Predigtgottesdienst am 2. Sonntag n. Epiphanias, 18. 01. 2009  
 
in der Jakobuskirche Kuchen
 
 
 
Instrumentales Vorspiel
 
 
Begrüßung
 
 
Lied: 70, 1 – 4 Wie schön leuchtet der Morgenstern
 
 
Psalm 36 (Nr. 719)
 
 
            Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
 
Gebet / Stilles Gebet
 
 
                        Zwischenspiel
 
 
Schriftlesung: Matthäus 7, 7 - 11
 
 
Lied: 400, 1 + 2 + 6 Ich will dich lieben meine Stärke
 
 
Predigt: Matthäus 8, 5 - 13
 
 
Lied 589, 1 – 4 Meine engen Grenzen...      
 
 
Dank- und Fürbittegebet
 
 
Vaterunser
 
 
Lied: 441, 1 – 3 Du höchstes Licht du ewger Schein
 
 
Abkündigungen
 
 
Segensstrophe 576 Meine Hoffnung und meine Freude (2x)
 
Segen
 
 
Orgelnachspiel
 
 
Predigt am
 
            Reihe VI
 
 
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.  Amen<
 
 
Liebe Gemeinde,
 
Sie kennen vielleicht den Ausspruch: Jeder möge nach seiner eigenen Façon selig werden. Berühmt geworden ist diese Redewendung durch Friedrich den Großen, der in seinen preussischen Landen freie Religionsausübung einräumte und so unter anderem auch den aus Frankreich vertriebenen Hugenotten eine neue Heimat gab. Nach eigener Façon selig werden, das meint denn auch so viel wie: mit dem jeweils eigenen Brauch, der eigenen Art und Weise zu seinem Glauben zu kommen. Alle Vorgaben wie die eigene Erziehung, per-sönliche Begegnungen, die Sichtweise der eigenen Zeit und anderes prägen auch den Glauben. Niemand kann sich dem ganz entziehen. Zu vieles bestimmt dabei mit, wie wir glauben.
 
Dem König von Preussen konnte es vermutlich ziemlich gleichgültig sein, ob jemand lateinisch, französisch oder deutsch betet oder ob er überhaupt nicht betet. Solange sein Staat nicht gefährdet ist, mag jeder tun, was er beliebt - es war der Beginn des aufgeklärten Denkens. Und meistens waren die religiösen Richtungen auch froh, in Ruhe und Frieden gelassen zu werden. Es blieb ja doch nicht immer so.
 
Dennoch frage ich mich, ob das geht, ob jeder so glauben kann und mag wie und was er will? Ist nebeneinander alles gleichberechtigt? Ich will dabei gar nicht die großen Konfessionen in Frage stellen, sondern mich nur als einzelnem dem Problem stellen, ob ich denn den rechten Glauben habe und was das denn sei.
 
Und dafür ist die Geschichte im Matthäus 8 ein gutes Beispiel. Keine Bekehrung und kein Bekenntnis wird darin erzählt und doch tritt Glaube zu Tage:
 
Matthäus 8, 5 - 13
 
 
Liebe Gemeinde,
 
ausgerechnet von einem Militärs sollen wir hier erfahren, was Glauben ist? Er hat ein Problem. Er geht zu einem Fachkundigen, der ihm helfen soll. Der führt auch den Auftrag aus und der Haupt-mann erhält, was er erwartet hat. So einfach ist das. Wer fragt, kriegt Antwort. Wer sucht, dem wird gegeben werden. Wer bittet, dem schlägt man es nicht ab, wo immer man der Bitte entsprechen kann.
 
So könnte diese erste Annäherung an eine Glaubensauffassung aussehen. Eine Auffassung, die die Haltung der Erwartung hat. Denn von Jesus ist etwas zu erwarten und Jesus hält, was er verspricht.
 
Der Hauptmann hat also recht, wenn er sagt: zu dem gehe ich;  der soll oder der muss mir gar das machen, wozu er in der Lage ist. Und wo er etwas kann, da ist er vielleicht sogar verpflichtet es zu tun. Zu heilen zum Beispiel. Und so wären andere Leistungen wohl auch von ihm zu haben, von ihm abrufbar: Dass er tröstet, wo man einen Tröster braucht. Dass er berät, wo man sich einer eigenen Ent-scheidung nicht sicher ist. Dass er das gute Wort findet, das man nicht selber formulieren kann. Dass er zum Fürsprecher wird, wo man für sich selbst keinen Zugang sieht zu dem Höheren, den es da geben mag. Jesus hat die Macht und tausendmal hat er gesagt, er will sie nicht für sich benutzen und behalten. Also gehen wir doch freimütig zu ihm und sagen was wir auf dem Herzen haben: Jesus - das und das. So mach es doch für mich. Wer kommt, dem wird geholfen.
 
