Predigtgottesdienst am Sonntag Sexagesimae, 15. Februar 2009
in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 432, 1 – 3 Gott gab uns Atem, damit wir leben
Psalm 119 (Nr. 748)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Schriftlesung: Jesaja 6, 8 - 13
Lied: 195, 1 – 3 Allein auf Gottes Wort will ich meine Grund und Glauben bauen
Predigt Lukas 8, 4 – 15
Orgelmeditation
Lied 196, 1 – 4 Herr, für dein Wort sei hoch gepreist...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 578, 1 – 5 Walte, walte nah und fern...
Abkündigungen
Segensstrophe 421 Verleih uns Frieden gnädiglich...
Segen
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Sexagesimae, 15. Februar 2009
in der Jakobuskirche Kuchen Reihe I Lk 8, 4 - 15
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
„Wer weiß, wozu es gut ist? Dieser Spruch musste schon zu manchem herhalten. In der Schule – wer weiß wozu es gut ist, das eine oder andere Fach zu lernen. Am Ende kann man es doch für irgendetwas gebrauchen. Auch wenn der Sinn jetzt noch nicht recht klar ist.
Und geht einmal etwas schief, fällt die geplante Urlaubsreise wegen Krankheit aus – wer weiß, wozu es gut ist. Vielleicht wäre gerade dieser Urlaub doch nur verregnet gewesen. Man hätte also nichts verpasst.
Wer weiß, wozu es gut ist, wenn man täglich sich informiert, wenn man einmal für eine Zeit lang auf etwas verzichtet, wenn man Kontakt zu Bekannten hält, wenn man auch mal zur Kirche geht.
Ja, so kann man das sehen. Wir machen etwas, wenn Zeit dafür da ist und wenn es nicht schadet. Aber so unbedingt ist es nicht notwendig. Manchmal bringt es etwas. Und dann wieder nicht. Es ist nicht tragisch. Dann hat man es halt versucht.
Geht das bei allem und jedem? Geht das bei wichtigen Dingen? Geht das beim Glauben?
Jesus erzählt eine Geschichte dazu. Seine Antwort ist nicht gleich eindeutig. Darum fragen seine Jünger ja auch noch einmal nach.
Hören wir uns die Geschichte an in Lukas 8 ab dem Vers 4
Text: Lukas 8, 4 – 15
Liebe Gemeinde,
jemand, der in der Landwirtschaft aufgewachsen war, erzählte zu diesem Gleichnis: "Wenn wir uns auf dem elterlichen Hof, freilich in der mechanisierten Landwirtschaft, auf die Aussaat vorbereiteten, haben wir sehr sorgfältige Anstrengungen unternommen, die Sämaschine genau zu kalibrieren, damit exakt die richtige Menge des Saatgutes auf die Fläche ausgebracht wurde, im richtigen, dem Wachstum gedeihlichen Abstand der Körner in der Furche voneinander. Erst wenn die Maschinen auf dem Hof genau eingestellt waren, ging es auf's Feld. Mit anderen Worten: es war die Sache des haushälterischen Sämanns, darauf zu achten, dass möglichst kein Saatgut daneben ging." Das könne sich nämlich der Bauer nicht leisten, so seine Schlussfolgerung, dass das teuer gekaufte Saatgut nicht aufgeht oder nutzlos verstreut wird.
Warum aber sollte sich Gott das leisten? Ist sein Same, sein Wort also, so billig zu haben? Gibt es so viel davon, dass es im wahrsten Sinne verschleudert werden kann? Irgendwo wird es ja doch hängen bleiben.
Schon beim Beispiel von den Arbeitern im Weinberg, die alle denselben Lohn bekommen haben, ganz gleichgültig, wie lange sie gearbeitet haben, stimmte der Vergleich nicht. Gott will uns nicht das Rechnen mit Soll und Haben beibringen. Das können andere besser. Denn ökonomisch gesehen, was wäre das für ein unvernünftiger Sämann, der seine Saat an falscher Stelle ausbringt? Und anders herum: Was ist das auch für ein Acker, wahllos durchsetzt von Felsbrocken, Unkraut und dazu noch Wegen. Solche Grundvoraus-setzungen sind ja wohl denkbar schlecht. Vielleicht sollte erst einmal Ordnung geschaffen werden für eine bessere Ernte.
