehr ist es zu verstehen als: „Du sorgst dich und es lärmt um dich vieles.“ Jesus sieht, in welchem Tumult sie steht, wie sie unter Stress steht, wie sie das alles an ihre Grenzen bringt. Die Frage ist, ob es das in jedem Fall wert ist. Denn es ist angenehm, versorgt und bequem da zu sitzen. Das Tun der Martha verfehlt seinen Zweck nicht. Und Martha ist ganz und gar nicht darauf aus, für ihre Anstrengung nun überaus gelobt zu werden. Ja, sie unternimmt all das aus der Hochachtung und Liebe zu Jesus. Sie will ihm dienen mit ihren Fähigkeiten. Und sie tut das ehrlich um seinetwillen. Aber sie will noch mehr. Sie will, dass auch andere, zumindest ihre Schwester in diese, ihre Art von Dienst mit einbezogen sind. In gewisser Weise ist sie auch auf einem Auge blind, denn sie erkennt sich als die Aktive, ihre Schwester aber als die Passive. Sie sieht sich als die Nützliche, ihre Schwester aber als die Nutzlose. Weil Martha darauf vertraut, dass Jesus ihr Tun anerkennt, darum erst wagt es Martha ihn auch wegen Marias Hilfe anzusprechen. Wir beide, so ihre Meinung, sollten dir Gutes tun. Auch Maria soll sich ihres Dienstes rühmen können – würde sie sich nur dazu bereit erklären. Verhilf du, Jesus, ihr doch zu dieser Ehre, der Ehre, dir zu dienen, so wie ich es mache. Martha meint es gut; mit Jesus, mit ihrer Schwester und letztlich auch mit sich selber. Tischdienst ist angesagt, wenn Gäste da sind, wenn das eigene Haus zur Verfügung gestellt sein soll, wenn Verhältnisse zu schaffen sind, Jesus und die anderen zu beherbergen.
Jesus sagt: Martha, du machst dir viel Aufhebens mir zuliebe. Aber dann hebt er heraus: Maria gibt mir auch etwas. Sie schenkt mir ihre Aufmerksamkeit. Sie schenkt mir ihr Vertrauen. Sie sieht mich an und glaubt meinen Worten. Das ist gleichfalls eine Liebestat. Raube sie ihr nicht. Und raube sie mir nicht.
Liebe Gemeinde, muss diese Antwort von Jesus nun Martha brüskieren? Ist sie in ihrer hauswirtschaftliche Sorge eher degradiert worden? Immerhin hat ja Maria das gute Teil erwählt. Und nur eines ist eben notwendig. Tassen, Teller, Wein Brot und Oliven – zu anderer Zeit wieder mehr. Jetzt aber das eine. Gottes Wille. Sein Wort.
Das ist nun eine Anfrage für unseren Glauben auch. Wie wollen wir ihn zeigen? Indem wir renovieren, hin – und herräumen, planen und bauen? Indem wir beraten, uns ins öffentliche Bewusstsein bringen, werben? Christinnen und Christen, Gemeinden, ihr macht euch viel Unruhe und Sorgen. Eines aber ist notwendig. Der Marthadienst in den Kirchenmauern ist notwendig und unerlässlich. Aber nur solange er euch nicht auffrisst. Nur solange er nicht zum Neid auf die führt, die sich Zeit nehmen um Hören zu wollen. Nur solange es nicht auf Kosten der anderen Glaubenspraxis geht: Innehalten, sich von Gott ansprechen lassen, Andacht halten, Stille werden. Dann erkennen wir vielleicht, dass Gott, der meinen Dienst verlangt nicht das ist, was Jesus uns nahe bringen will. Denn es ist Gottes Sohn, der spricht: Nicht ihr sollt mir dienen, denn ich bin gekommen um euch zu dienen. Darum sollt ihr euch kein Geschäft machen, sondern euch gefallen lasse, was ich gebe. Darum sollt ihr die Arbeit aus der Hand legen, damit ihr die Hände für meinen Segen aufhalten könnt. Darum sollt ihr meine Lebenshingabe erfahren für euch, auf dass ihr frei seid. Frei auch davon euch durch eigene Wirksamkeit Achtung und Rechtschaffenheit und Bestätigung zu ergattern.