Und doch geht mir die Art der Begründung des Hauptmanns gegen den Strich. Befehl und Gehorsam ist er gewohnt. Dass einer hingeht und tut, was ihm gesagt worden ist, ist seine Erfahrungswelt. Da gibt es keine Rückfragen, kein Wenn und Aber. Hier geschieht Eins zu Eins die Umsetzung von Wort zur Tat. Rangfolgen und Unterordnungen sind die Voraussetzungen dazu. Ohne dies würde das Gebotene nicht ausgeführt. Alles hat seine Ordnung, und die ist so sicher wie das "Kehrt, Marsch" auf dem Kasernenhof. Ein Ja und Amen wie in der Kirche bedarf es nicht mehr, dass geglaubt wird. Es geschieht ja, was gesagt wird. Und darum reicht auch dem Hauptmann: "Sprich nur ein Wort". Denn so, seine unausgesprochene Begründung, mache ich es in meinen Reihen auch nur. Und es funktioniert. Ein Wort genügt. Auch ein Wort eines Jesus. Das ist Glaube.
 
Eigentlich ist es ja ganz folgerichtig, geradezu logisch, so zu denken. Trotzdem: So darf es doch nicht angehen. Aus der Art und Weise spricht auch Kälte, auch Funktionalität. Alles hat irgendwelchen Zwecken zu dienen. Mache meinen Knecht wieder gesund, ich brauche ihn. So klingt für mich die Anfrage des Hauptmannes. Und hat der Mohr Jesus seine Schuldigkeit getan, dann darf er gehen. Der nächste Befehlsempfänger ist wieder der Knecht oder ein anderer Soldat und so geht das immer weiter. Wichtig ist Jesus dem Hauptmann doch nicht. Eben nur so lange wie er ihn braucht. Was lässt sich Jesus überhaupt auf das Spiel ein? Warum lobt er gar dieses Gehabe als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt?
 
Wieviel aber muss geschehen sein, dass es überhaupt zu der Begegnung kommt? Beginnen wir mit dem Knecht, denn wäre er nicht erkrankt, dann wäre der Hauptmann gar nicht losgegangen. Setzt sich ein Hauptmann aber für seinen Laufburschen ein? Sorgt er dafür, dass er kurriert wird? Doch eher nicht. Entweder muss der Schmerz so dramatisch sein oder die Dienste des Knechtes sind so sehr vonnöten. Und wenn es  doch Mitleid war. Mitleid bei einem alten Haudegen?
 
Und warum geht er zu Jesus? Gehört er nicht gerade dem Volk an, das durch die Knute seiner Macht unterworfen ist? Sind es nicht seine Leute, die Ausgangssperren verhängen und Verhaftungen vornehmen unter den Juden? Was hat der Hauptmann bei diesem Juden Jesus verloren?
 
Eines ist klar: es ist kein leichtfertiger Gang, auf den sich der Hauptmann da begeben hat. Es ist nicht einfach nur so, dass er sagen konnte: da ist der Mann, der helfen kann - also gehe ich zu ihm. Da wäre wohl der Mann, der Abhilfe schaffen kann, aber es wird schwierig oder gar unmöglich sein an ihn heranzukommen. Und zwingen kann er ihn nicht. Und schließlich: Was hat er schon anderes gelernt? Sein: "Herr", als Anrede an Jesus wird vielleicht nur mit einem Räuspern oder auch etwas holperig herausgekommen sein. Denn seine Herren tragen für gewöhnlich drei Sterne oder fünf Streifen oder welche Zeichen es sonst gibt, an denen er den Vor-gesetzten, Übergeordneten erkennt. Jesus ist ein einfacher Wander-lehrer, von der offiziellen Religionsbehörde nicht einmal anerkannt. Ein hohes Risiko geht der Hauptmann ein.
 
Und Jesus auch, wenn er ihm entgegenkommt und ihm anbietet in sein Haus zu kommen. Das macht ein ordentlicher Israelit nicht. Er käme in den Ruf der Komplizenschaft mit den Besatzern. Er würde den Respekt vor seiner Anhängerschaft verlieren, wo er doch bisher Distanz zu den fremden Machthabern gehalten hat. Sollte er in das Haus eines Nichtgläubigen gehen, was ihn unrein machen würde?
 
Seine Rückantwort ist nicht ganz so sicher, wie sie hier übersetzt steht. Sie lautet eher: "Ich soll also kommen und ihn gesund machen." Auch Jesus riskiert etwas. Plötzlich aber sind hier zwei durch etwas Außerordentliches verbunden. Eine Vertrauenssituation ist ent-standen, weil von beiden Seiten Grenzen überschritten werden. Um es in der Sprache des Militärs zu sagen: Hier haben zwei ihren Posten verlassen. Hier haben sich die Fronten verschoben. Und doch ist keiner auf dem Rückmarsch. Vielmehr wagen beide einen Vorstoß in eine neue Richtung, weitab ihrer Erfahrung. Für den Hauptmann noch mehr als für Jesus. Denn der Hauptmann erfährt: Hier ist einer bereit etwas zu geben, ohne dass ich ihn meine Macht spüren lasse. Ohne dass ich in meinem gewohnten Muster verfahre. Ich drohe nicht und bekomme trotzdem etwas: durch bitten.
 