Bei all diesen Überlegungen müssen wir uns fragen: Wo sind wir, liebe Gemeinde? Mitten im Beispiel. Mitten im Gleichnis. Das doch über sich hinaus weisen soll.
Der Same, wie gesagt, das ist Gottes Wort. Es soll verteilt werden. Es soll geschrieben, gepredigt, von Mund zu Ohr weitergesagt, in Heiligen Schriften gelesen werden. Es soll sich ausbreiten, es soll überall bekannt werden. Es soll in die Welt kommen und soll Frucht tragen. Es ist der Inbegriff der Aufgabe, die wir als Gemeinde haben. Dafür leben wir Christinnen und Christen, damit Gottes Wort nicht vergeht in Ewigkeit.
Wo wir gerade in allen Gremien uns über unsere Zielvorstellungen unterhalten, wäre das ein Leitsatz über allem: Gottes Wort verbreiten. Samen ausstreuen.
Dieses Ziel ließ mich losziehen und sendet mich noch heute aus. Daraus ist mein Beruf geworden. Damit bleibe ich verbunden. Und es beinhaltet ein Programm: Gottes Wort – für die Welt. Nicht allein für mich. Nichts, was ich horten soll. Hinaus damit. Ins Weite.
Ein frommes Dasein im engsten Kreis ist damit nicht gegeben.
Doch diese Welt, wie sieht sie aus: Nicht so, dass sie guten Boden bildet für die Samen. Nicht so, dass Gottes Wort aufgeht.
Die einen hören es, vergessen es aber wieder. Das ist nicht verwunderlich in einer schnelllebigen Welt. Täglicher Programm-wechsel ist gefragt. Was heute aktuell ist, ist es morgen ganz gewiss nicht mehr. Etwas Beständiges wie das unveränderliche Wort Gottes riecht demgegenüber nach Langeweile. Es ist ja nichts Neues. Auch unser Beispiel ist ja realitätsfern. Ein Acker. Ein Sämann. Das gibt es auf alten Bildern wie von van Gogh. Es ist nicht mehr unsere Welt. Das Wort geht verloren. Es muss zu viel und zu umständlich erklärt werden.
Es ist auf den Weg des Lebens gefallen und unter die Räder gekom-men. Es ist zwischen die Ritzen gefallen und von anderen Gelegen-heiten, die sich boten, gefressen worden. Es hatte keine
Chance.
Es gibt andere. Die haben einen tollen Gottesdienst miterlebt. Die waren einmal auf eine Gruppe engagierter Christen gestoßen und sehr angetan. Die haben einen Pfarrer oder eine Pfarrerin ganz besonders mögen. Die hat die Geschichte einer Glaubenserfahrung wie elektrisiert. Das alles war einmal. Und dann hörte es irgendwo auf. Denn es war nicht mehr so wie beim ersten Mal. Oder es war nicht mehr so, wie sie sich vorstellten, so müsse es doch sein. Irgendwas hatte sich gewandelt. Das ansprechende Wort ging nicht mehr weiter. Die richtige Vermittlung fehlte. Der Geistliche jetzt war mehr ungeduldig denn feinfühlig. Die Mut machende Gemeindegruppe hatte sich aufgelöst. Wer konnte etwas dafür? Der Wind hatte sich gedreht. Und den Samen mitgenommen. Der lag auf bloßem Felsen. Das Wort war weniger Wert als die Umstände, die es einen hat aufnehmen lassen, die fehlen, denen man nachtrauert.
Und dann die Dornen. Wer schon ohne Vesper in den Kindergarten geschickt wird, was hört der vom Wort Gottes daheim? Wo die Gewalt zu Hause herrscht, wo soll da etwas verstanden werden von der Vatergüte Gottes? Wo das Geld nicht reicht zum Leben, wer will da diese Lobeshymne an die Witwe hören, die ihr letztes Scherflein, oder besser doch heute gesagt, ihren letzten Cent ausgerechnet in eine kirchliche Opferbüchse wirft. Die Sorgen überwucherten es, deckten es zu, das Wort von dem allmächtigen Gott. Der so allmächtig aber nicht sein kann, dass er die eigene Not milderte. Ohne Vorwurf, wer wollte es verdenken? Von all den drei genannten Gruppen, die das Wort Gottes zu verlieren drohen, ist das die redlichste, weil ärmste. Denn es wäre zynisch zu sagen, wer nichts mehr hat, der hat dann wenigstens noch Gott als letzte Hoffnung. Die Mittellosen glauben noch am meisten.
