Abendmahlsgottesdienst am Pfingstsonntag 31. 05. 2009 um 9.30 Uhr
 
in der Jakobuskirche Kuchen
 
 
Vorspiel
 
Begrüßung
 
 
Lied: 450, 1 – 4 Morgenglanz der Ewigkeit
 
 
Psalm: 100 (Nr. 740)
 
 
            Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
 
Gebet / Stilles Gebet
 
Glaubensbekenntnis
 
 
Schriftlesung: Johannes 4, 19 – 26 
 
 
Lied: 129, 1 – 4 Freut euch ihr Christen alle
 
 
Predigt:
 
 
Lied: 555, 1 – 3 Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit    
 
 
Überleitung z. Abendmahl
 
Sündenbekenntnis
 
Vergebungszusage
 
 
Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl
 
Lied 190.2 Christe du Lamm Gottes
 
 
Dank- und Fürbittegebet
 
Vaterunser
 
 
Lied: 135, 1 – 4 Schmückt das Fest mit Maien
 
 
Abkündigungen
 
Segen /Orgelnachspiel
 
 
Predigt am Pfingstsonntag 31.05.09 in Gingen und Kuchen, am Pfingstmontag 01.06.09  in Süßen und Donzdorf Reihe I Mt 16, 13 - 17
 
 
>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.  Amen<
 
 
Liebe Gemeinde,
 
was ist an Pfingsten zu erwarten? An Pfingsten zu erwarten ist eine zündende Rede über den Geist der Wahrheit. An Pfingsten zu erwarten sind freudige Gedanken, dass wir in einer Kirche versammelt sein können. Pfingsten, das ist der Sommer des Glaubens, die Gemeinde an ihrem Höhepunkt, es ist das erreichte Ziel.
 
Ja, so wünsche ich mir Pfingsten und frage mich, wird das Erhoffte so in Erfüllung gehen, für dieses Mal, an diesem Fest? Werde ich nachher meine pfingstlichen Gefühle, eine Mischung aus Aufbruch und Bestätigung, nach Hause tragen?
 
Aber wann je war das schon so? Und ist das überhaupt die richtige Erwartung? Eigentlich hat mit dem Pfingstereignis niemand richtig gerechnet. Auch damals nicht. Aus dem Nichts, unangekündigt, kam dieses Einssein, kam dieser göttliche Funke. Buchstäblich von oben her wurde das Fest gestiftet, den Gläubigen geschenkt. Und das alles nicht zur Befriedigung ihrer Erwartungen, sondern weil es ganz notwendig so sein musste. Und ein Geschenk, das muss auch Pfingsten heute sein. Kein Lohn für viele Mühe, kein Ausruhfest der Kirche, kein Richtfest des Glaubens. Etwas Unverfügbares muss auch heute noch in jedem Pfingsten sein. Unverfügbar wie das Wehen des Windes. Und vielleicht muss es auch heute noch so sein, dass es ganz wunderbarerweise gegeben ist und es nicht zu sagen ist, wie es geschah. Glauben und Gewissheit und Kraft, die unerklärlich ist. So unerklärlich, weshalb wir eine Kirche haben seit 2000 Jahren.
 
Solch eine Wendung, heraus aus dem Alltäglichen, in einem Moment der Ergriffenheit, die gab es schon vor Jesu Kreuz und Auferstehung. Das Matthäusevangelium erzählt davon im 16. Kapitel:
 