Das gute Teil hat Maria erwählt. Das nämlich, von Jesus etwas entgegen zu nehmen. Das, was er nur geben kann. Das, was im Moment seiner Anwesenheit einzig zu haben ist: sein direktes Wort, sein Dienst an den Menschen.
Zum Schluss gefragt: Wie hätte denn die Geschichte weitergehen können, wie hätte sie enden können? Dass Jesus und die Seinen aufstehen und Martha in ihrem Tun unter die Arme greifen? Es ist ein Sozialwunschdenken wie wir hofften, dass es so in unseren Familien zugehen möge – jeder hilft mit. Oder sagt Maria zu ihrer Schwester: setz du dich jetzt, ich mache den verbleibenden Rest deiner Arbeit. Auch eine schöne aber auch unwahrscheinliche Überlegung. Oder Martha zieht einfach die Schürze aus und lässt Arbeit Arbeit sein. Wäre das so gut, auch in unseren Kirchen, wenn Notwendiges liegen bliebe, wenn der Dienst nicht getan würde? Weshalb war Martha zu Jesus gekommen? Weil sie sich aufregte, dass ihre Schwester nichts tut und ihr die Arbeit über den Kopf wächst. Nun weiß sie, dass Maria auch etwas Wichtiges ausführt und nicht nur faul ist und sie selbst sich nicht sorgen braucht, dass ihr hauswirtschaftliches Tun weder gesehen wird, noch ausreicht. Gelassener kann sie den Rest bewerkstelligen und dazu stehen, dass sie gerne für jemanden sorgt und es annehmen, dass es ihre Art ist, Jesus so ihre Liebe zu erweisen. Schließlich, so kann man sagen, hat ihr Einspruch ja wirklich Evangeliumsgeschichte geschrieben. Von Martha wissen wir mehr und lernen wir mehr als von Maria. Die lernt für sich.
Vielleicht muss es ja nicht nur ein zufälliges Zusammentreffen sein, dass Männer im Gemeindehaus aufräumen und Frauen sich dem Wort Gottes widmen, wie es dieses Wochenende war. Das könnte immer mehr und ganz mit Absicht so werden. Und die Einsicht wird wachsen, dass Wort und Tat doch ganz nahe zusammen gehören.
Amen
Predigtgottesdienst am Sonntag Estomihi am 06.03. 2011
in der Johanneskirche Gingen 9.00 Uhr
Orgelvorspiel
Lied: 446, 1 – 6 Wach auf mein Herz und singe..
Begrüßung
Psalm: Ps 31 (Nr. 716)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet (576 Meine Hoffnung und meine Freude...)
Schriftlesung: 1. Kor. 13, 1 - 8
Lied: 401, 1 – 4 Liebe, die du mich zu Bilde...
Predigt zu Lk 10, 38 - 42
Lied: 386, 1 – 4 Eins ist not! Ach Herr dies eine...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 256, 1 + 2 + 5 Einer ist’s, an dem wir hangen...
Abkündigungen
Segensstrophe 421 Verleih uns Frieden gnädiglich
Segen
Orgelnachspiel
in der Jakobuskirche Kuchen 10.00 Uhr
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 446, 1 – 6 Wach auf mein Herz und singe..
Psalm Ps 139 (Nr. 754)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Ansprache zur Taufe
Tauflied: 395, 1 – 3 Vertraut den neuen Wegen...
Schriftlesung zur Taufe
Glaubensbekenntnis
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
Lied: 401, 1 – 4 Liebe, die du mich zu Bilde...
Predigt: Lk 10, 38 - 42
Lied: 386, 1 – 4 Eins ist not! Ach Herr dies eine...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 256, 1 + 2 + 5 Einer ist’s, an dem wir hangen...
Abkündigungen
Segensstrophe 446, 7 + 9 So wollst du nun vollenden...