Habe ich nicht am Anfang gesagt, einen solchen Acker müsse man erst einmal herrichten, von Disteln und Steinen befreien, von grassieren-dem Armut und ödem Überfluss, von falschen Erwartungen und zu großem Pathos, von Klischees und Selbstmitleid. Diese Welt müsste man sozusagen erst einmal aufräumen. Und dann kann Gottes Wort kommen.
Nein – streut, sagt Gott. Streut auf diesen kargen Boden. Verteilt den Samen in diese arge Welt. Gerade sie braucht das Wort Gottes.
Und doch scheint es uns unvorstellbar, zuzusehen, dass eben ein Teil umsonst gesät wird.
Zwei Wege sehe ich die Kirche im Moment beschreiten. Der eine versucht auf die Bedingungen des Ackerbodens einzugehen. Die Welt ist zu schnelllebig. Das Wort Gottes kommt altbacken daher. Passen wir es an. Sagen wir es so, dass es allgemeinverständlich wird. Bringen wir schneller auf den Punkt, was an manchen Stellen der Bibel erst langatmig entwickelt wird.
Mir will es so scheinen, dass man lieber das Wort Gottes verändern will als die Menschen, damit sie es verstehen. Vereinfachungen, bis hin zu Verfälschungen sind die Folge. Glaube aus dem Wort als Mitnahmepaket geht eben nicht. Mit dem Wort Gottes sich auseinander zu setzen braucht Kraft, braucht Zeit. Wer das nicht hat oder aufbringen will, verpasst es doch. Wir müssen die SWamen auf dem Weg liegen lassen.
Auch der Versuch der zweiten Gruppe, die einmal eine tolle Glaubenserfahrung hatten, zu immer wieder neuen inspirierenden Momenten zu verhelfen, scheitert irgendwann. Das Wort Gottes für die Welt ist auch ein Wort für den Alltag und nicht nur für außerordentliche Momente, für herausragende Ereignisse, für Events. Gerade auf Durststrecken muss man mit dem Wort Gottes auskommen, muss es einem etwas für alle Zeit gesagt haben, sonst war es das nicht.
Noch neuer dagegen in der Kirche ist der andere Weg. Schließlich gibt es ja noch das gute Land. Da, wo das Korn aufgeht und hundertfach Frucht bringt. Dort muss die Kirche ansetzen. Was soll sie Kraft verschwenden an Orten, wo es nichts bringt? Die wirklich Glaubenden muss die Kirche in ihrem Kern erfassen und versammeln. Für sie muss sie da sein. Nicht da hingehen, wo man immer wieder mit Adam und Eva anfangen muss, sondern dort intensiver den Glauben leben, wo jeder und jede weiß, was Jesus Christus für einen bedeutet. Gott will, dass wir sein Wort ausstreuen. Wir sind verpflichtet, das gute Land dafür zu suchen. Wo wir am Anfang ein Leitziel hatten: Gottes Wort verbreiten, haben wir jetzt auch eine Priorität dazu: dort wo es sich lohnt.
Gibt Christus einer dieser Richtung einen Vorzug? Sagt er: Kümmert euch um das Saatgut auf Wegen, Felsen und unter Dornen? Sagt er: Sucht ein gutes Land zum Streuen?
Nichts davon. Es ging ein Säman. Und er kümmerte sich nicht, wohin das Korn fiel. Wer weiß, wozu es nützt. Und hier nun soll dieser Allerweltssatz zum Guten dienen. Es kann nämlich sehr gut sein, dass Gottes Wort an Stellen aufgeht, wo wir es nicht meinen. Wer weiß, wozu es gut ist, mit Schülern doch die Worte der Lutherbibel zu lesen und nicht die Volxxbibel – und sei es nur, damit sie eine Sprache hören, die anders klingt, als die, die sie sich tagtäglich an den Kopf werfen.