                                   Text: Matthäus 16, 13 – 17
 
Liebe Gemeinde,
 
wer war Jesus Christus? Immer wieder in den letzten Jahren tauchte diese Frage auf in Veröffentlichungen. Seriöse Magazine mit dem selbsternannten Ziel der Aufklärung titelten mit dieser Frage: Wer war Jesus? Religionsstifter, Prophet, Heiliger? Oder war es am Ende eine Erfindung einiger Gläubige? Hat hier eine Gruppe von Anhängern einen einfachen, wenn auch außergewöhnlichen Menschen vergöttlicht? Wurde hier eine Figur, teils aus liebevoller Verehrung, teils in systematischer Absicht, ins Wunderbare gesteigert? Die Frage ist nicht erst in unseren Tagen so von großem Interesse. Vor rund hundert Jahren gab es eine regelrechte Leben-Jesu-Bewegung, die genauestens zu erforschen versuchte, wie die Biografie dieses Jesus aus Nazareth ausgesehen haben muss. Welchen Einflüssen er unterlag, wo er sich hat ausbilden lassen, wie seine Wirksamkeit begann. Neben manchem wissenschaftlich Wertvollem gab es auch hier viele schwärmerische Lebensbilder, die mehr über die Zeit, in der sie entstanden sind, verraten, als über Jesus selbst.
 
Womit enden die Untersuchungen heutiger Hochglanzblätter? Entweder mit der Erkenntnis, dass man, so viel man auch zusammen-tragen mag, eben doch nichts Genaues weiß. Zu vieles ist einfach nicht belegt, wurde nirgends berichtet, kann nicht mehr festgestellt werden und bleibt so im Dunkeln.
 
Die andere Variante ist die Aussage, dass Jesus bei weitem überschätzt wurde, was ganz im Sinne einer machtvollen Kirche war und ist, die im übrigen jede Nachforschung verhindern will.
 
Es sind aber nicht die Jahrhunderte, die dieses Bild des Jesus verschleiert haben. Es liegt in der Person selbst, dass nichts – in Anführungsstrichen – „Genaues“ über ihn ausgesagt werden kann. Auch schon nicht zu Lebzeiten.
 
„Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei“, so fragt der reale Jesus die, die ihm am nächsten sind. Und er bekommt ein beachtliches Vorstellungspanorama geliefert. Du bist der wieder auferstandene Johannes vom Jordan, der damals schon von Herodes geköpft worden war, ist die eine Antwort. Du bist der wiedergekehrte Elia, die andere. Noch heute erwartet man im gläubigen Judentum den in den Himmel entrückten Propheten zurück auf Erden. Er ist ein Prophet, sagen die nächsten. So wie Jeremia, so wie einer der großen Gottesmänner.
 
Immerhin, dass Jesus eine religiöse Größe war, stand wohl außer Frage. Keiner schien gesagt zu haben: Er ist ein großer Lehrer, ein Rabbi. Und schon gleich niemand, zumindest an dieser Stelle, dass er Josephs Sohn wäre, des Zimmermanns und seiner Frau Maria wäre.
 
Ein von Gott Auserwählter musste Jesus sein, ein von ihm Berufener. Ein Mensch, zu einer besonderen Aufgabe befähigt. Ein Mittler zwischen Gott und dem Volk. Das kannten die Menschen. Damit verglichen sie Jesus.
 
Auf sich beruhen hätte es Jesus lassen können. Als hätte eer je wissen wollen, was die Leute über ihn sagen. Als hätte er je prüfen wollen, ob die Jünger aufmerksam verfolgen, was um sie herum vorging. Alles zielt auf die zweite Frage ab: Was meint ihr, wer ich sei? Die Stunde der Wahrheit. Die Antwort schlechthin, weshalb ihr bei mir seid. Oder zu welchem Lager schlagt ihr euch – die in mir den Elia feiern oder die mich als zweiten Jeremia verehren? Oder bin ich in euren Augen Mose, der Volksführer oder David, der neue König? Sagt es mir nun.
 
Petrus spricht – als einziger. Oder spricht er für alle?
 
„Du  bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“.
 
Liebe Gemeinde, das war nicht einfach nur eine Nettigkeit, die Petrus da sagte. Irgendetwas, das so klang wie das, was die anderen sagten, bloß eben etwas anders ausgedrückt. Ist das zu ermessen für uns heute, die diese Antwort doch als etwas so nahe Liegendes empfinden, fast sogar etwas zu simpel. Und dennoch ist es etwas Ungeheures gewesen, diesen Jesus einfach Christus zu nennen, das andere Wort für Messias, für den Verheißenen, für den Retter, für den Gott mit uns. In einem Volk, in dem schon der Name Gottes unaussprechbar heilig ist, einen Menschen als seinen Sohn zu bezeichnen, war schlichtweg unvorstellbar.
 