Segen
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Estomihi am 06.03. 2011 in Gingen und Kuchen, am Sonntag Invokavit 13.03. 2011 in Süßen und Donzdorf
Reihe III; Lukas 10, 38 - 42
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
„geh hin zur Ameise, du Fauler und lerne“, diese Weisheit finden wir im Buch der Sprichwörter. Arbeiten, sich mühen und regen haben einen hohen Stellenwert in der Bibel. Schließlich soll der Mensch ja sechs Tage lang arbeiten und erst am siebenten wie Gott ruhen. Und der 90. Psalm lehrt uns, dass unser Leben dann köstlich erscheint, wenn es Mühe und Arbeit war, geht sie auch mit uns dahin. Die Bestimmung des Menschen ist es, tätig zu sein. Von den Tagen im Paradies an hat er die Aufgabe zu bebauen und zu bewahren. Ein hohes Arbeitsethos hat sich daraus insbesondere im Protestantismus herausgebildet. Bei Beerdigungsgesprächen klingt es immer noch in einer Art stolzer Bestätigung nach, wenn es – meistens von einer Frau – heißt: Sie hat ihr ganzes Leben lang geschafft. Sie hat für Ordnung gesorgt, sie hat die Kinder erzogen, sie hat den Opa gepflegt, sie hat mit Halbtagsjobs die Familienfinanzen aufgebessert. Was nur mehr könnte ein Mensch noch leisten. Scherzhaft sagen Frauen, die in solch einer Welt vielfacher Aufgaben stehen heute von sich: ich leite ein kleines Familienunternehmen. Das trifft es durchaus. Viel Management steckt dahinter, von der Terminplanung bis zur reibungslosen Versorgung. Im Buch der Sprichwörter finden wir als eine schöne Bestätigung das Lob der Hausfrau. Im Neuen Testament aber hat vor allem eine Geschichte eine bedenkliche Sicht auf den Wert oder aber schon den Unwert solch vieler Arbeit geworfen. Es ist die Erzählung von Maria und Martha im Lukasevangelium im 10. Kapitel. Ich lese daraus die Verse 38 bis 42:
Text: Lukas 10, 38 – 42
Liebe Gemeinde,
gestern Morgen war ein gutes Dutzend beieinander, die rund ums Evangelische Gemeindehaus im Garten gearbeitet, die Kieswege erneuert und die Fußballtore abgeschmirgelt haben. Die Mehrzahl davon waren Jungs und Männer, die sich dieser Geschäfte angenommen haben, die Hand angelegt haben und ganz praktisch etwas geleistet haben.
Am Freitagabend hingegen waren etwa achtzig Frauen beieinander, die den Weltgebetstag gestaltet haben. Sie haben einen Gottesdienst gefeiert, über Chile informiert, sie haben gesungen und gebetet und sind anschließend noch in geselliger Runde beisammen gesessen, in der niemand zu bedienen brauchte. Die Hauptsache war, Gemeinschaft zu haben und Gott zu loben. Wenn man will, so haben also achtzig Frauen zu Jesu Füßen gesessen.
Dann haben wir es doch wohl erreicht, dieses Ungleichgewicht der Maria – und – Martha – Erzählung aufzuheben. Es sind dann doch nicht mehr die Marthas für Gemeindehausküche und Gemeindehaus-saal zuständig, während die vornehmeren geistlichen Aufgaben den Herrschaften vorbehalten bleiben. Die lang ersehnte Neuverteilung, sie könnte also inzwischen vollzogen sein, oder zumindest im Gange sein.
Aber wir wissen es, der Zufall allein gibt hier das schöne, zukunfts-weisende Bild ab. Beim Nachmittag für die ältere Generation „Immergrün“ sind es vier bis fünf Frauen, die in der Küche stehen; bei der Kinderbibelwoche ebenso. Und beim Gemeindefest gibt auch nur ein Mann, seines Zeichens Mesner, einen eignen Kuchen ab. Den Rest haben Frauen gemacht.