Wer Ohren hat zu hören, der höre! Alle haben Ohren. Alle können es hören. Das ist tröstlich, und nicht nur das: es ist auch ermutigend: Gott verwirft nicht. Gott streut seine Worte aus in großer Hoffnung. Gott bringt seinen Samen aus und sagt erst einmal: alles ist gutes Land. In jedem Menschen liegt die Möglichkeit, dass er hundertfach Frucht geben wird.
Aus diesem Grund verbietet es sich der Kirche zum einen, elitär zu werden und nur noch die um sich zu scharen, die sich selbst für rechtgläubig halten. Es verbietet sich ihr aber auch, sich anzubiedern und ihre Botschaft zu verstellen um von gewissen Gruppen Aufmerksamkeit zu erheischen.
Das Wort Gottes ist eines, das den Menschen wandelt. Und wo der Mensch ein Felsen war, bei dem nichts fruchtete und Bestand haben sollte - auch anderes als das Wort Gottes übrigens nicht - da verwandelt diese Begegnung mit Gott diesen Menschen. Und wo er zuvor keine Tiefe hatte, weil dort Stein kam, da bekommt er sie plötzlich doch.
Und wo Menschen meinten genug zu haben in ihrem Reichtum und nichts weiter brauchten, da rüttelt das eine Gleichnis, die andere Geschichte Jesu ganz neue Schichten auf. Und alles, was man hatte und was einen so oberflächlich zufrieden machte, ist nun gar nichts mehr.
Auch hier gilt, was mit der Jahreslosung gesagt ist: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Das Wort Gottes muss alle Menschen erreichen und allen Menschen zugänglich bleiben. Auf allen Ebenen. Nicht unsere Phantasie, sondern vor allem die durchschlagende Kraft dieses Wortes wird dafür sorgen, dass es gehört und verstanden wird. Darauf vertrauen wir. Herr für dein Wort sei hoch gepreist!
Amen
in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 432, 1 – 3 Gott gab uns Atem, damit wir leben
Psalm 119 (Nr. 748)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Schriftlesung: Jesaja 6, 8 - 13
Lied: 195, 1 – 3 Allein auf Gottes Wort will ich meine Grund und Glauben bauen
Predigt Lukas 8, 4 – 15
Orgelmeditation
Lied 196, 1 – 4 Herr, für dein Wort sei hoch gepreist...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 578, 1 – 5 Walte, walte nah und fern...
Abkündigungen
Segensstrophe 421 Verleih uns Frieden gnädiglich...
Segen
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Sexagesimae, 15. Februar 2009
in der Jakobuskirche Kuchen Reihe I Lk 8, 4 - 15
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
„Wer weiß, wozu es gut ist? Dieser Spruch musste schon zu manchem herhalten. In der Schule – wer weiß wozu es gut ist, das eine oder andere Fach zu lernen. Am Ende kann man es doch für irgendetwas gebrauchen. Auch wenn der Sinn jetzt noch nicht recht klar ist.
Und geht einmal etwas schief, fällt die geplante Urlaubsreise wegen Krankheit aus – wer weiß, wozu es gut ist. Vielleicht wäre gerade dieser Urlaub doch nur verregnet gewesen. Man hätte also nichts verpasst.
Wer weiß, wozu es gut ist, wenn man täglich sich informiert, wenn man einmal für eine Zeit lang auf etwas verzichtet, wenn man Kontakt zu Bekannten hält, wenn man auch mal zur Kirche geht.
Ja, so kann man das sehen. Wir machen etwas, wenn Zeit dafür da ist und wenn es nicht schadet. Aber so unbedingt ist es nicht notwendig. Manchmal bringt es etwas. Und dann wieder nicht. Es ist nicht tragisch. Dann hat man es halt versucht.
Geht das bei allem und jedem? Geht das bei wichtigen Dingen? Geht das beim Glauben?
Jesus erzählt eine Geschichte dazu. Seine Antwort ist nicht gleich eindeutig. Darum fragen seine Jünger ja auch noch einmal nach.