Was ist aus der Glaubensauffassung am Anfang geworden, die da erwartet. Die spricht: Du kannst das tun. Also mache es. Jesus, heile mir meinen Knecht. Oder an anderer Stelle mag eineer  oder eine auf die Weise sagen: Gib mir den Erfolg. Oder: Wende du mein Schicksal. Auf fordernde, auf befehlende Weise.
 
Es folgt die Erkenntnis, dass es so nicht geht. Dass nicht das Anrecht darauf oder der Zweck im Vordergrund stehen. Vielmehr begreift einer odeer eine dann: ich kann es selbst nicht. Ich bin dazu unfähig. Zu heilen zum Beispiel. Ich würde es gern. Doch mit meiner Kraft ist nichts getan.
 
Und also entspringt der Glaube nicht aus erfüllter Erwartung. Nicht aus dem, dass sich ergibt, was ich gewollt habe. Sondern Glaube entsteht aus unverhoffter Gnade. Ich habe nichts zu bieten. Ich kann nichts geben. Ich kann nicht einmal gescheit bitten - im Falle dieses Hauptmanns. Und hier sagt er dann das Wort, das er noch nie gebraucht hatte: Ich bin nicht würdig. Ich bin es nicht wert. Ende der Fahnenstange.
 
Und zugleich ist es der Neuanfang. Denn wenn es so wie bisher nicht mehr geht, wenn alles Dahergebrachte aufhört, wenn ich zu nichts etwas beitragen kann, was soll dann kommen?
 
Sprich ein Wort nur. Das soll mir genügen. Daran will ich glauben. Aber es ist nicht mehr den Befehl, den er erwartet, sondern ein Wort, das hilft.
 
Die Kraft des Wortes kennt der Hauptmann aus seiner Erfahrung. Ein anderer hätte durchaus etwas anderes sagen können, was für ihn aus seinem bisherigen Leben wichtig war.
 
"Berühre mich", hätte ein anderer oder eine andere sagen können, die das Heilende der Berührung erfahren hat und die diese Kraft aus der Berührung weitertragen will. Die warme Hand des anderen, der spürbare Druck des Gegenüber wird somit zum Gotteshandeln.
 
"Mache mir ein Zeichen oder male mir ein Zeichen", mag jemand drittes sagen, der in Symbolen zu lesen gelernt hat und der weiß, dass sie über sich hinausdeuten. Mit diesem zeichen will ich meinen Glauben verbinden.
 
"Bete mit mir. Die Macht des gemeinsamen Tuns beinhaltet den Glauben. Sich im Geist verbunden wissen, verändert. Spüren zu lassen, ich bin mit dir, heilt."
 
Ist aber nicht jedes eine Façon, selig zu werden? Seine spezielle Art und Weise zum Glauben zu kommen? Und ist eine davon falsch zu nennen? Es sind unterschiedliche Mittel, das Unfassbare doch fassbar zu machen. Mit welchem Ritus, mit welcher Geste, mit welcher Litanei ist dabei ganz gleich. Die Form tritt letztlich zurück hinter dem eigentlichen, dass der Glaube an Gottes Macht darin sichtbar
 
wird.
 
Kann es also die richtige oder die falsche Glaubensweise geben und ist sie an solch äußerlichen Zeichen abzusehen? An sich kann es nur Glauben geben. Und da gibt es keinen ererbten oder überkommenen Glauben, sondern stets das unmittelbare. Dass dieser Hauptmann davon ergriffen wurde und verwandelt wurde, ganz anders wurde als gewohnt, ist Macht des Glaubens. Wie unbeholfen der sich dann auch ausdrückt. Und wie unvollkommen und eben nur eine Façon er dann eben auch nur ist. Wir brauchen mit ihm nicht übereinstimmen. Und Befehl und Gehorsam- zumal im Glauben - darf uns auch weiterhin fremd bleiben. Nur eines sind wir schuldig: dass wir die Ernsthaftigkeit dieses Glaubensausdruckes annehmen, denn dieser Hauptmann hat es ernst gemeint. Und Jesus würdigt es. Würdigt ihn, der sich für nicht wert hielt. Er würdigt auch uns mit unserem jeweils unterschiedlichen Tun. Das Beispiel des Hauptmanns sagt uns: Manchmal kann einer auf sonderbarste Art das Richtige tun. Und keiner weiß das mehr als Jesus selbst.
 
Amen
 
  
 

Internetportal der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Internetauftritt des Evangelischen Kirchenbezirks Geislingen

Kalenderblatt


Service


Landeskirche