Ja, es hat ihn lange gegeben, den Unmut über diese Maria – und – Martha – Geschichte und gibt ihn noch. Und dass hier zwei Frauen in Konkurrenz zueinander stehen und nicht Mann und Frau, macht diese Geschichte nicht einfacher, sondern schlimmer. Denn ein Mann, Jesus lobt das Tun der einen, nämlich Maria, vor dem der anderen, Martha. Und es ist kein Lob der Hausfrau. Es ist eine Frage, wie sinnvoll deren Handeln ist. Und viele Marthahände in den Gemeinden haben es so verstanden: schon recht und gut, was ihr da macht. Aber es ist nicht das Eigentliche. Und das war und ist immer noch für viele eine bittere Erfahrung und Lektion. Denn wehe, wenn die besagten Marthas ihre Hände in den Schoß gelegt hätten. Was wäre gelaufen und würde noch laufen in der Kirche – nicht nur in der Küche, sondern auch in der Kirchenpflege, in der Kirchenmusik, im Mesneramt, im Gemeinderat, im Evangelischen Kindergarten sowieso. – Nun, das alles gab es zu Zeiten von Jesus und Lukas noch nicht. In Tempel und Synagoge waren nur Männer zugange. Selbst die Händler, die Jesus aus dem Vorhof vertreibt, waren Männer. Im öffentlichen Leben standen Frauen sehr weit im Hintergrund.
Von daher ist es schon eine große Ausnahme, dass Martha hier Jesus und die Jünger aufnimmt. Martha, unverheiratet oder verwittwet, jedenfalls allein lebend mit ihrer Schwester, die ebenfalls solo ist. Dabei ist Martha wohl in der Position der Hausherrin, denn sie spricht die Einladung aus, spricht sie aus und übernimmt zugleich die Verantwortung dafür. Wer Gäste aufnimmt, für den stehen automatisch eine Reihe von Aufgaben ins Haus: Ist genügend Platz da? Wollen sich die Herren (und vielleicht doch auch Damen) Jünger etwas erfrischen? So abwegig ist das ja alles nicht und Jesus war dem auch nicht abgeneigt. Denn als er im Haus des Pharisäers Simon war wo eine Sünderin Jesus salbte, merkte er an: Du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben, die Sünderin aber hat meine Füße mit Tränen gewaschen. Sich reinigen zu können, zeichnete den guten Ton eines Hauses aus. Und als Jesus bei dem Zöllner Zachäus zu Gast war, ließ er sich gerne auch bewirten mit seiner Gruppe – und nicht nur, weil Zachäus ja nun reich war, sondern weil es zur Gastfreundschaft dazu gehört. Kein Wunder hat Martha allerlei zu regeln, umherzulaufen, Stühle zu rücken und Tische zu schieben, mit Geschirr zu klappern und vielleicht einer Dienerin noch Anweisungen zuzurufen. Denn so sieht es ja aus, wenn man sich viel zu schaffen macht, wie Luther übersetzt, dass eine, die tüchtig ist oder sein will, an mindestens drei Stellen gleichzeitig sein müsste. Und das schafft sie nicht. Und das bringt auch eine Gastgeberin heutzutage aus der Puste. Ganz zerrissen ist sie zwischen allem, was sonst noch notwendig ist. Und Jesus sieht es oder bemerkt es zumindest. Aber er lässt sie auch gewähren.
Und dann Maria. Auch sie handelt ungewöhnlich. Erstens, sie springt nicht ihrer tonangebenden Schwester bei. Zweitens, sie setzt sich wie ein Schüler einer Rabbinenschule, der sie ja nie angehören könnte, zu Füßen des Lehrers. Drittens könnte man ihr sogar eine gewisse Neugierde unterstellen, die sicher unschicklich wäre. Sie steht ja nicht irgendwo verschämt am Rand und passt auf, dass sie das eine oder andre Wort Jesu aufschnappt. Nein, sie sitzt mitten unter den anderen (in Klammern: männlichen) Jüngern, sie ist ganz im Hören auf Jesus konzentriert und weiß auf alle Fälle, dass ihr alles Hauswirtschaftliche in diesem Moment völlig egal ist.