Hören wir uns die Geschichte an in Lukas 8 ab dem Vers 4
Text: Lukas 8, 4 – 15
Liebe Gemeinde,
jemand, der in der Landwirtschaft aufgewachsen war, erzählte zu diesem Gleichnis: "Wenn wir uns auf dem elterlichen Hof, freilich in der mechanisierten Landwirtschaft, auf die Aussaat vorbereiteten, haben wir sehr sorgfältige Anstrengungen unternommen, die Sämaschine genau zu kalibrieren, damit exakt die richtige Menge des Saatgutes auf die Fläche ausgebracht wurde, im richtigen, dem Wachstum gedeihlichen Abstand der Körner in der Furche voneinander. Erst wenn die Maschinen auf dem Hof genau eingestellt waren, ging es auf's Feld. Mit anderen Worten: es war die Sache des haushälterischen Sämanns, darauf zu achten, dass möglichst kein Saatgut daneben ging." Das könne sich nämlich der Bauer nicht leisten, so seine Schlussfolgerung, dass das teuer gekaufte Saatgut nicht aufgeht oder nutzlos verstreut wird.
Warum aber sollte sich Gott das leisten? Ist sein Same, sein Wort also, so billig zu haben? Gibt es so viel davon, dass es im wahrsten Sinne verschleudert werden kann? Irgendwo wird es ja doch hängen bleiben.
Schon beim Beispiel von den Arbeitern im Weinberg, die alle denselben Lohn bekommen haben, ganz gleichgültig, wie lange sie gearbeitet haben, stimmte der Vergleich nicht. Gott will uns nicht das Rechnen mit Soll und Haben beibringen. Das können andere besser. Denn ökonomisch gesehen, was wäre das für ein unvernünftiger Sämann, der seine Saat an falscher Stelle ausbringt? Und anders herum: Was ist das auch für ein Acker, wahllos durchsetzt von Felsbrocken, Unkraut und dazu noch Wegen. Solche Grundvoraus-setzungen sind ja wohl denkbar schlecht. Vielleicht sollte erst einmal Ordnung geschaffen werden für eine bessere Ernte.
Bei all diesen Überlegungen müssen wir uns fragen: Wo sind wir, liebe Gemeinde? Mitten im Beispiel. Mitten im Gleichnis. Das doch über sich hinaus weisen soll.
Der Same, wie gesagt, das ist Gottes Wort. Es soll verteilt werden. Es soll geschrieben, gepredigt, von Mund zu Ohr weitergesagt, in Heiligen Schriften gelesen werden. Es soll sich ausbreiten, es soll überall bekannt werden. Es soll in die Welt kommen und soll Frucht tragen. Es ist der Inbegriff der Aufgabe, die wir als Gemeinde haben. Dafür leben wir Christinnen und Christen, damit Gottes Wort nicht vergeht in Ewigkeit.
Wo wir gerade in allen Gremien uns über unsere Zielvorstellungen unterhalten, wäre das ein Leitsatz über allem: Gottes Wort verbreiten. Samen ausstreuen.
Dieses Ziel ließ mich losziehen und sendet mich noch heute aus. Daraus ist mein Beruf geworden. Damit bleibe ich verbunden. Und es beinhaltet ein Programm: Gottes Wort – für die Welt. Nicht allein für mich. Nichts, was ich horten soll. Hinaus damit. Ins Weite.
Ein frommes Dasein im engsten Kreis ist damit nicht gegeben.
Doch diese Welt, wie sieht sie aus: Nicht so, dass sie guten Boden bildet für die Samen. Nicht so, dass Gottes Wort aufgeht.
Die einen hören es, vergessen es aber wieder. Das ist nicht verwunderlich in einer schnelllebigen Welt. Täglicher Programm-wechsel ist gefragt. Was heute aktuell ist, ist es morgen ganz gewiss nicht mehr. Etwas Beständiges wie das unveränderliche Wort Gottes riecht demgegenüber nach Langeweile. Es ist ja nichts Neues. Auch unser Beispiel ist ja realitätsfern. Ein Acker. Ein Sämann. Das gibt es auf alten Bildern wie von van Gogh. Es ist nicht mehr unsere Welt. Das Wort geht verloren. Es muss zu viel und zu umständlich erklärt werden.