Zum Vergleich gesagt: Man kann über einen Prediger, einen Theologen heute sagen: Du bist wie ein zweiter Bonhoeffer, oder in der Wucht deiner Rede wie ein Karl Barth. Oder du spürst die soziale Verantwortung wie ein Gustav Werner oder ein anderer der diakonischen Gründerväter. Aber es wäre unmöglich zu sagen: Du bist wie Jesus. Oder noch betonter: Du bist der wiedergekehrte Jesus. Es verbietet sich einfach.   
 
Warum hat es sich nicht für Petrus verboten gehabt, vom Christus, vom Gesalbten zu sprechen? War es eine spontane Eingebung? War mehr der Wunsch, dass es wäre, der Vater des Gedankens?
 
Hier nun kommt das Pfingstliche in die Geschichte. Es ist das Erstaunen, mit etwas außerhalb des Menschlichen in Berührung zu kommen. Es kann sogar ein Erschrecken sein, dass sich etwas in mir ausspricht, was nicht von mir kommt. Und so antwortet auch Jesus: Das hat dir nicht Fleisch und Blut offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
 
Das Wirken des Heiligen Geistes also hat dieses Bekenntnis hervorgebracht. Aber was soll das heißen? Es ist ohne Verschulden des Petrus geschehen? Ohne seine Beteiligung. Es kam einfach so über ihn? Sie kennen das vielleicht auch: Da steht plötzlich der Satz im Raum, den man gesagt hat, und den man sich vorgenommen hatte, ganz anders zu sagen. Nicht so deutlich, wie er jetzt ausgesprochen worden ist. Und jeder hat es gehört. Und es bleibt nichts daran zu deuteln. Wie nur hat es meinen Mund verlassen können? Wer oder was in mir hat diesen Satz formuliert, den ich nicht sagen wollte? Ratlos steht man neben sich. Ist das so bei Petrus gewesen? Und ist das so gut so? Manchmal sind überdeutliche Sätze hilfreich, auch bei einem selbst.
 
Trotzdem beschleicht mich dabei eine Art von Angst, dass etwas aus mir sprechen soll, was ich weder weiß, noch wo ich gefragt werde, ob ich das will. Ein Geist, der zwar Wahres spricht, aber über meinen Kopf hinweg. Und wenn es mit dem Lob des Petrus quittiert würde: Selig bist du. Wenn es nicht dem entsprechen kann, was ich auch selbst meine und was ich auch selbst fühle, ist es nicht von Wert.
 
Aber wie ist das mit unserem Reden und Handeln? Jeden Tag geben wir Antworten auf Fragen. Nicht gerade auf die Frage: Wie siehst du Jesus? Aber durchaus auf Fragen, wie man zu der und der Sache steht. Oder wie ich mich verhalten soll. Wie oder was besser ist. Manchmal sind es ja sogar Fragen, die eine geistliche Ebene berühren. Fragen wie: Sollen wir unser Kind taufen lassen? Soll ich wirklich glauben, was meine Religionslehrerin da vorne erzählt? Soll ich mich konfirmieren lassen, mit allem, was dazu gehört? Kann ich an ein Leben nach dem Tod glauben?
 
Und wie entscheiden wir uns dann? Wir wägen ab, was dafür spricht und was dagegen. Wir fragen uns, was wahrscheinlich ist und was unwahrscheinlich ist, unserer Erfahrung nach. Begründe deine Ansicht – heißt es in jeder Klassenarbeit in der Schule irgendwo. Lies kritisch. Es hat seine gute Berechtigung, so zu handeln, so zu tun.
 
Aber daneben lenkt und bestimmt uns noch etwas anderes: Wird man mich lieben oder hassen für das, was ich sage? Stelle ich mich außerhalb meiner Gruppe, meiner Schulklasse, der Gesellschaft, wenn ich bestimmte Dinge behaupte? Und wenn ich das sage, was alle anderen auch sagen, kann es doch so falsch nicht sein.
 