Kann es sein, dass viele Frauen auch mit diesem Selbstbewusstsein der Maria haderten? Dass sie es ihr neideten, dass sie sich etwas herausnahm, was sie sich selber nie herausnehmen. Dass diese Frau weiß, was sie will, und man selbst immer gesagt bekommen hat, was man soll? Es liegt nicht an der Geschichte, sondern es liegt an der Vorerfahrung im eigenen Leben, dass das Dargestellte so wirkt. Verdammt sein zur Martha und doch von Herzen gern Maria sein zu wollen, wie viel von diesem Schmerzen überlagert das, was da eigentlich geschieht?
Denn Jesus sagt nicht zur Martha: Du machst dir viel unsinniges Geschäft. Er sagt erst recht nicht: Hör mit deiner nervigen Herumwirt-schafterei auf (welche der Frauen hat nicht so etwas schon zu verstehen bekommen?). Er sagt auch nicht: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe“, so wie es hier steht. Vielmehr ist es zu verstehen als: „Du sorgst dich und es lärmt um dich vieles.“ Jesus sieht, in welchem Tumult sie steht, wie sie unter Stress steht, wie sie das alles an ihre Grenzen bringt. Die Frage ist, ob es das in jedem Fall wert ist. Denn es ist angenehm, versorgt und bequem da zu sitzen. Das Tun der Martha verfehlt seinen Zweck nicht. Und Martha ist ganz und gar nicht darauf aus, für ihre Anstrengung nun überaus gelobt zu werden. Ja, sie unternimmt all das aus der Hochachtung und Liebe zu Jesus. Sie will ihm dienen mit ihren Fähigkeiten. Und sie tut das ehrlich um seinetwillen. Aber sie will noch mehr. Sie will, dass auch andere, zumindest ihre Schwester in diese, ihre Art von Dienst mit einbezogen sind. In gewisser Weise ist sie auch auf einem Auge blind, denn sie erkennt sich als die Aktive, ihre Schwester aber als die Passive. Sie sieht sich als die Nützliche, ihre Schwester aber als die Nutzlose. Weil Martha darauf vertraut, dass Jesus ihr Tun anerkennt, darum erst wagt es Martha ihn auch wegen Marias Hilfe anzusprechen. Wir beide, so ihre Meinung, sollten dir Gutes tun. Auch Maria soll sich ihres Dienstes rühmen können – würde sie sich nur dazu bereit erklären. Verhilf du, Jesus, ihr doch zu dieser Ehre, der Ehre, dir zu dienen, so wie ich es mache. Martha meint es gut; mit Jesus, mit ihrer Schwester und letztlich auch mit sich selber. Tischdienst ist angesagt, wenn Gäste da sind, wenn das eigene Haus zur Verfügung gestellt sein soll, wenn Verhältnisse zu schaffen sind, Jesus und die anderen zu beherbergen.
Jesus sagt: Martha, du machst dir viel Aufhebens mir zuliebe. Aber dann hebt er heraus: Maria gibt mir auch etwas. Sie schenkt mir ihre Aufmerksamkeit. Sie schenkt mir ihr Vertrauen. Sie sieht mich an und glaubt meinen Worten. Das ist gleichfalls eine Liebestat. Raube sie ihr nicht. Und raube sie mir nicht.
Liebe Gemeinde, muss diese Antwort von Jesus nun Martha brüskieren? Ist sie in ihrer hauswirtschaftliche Sorge eher degradiert worden? Immerhin hat ja Maria das gute Teil erwählt. Und nur eines ist eben notwendig. Tassen, Teller, Wein Brot und Oliven – zu anderer Zeit wieder mehr. Jetzt aber das eine. Gottes Wille. Sein Wort.