Es ist auf den Weg des Lebens gefallen und unter die Räder gekom-men. Es ist zwischen die Ritzen gefallen und von anderen Gelegen-heiten, die sich boten, gefressen worden. Es hatte keine
Chance.
Es gibt andere. Die haben einen tollen Gottesdienst miterlebt. Die waren einmal auf eine Gruppe engagierter Christen gestoßen und sehr angetan. Die haben einen Pfarrer oder eine Pfarrerin ganz besonders mögen. Die hat die Geschichte einer Glaubenserfahrung wie elektrisiert. Das alles war einmal. Und dann hörte es irgendwo auf. Denn es war nicht mehr so wie beim ersten Mal. Oder es war nicht mehr so, wie sie sich vorstellten, so müsse es doch sein. Irgendwas hatte sich gewandelt. Das ansprechende Wort ging nicht mehr weiter. Die richtige Vermittlung fehlte. Der Geistliche jetzt war mehr ungeduldig denn feinfühlig. Die Mut machende Gemeindegruppe hatte sich aufgelöst. Wer konnte etwas dafür? Der Wind hatte sich gedreht. Und den Samen mitgenommen. Der lag auf bloßem Felsen. Das Wort war weniger Wert als die Umstände, die es einen hat aufnehmen lassen, die fehlen, denen man nachtrauert.
Und dann die Dornen. Wer schon ohne Vesper in den Kindergarten geschickt wird, was hört der vom Wort Gottes daheim? Wo die Gewalt zu Hause herrscht, wo soll da etwas verstanden werden von der Vatergüte Gottes? Wo das Geld nicht reicht zum Leben, wer will da diese Lobeshymne an die Witwe hören, die ihr letztes Scherflein, oder besser doch heute gesagt, ihren letzten Cent ausgerechnet in eine kirchliche Opferbüchse wirft. Die Sorgen überwucherten es, deckten es zu, das Wort von dem allmächtigen Gott. Der so allmächtig aber nicht sein kann, dass er die eigene Not milderte. Ohne Vorwurf, wer wollte es verdenken? Von all den drei genannten Gruppen, die das Wort Gottes zu verlieren drohen, ist das die redlichste, weil ärmste. Denn es wäre zynisch zu sagen, wer nichts mehr hat, der hat dann wenigstens noch Gott als letzte Hoffnung. Die Mittellosen glauben noch am meisten.
Habe ich nicht am Anfang gesagt, einen solchen Acker müsse man erst einmal herrichten, von Disteln und Steinen befreien, von grassieren-dem Armut und ödem Überfluss, von falschen Erwartungen und zu großem Pathos, von Klischees und Selbstmitleid. Diese Welt müsste man sozusagen erst einmal aufräumen. Und dann kann Gottes Wort kommen.
Nein – streut, sagt Gott. Streut auf diesen kargen Boden. Verteilt den Samen in diese arge Welt. Gerade sie braucht das Wort Gottes.
Und doch scheint es uns unvorstellbar, zuzusehen, dass eben ein Teil umsonst gesät wird.
Zwei Wege sehe ich die Kirche im Moment beschreiten. Der eine versucht auf die Bedingungen des Ackerbodens einzugehen. Die Welt ist zu schnelllebig. Das Wort Gottes kommt altbacken daher. Passen wir es an. Sagen wir es so, dass es allgemeinverständlich wird. Bringen wir schneller auf den Punkt, was an manchen Stellen der Bibel erst langatmig entwickelt wird.
Mir will es so scheinen, dass man lieber das Wort Gottes verändern will als die Menschen, damit sie es verstehen. Vereinfachungen, bis hin zu Verfälschungen sind die Folge. Glaube aus dem Wort als Mitnahmepaket geht eben nicht. Mit dem Wort Gottes sich auseinander zu setzen braucht Kraft, braucht Zeit. Wer das nicht hat oder aufbringen will, verpasst es doch. Wir müssen die SWamen auf dem Weg liegen lassen.