Es zeigt: frei bin ich nie, in dem was ich sage. Ich kann die Wirkung einschätzen. Ich bin umgeben von einem Netzt, das mich trägt, aber auch hält und notfalls zurückhält. Ich bewege mich in meinem Denken auf ganz bestimmten Bahnen.
 
Hat aber Petrus bei seinem Bekenntnis gedacht – und sei es nur unbewusst - : ach, ich will Jesus eine Freude machen und sage ihm er ist der Christus. Dafür wird er mich mögen. Oder hat er überlegt: O, meine Mitjünger, was wollen die jetzt wohl von mir hören. Bestimmt etwas ganz Außergewöhnliches.
 
Alles das spielte in dem Moment keine Rolle. Der Heilige Geist kann, wo es Not tut, unsere Netz zerschneiden. Zumindest kann er uns durch alle Wenn und Aber hindurch erreichen. Der Heilige Geist kann Barrieren, die uns schützen, aber auch einschränken, überschreiten. Er kann uns für Moment auf eine andere Bahn bringen, als die, die wir gewohnt sind, zu laufen. Manchmal helfen nämlich alle Begründungen der Welt nichts, um zu einer Einsicht zu kommen. Und das ist ganz bestimmt dann der Fall, wenn es um Letztes und Endgültiges
 
geht.
 
Muss dafür aber alles ausfallen – Verstand und Gefühl und das Denken? Kann der Heilige Geist gar nichts Menschliches gebrauchen und muss es daher lahm legen?
 
Petrus hat sein Bekenntnis ganz bewusst gesagt. Es stand ihm klar vor Augen, was er damit sagte. Aber genauso klar war es ihm auch, dass er es sagen musste. Es kam nicht eine Gewalt über ihn, sondern es kam eine Kraft in ihn. Etwas, das ihn stärkte. Etwas, das ihn aufrichtete. Nichts, das ihn größer macht, als er ist, sondern, das ihn endlich so groß macht, wie er ist. Es ist falsch zu meinen, der Geist Gottes müsse einen über sich hinaus wachsen lassen. Er muss nur gewiss machen, fest. Und mit Freude erfüllen. Was wird Petrus denn mehr erfreut haben: Dass Jesus zu ihm sagt: Selig bist du. Oder dass er zu sich selbst sagen kann: Ich hab’s. Jesus ist von Gott. Und ich bin in seiner Nähe.
 
 
Das können uns die Hochglanzblätter weder nahe bringen, noch erklären, was das ist. Gewiss zu sein und doch nicht so, dass man überzeugen könnte. Etwas zu wissen, und doch nicht so, dass man weiter geben kann, was man weiß. Etwas zu erfahren, ohne dass man je sagen kann, man glaube aus Erfahrung. Etwas Großes erlebt zu haben, von dem man aber im nachhinein glaubt, es sei doch nur natürlich.
 
Es ist eben nicht so, dass Gottes Geist überrumpelt. Es ist vielmehr so, dass er sich mit einem verbündet. Er macht mich zu etwas anderem, als die Einflüsse um mich herum aus mir machen wollen.
 
Es ist vom Heiligen Geist her gewirkt, wenn jemand sagen kann: „Wenn es Gott gibt, so muss mein Kind zu ihm gehören und getauft werden. Und ich glaube dass es Gott gibt.“ Es kommt vom Heiligen Geist wenn eine sagen kann: „Sollen die anderen doch denken was sie wollen, ich finde interessant, was meine Religionslehrerin zu sagen hat und höre ihr zu.“ Und es ist wahrlich vom Geist gegeben zu sagen: Das ewige Leben berührt auch mein Leben jetzt schon und wird im Tod nicht enden.
 
Wo immer das geschieht, da geschieht das Ereignis von Pfingsten. Nichts Überdimensionales, nur in seiner Tiefe Klares. Jeder Tag hat solche Momente. Sie sind nicht hoch genug zu schätzen. Denn davon lebt die Kirche. Aus diesem Geist Jesu Christi.
 
                                                                                              Amen   
 
     
 



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