Das ist nun eine Anfrage für unseren Glauben auch. Wie wollen wir ihn zeigen? Indem wir renovieren, hin – und herräumen, planen und bauen? Indem wir beraten, uns ins öffentliche Bewusstsein bringen, werben? Christinnen und Christen, Gemeinden, ihr macht euch viel Unruhe und Sorgen. Eines aber ist notwendig. Der Marthadienst in den Kirchenmauern ist notwendig und unerlässlich. Aber nur solange er euch nicht auffrisst. Nur solange er nicht zum Neid auf die führt, die sich Zeit nehmen um Hören zu wollen. Nur solange es nicht auf Kosten der anderen Glaubenspraxis geht: Innehalten, sich von Gott ansprechen lassen, Andacht halten, Stille werden. Dann erkennen wir vielleicht, dass Gott, der meinen Dienst verlangt nicht das ist, was Jesus uns nahe bringen will. Denn es ist Gottes Sohn, der spricht: Nicht ihr sollt mir dienen, denn ich bin gekommen um euch zu dienen. Darum sollt ihr euch kein Geschäft machen, sondern euch gefallen lasse, was ich gebe. Darum sollt ihr die Arbeit aus der Hand legen, damit ihr die Hände für meinen Segen aufhalten könnt. Darum sollt ihr meine Lebenshingabe erfahren für euch, auf dass ihr frei seid. Frei auch davon euch durch eigene Wirksamkeit Achtung und Rechtschaffenheit und Bestätigung zu ergattern.
Das gute Teil hat Maria erwählt. Das nämlich, von Jesus etwas entgegen zu nehmen. Das, was er nur geben kann. Das, was im Moment seiner Anwesenheit einzig zu haben ist: sein direktes Wort, sein Dienst an den Menschen.
Zum Schluss gefragt: Wie hätte denn die Geschichte weitergehen können, wie hätte sie enden können? Dass Jesus und die Seinen aufstehen und Martha in ihrem Tun unter die Arme greifen? Es ist ein Sozialwunschdenken wie wir hofften, dass es so in unseren Familien zugehen möge – jeder hilft mit. Oder sagt Maria zu ihrer Schwester: setz du dich jetzt, ich mache den verbleibenden Rest deiner Arbeit. Auch eine schöne aber auch unwahrscheinliche Überlegung. Oder Martha zieht einfach die Schürze aus und lässt Arbeit Arbeit sein. Wäre das so gut, auch in unseren Kirchen, wenn Notwendiges liegen bliebe, wenn der Dienst nicht getan würde? Weshalb war Martha zu Jesus gekommen? Weil sie sich aufregte, dass ihre Schwester nichts tut und ihr die Arbeit über den Kopf wächst. Nun weiß sie, dass Maria auch etwas Wichtiges ausführt und nicht nur faul ist und sie selbst sich nicht sorgen braucht, dass ihr hauswirtschaftliches Tun weder gesehen wird, noch ausreicht. Gelassener kann sie den Rest bewerkstelligen und dazu stehen, dass sie gerne für jemanden sorgt und es annehmen, dass es ihre Art ist, Jesus so ihre Liebe zu erweisen. Schließlich, so kann man sagen, hat ihr Einspruch ja wirklich Evangeliumsgeschichte geschrieben. Von Martha wissen wir mehr und lernen wir mehr als von Maria. Die lernt für sich.
Vielleicht muss es ja nicht nur ein zufälliges Zusammentreffen sein, dass Männer im Gemeindehaus aufräumen und Frauen sich dem Wort Gottes widmen, wie es dieses Wochenende war. Das könnte immer mehr und ganz mit Absicht so werden. Und die Einsicht wird wachsen, dass Wort und Tat doch ganz nahe zusammen gehören.
Amen
Predigtgottesdienst am Sonntag Estomihi am 06.03. 2011
in der Johanneskirche Gingen 9.00 Uhr
Orgelvorspiel
Lied: 446, 1 – 6 Wach auf mein Herz und singe..
Begrüßung
Psalm: Ps 31 (Nr. 716)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet (576 Meine Hoffnung und meine Freude...)
Schriftlesung: 1. Kor. 13, 1 - 8
Lied: 401, 1 – 4 Liebe, die du mich zu Bilde...
Predigt zu Lk 10, 38 - 42
Lied: 386, 1 – 4 Eins ist not! Ach Herr dies eine...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 256, 1 + 2 + 5 Einer ist’s, an dem wir hangen...
Abkündigungen
Segensstrophe 421 Verleih uns Frieden gnädiglich
Segen
Orgelnachspiel