Auch der Versuch der zweiten Gruppe, die einmal eine tolle Glaubenserfahrung hatten, zu immer wieder neuen inspirierenden Momenten zu verhelfen, scheitert irgendwann. Das Wort Gottes für die Welt ist auch ein Wort für den Alltag und nicht nur für außerordentliche Momente, für herausragende Ereignisse, für Events. Gerade auf Durststrecken muss man mit dem Wort Gottes auskommen, muss es einem etwas für alle Zeit gesagt haben, sonst war es das nicht.
Noch neuer dagegen in der Kirche ist der andere Weg. Schließlich gibt es ja noch das gute Land. Da, wo das Korn aufgeht und hundertfach Frucht bringt. Dort muss die Kirche ansetzen. Was soll sie Kraft verschwenden an Orten, wo es nichts bringt? Die wirklich Glaubenden muss die Kirche in ihrem Kern erfassen und versammeln. Für sie muss sie da sein. Nicht da hingehen, wo man immer wieder mit Adam und Eva anfangen muss, sondern dort intensiver den Glauben leben, wo jeder und jede weiß, was Jesus Christus für einen bedeutet. Gott will, dass wir sein Wort ausstreuen. Wir sind verpflichtet, das gute Land dafür zu suchen. Wo wir am Anfang ein Leitziel hatten: Gottes Wort verbreiten, haben wir jetzt auch eine Priorität dazu: dort wo es sich lohnt.
Gibt Christus einer dieser Richtung einen Vorzug? Sagt er: Kümmert euch um das Saatgut auf Wegen, Felsen und unter Dornen? Sagt er: Sucht ein gutes Land zum Streuen?
Nichts davon. Es ging ein Säman. Und er kümmerte sich nicht, wohin das Korn fiel. Wer weiß, wozu es nützt. Und hier nun soll dieser Allerweltssatz zum Guten dienen. Es kann nämlich sehr gut sein, dass Gottes Wort an Stellen aufgeht, wo wir es nicht meinen. Wer weiß, wozu es gut ist, mit Schülern doch die Worte der Lutherbibel zu lesen und nicht die Volxxbibel – und sei es nur, damit sie eine Sprache hören, die anders klingt, als die, die sie sich tagtäglich an den Kopf werfen.
Wer Ohren hat zu hören, der höre! Alle haben Ohren. Alle können es hören. Das ist tröstlich, und nicht nur das: es ist auch ermutigend: Gott verwirft nicht. Gott streut seine Worte aus in großer Hoffnung. Gott bringt seinen Samen aus und sagt erst einmal: alles ist gutes Land. In jedem Menschen liegt die Möglichkeit, dass er hundertfach Frucht geben wird.
Aus diesem Grund verbietet es sich der Kirche zum einen, elitär zu werden und nur noch die um sich zu scharen, die sich selbst für rechtgläubig halten. Es verbietet sich ihr aber auch, sich anzubiedern und ihre Botschaft zu verstellen um von gewissen Gruppen Aufmerksamkeit zu erheischen.
Das Wort Gottes ist eines, das den Menschen wandelt. Und wo der Mensch ein Felsen war, bei dem nichts fruchtete und Bestand haben sollte - auch anderes als das Wort Gottes übrigens nicht - da verwandelt diese Begegnung mit Gott diesen Menschen. Und wo er zuvor keine Tiefe hatte, weil dort Stein kam, da bekommt er sie plötzlich doch.
Und wo Menschen meinten genug zu haben in ihrem Reichtum und nichts weiter brauchten, da rüttelt das eine Gleichnis, die andere Geschichte Jesu ganz neue Schichten auf. Und alles, was man hatte und was einen so oberflächlich zufrieden machte, ist nun gar nichts mehr.
Auch hier gilt, was mit der Jahreslosung gesagt ist: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.
Das Wort Gottes muss alle Menschen erreichen und allen Menschen zugänglich bleiben. Auf allen Ebenen. Nicht unsere Phantasie, sondern vor allem die durchschlagende Kraft dieses Wortes wird dafür sorgen, dass es gehört und verstanden wird. Darauf vertrauen wir. Herr für dein Wort sei hoch gepreist!
Amen


