Abendmahlsgottesdienst am Sonntag Reminiszere, 08. 03. 2009 in der Jakobuskirche (9.30 Uhr) Kuchen
Vorspiel
Begrüßung
Lied: 447, 1 – 6 Lobet den Herren, alle, die ihn ehren
Psalm: Nr. 770
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Glaubensbekenntnis
Schriftlesung:
Lied: 405, 1 – 3 Halt im Gedächtnis Jesus Christ
Predigt:
Lied NL 86, 1-5 Wenn das Brot, das wir teilen...
Überleitung z. Abendmahl
Sündenbekenntnis
Vergebungszusage
Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl
Lied 190.2 Christe du Lamm Gottes...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: NL 93 Wo Menschen sich vergessen...
Abkündigungen
Segensstrophe Nr. 576 Meine Hoffnung und meine Freude...
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Reminiszere, 08. 03. 2009 in der Jakobuskirche Kuchen. Reihe I Markus 12, 1 - 12
>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
nach einem Unglück folgen die Untersuchungen. Wie konnte es dahin kommen? Nach dem Tod eines Menschen werden die Umstände unter die Lupe genommen. Gab es Feinde? Gab es Anzeichen für eine gewalttätig Auseinandersetzung? Was spielte eine Rolle - Neid , Angst oder Ehre?
Die Passionszeit bringt uns in eine solche Situation zu fragen: Was braute sich im Vorfeld der Kreuzigung zusammen. Welche Kräfte waren am wirken? Und doch wissen wir: alles Untersuchen hinterher kann nichts mehr umkehren. Ja, Erklärungen machen es auch nicht besser, eher schlimmer. Vielleicht bleibt doch nur die einzige Möglichkeit, schweigend oder trauernd oder solidarisch Jesu Weg mit zu gehen. Es ist nun einmal so gewesen. Gedenken wir des Opfers. Lassen wir wenigstens die Erinnerung nicht untergehen. Beharren wir auf der Passionsgeschichte als Mahnmal.
Nur: Was kommt dabei heraus? Ist es nicht die stumme Anklage: Seht her, so sind die Menschen. Nicht einmal Gott bildet mehr eine Grenze. Alles ist erlaubt, bleibt ohne Sühne. Man kann es erdulden, wenn auch mit Trotz.
Ist es das, was uns die biblische Erzählung empfiehlt? Leidet mit. Hinterfragt nichts. Überlasst Gott, was er tun wird.
Jesus erzählt eine Geschichte. Sie handelt von einem Weinbergbe-sitzer. Sie klingt so wie eine von alters her bekannt Geschichte und ist doch ganz anders. Aufgeschrieben steht sie im Markusevangelium, Kapitel 12 in den Versen 1 bis 12: von den bösen Weingärtnern:
Text: Markus 12, 1 – 12
Liebe Gemeinde,
recht hat der Herr des Weinbergs, wenn er die bösen Weingärtner alle umbringt. Sie haben nichts Besseres verdient. Gerecht ist es, dass es ihnen an den Kragen geht. Endlich. Wer wird nicht aus dem Volk, das dabei stand so gedacht haben? Es bleibt die böse Tat nicht ungestraft. Anmaßung ist doch von kurzer Dauer. Hochmut kommt vor dem Fall.
Natürlich: die Geschichte schreit nach Auslegung, nach Übertragung, nach Beispielen aus dem wirklichen Leben. Und die sind auch schnell bei der Hand:
Der Weinbergbesitzer ist Gott. Er ist außer Land, man sieht ihn nicht. Er schickt Boten. Propheten, Gottesfürchtige Männer und Frauen, die Gottes Anspruch einklagen. Sie werden nicht gehört. Eine religiöse Oberschicht hat den Weinberg unter sich aufgeteilt. Sie verwalten den Kult, den Tempel, die Religion, das öffentliche Leben nach ihrem Gustus und auf ihre Art und Weise. Der Besitzer ist verreist. Sie haben die Herrschaft übernommen. Jeder Bote, der kommt, ist doch nicht der Besitzer selbst.
Dann kommt der Sohn. Der ferne Gott kommt in ziemlich realer Gestalt zu ihnen. Und hier gehen die Weinbauern, gehen die Priester, Gelehrten, die Kirchenoberhäupter zu weit, wo sie ihn töten. Das wird Folgen haben. Eine Organisation, die so auf Macht aufgebaut ist, dass sie den wahrhaft Mächtigen nicht mehr kennen will, kann nicht bestehen. Der Untergang ist ihnen vorausgesagt.
Die Reaktion folgt prompt: Sie trachteten danach ihn zu ergreifen. Mundtot gemacht werden soll der, der so etwas sagt, Jesus. Und wenn er nicht von alleine ruhig ist, so werden wir es bewirken. Und so bemerken die hochgestellten Religionsführer gar nicht, dass sie dadurch gerade im Begriff sind, das Gleichnis in der Wirklichkeit zu Ende zu führen. Sie erfüllen, durch die Geschichte erregt, das, was prophezeit worden ist: den Tod des Sohnes.
Das alles also kann man aus dem Gleichnis herauslesen. Es fragt sich aber zu welchem Zweck. Sollen dem Volk die Augen geöffnet werden über die Abgehobenheit und sogar Gewaltbereitschaft der Geistlichkeit? Oder soll diese ihren Irrweg bemerken und umkehren und den Sohn anerkennen? Droht Jesus, um womöglich doch noch gerettet zu werden? Selbst wenn es so gedacht gewesen wäre, es hat nicht hingehauen. So bleibt dieses Gleichnis nur ein Bestandteil der Ursachenforschung für Jesu Kreuzigung. Weil sich die Oberpriester nicht haben bekehren lassen, kam es zu dem fatalen Schritt.
Nun aber: Hohepriester gibt es nicht mehr. Eine solche Religionsmacht ebenso nicht. Der Sohn ist getötet worden. Es ist nichts mehr übrig geblieben von all dem, was beschrieben worden ist.
Doch – eines gibt es noch: im Bild gesprochen: den Weinberg Gottes. Und der Auftrag ist nicht aufgehoben worden, ihn für Gott zu bestellen. Da nun befinden wir uns, liebe Gemeinde. Gott eröffnet uns einen Raum, ein Feld, auf dem sich unsere Treue zu ihm bewähren soll. Er lädt uns ein, einer den anderen anzunehmen, wie einst sein Sohn jeden Menschen angenommen hat. Er gibt uns Gelegenheit, heillose Unterschiede durch unseren christlichen Zusammenhalt zu überbrücken. Er gibt uns auf, auf seine Worte, auf die Botschaft des Gerettetseins zu bauen. Er mutet uns zu, uns in dieser Welt durchzusetzen. Und - er lässt nicht ab, wie damals, von seinem Anteil.
All diese Aufgaben haben wir als Christen hier in Kuchen. Wir haben sie in unseren verschiednen Lebensaltern, als Konfirmanden, als Eltern, als Seniorinnen und Betagte. Wir haben diese Aufgaben sogar als Kranke oder als Randständige der Gemeinde, weil gerade das eine Herausforderung in Gottes Weinberg ist.
Aber wer sind wir? Sind wir die neuen Weingärtner? Diejenigen, denen Gott sein Reich nach dem Versagen der bösen geben wollte?
Oder sind wir nur die Nachkommen des alten bösen Geschlechts? Spätestens hier ist die Passionsgeschichte nicht mehr ein ohnmächtiges Zurückblicken auf das, was einmal war. Hier ist sie nicht mehr eine Indiziensammlung, was zu welchen Schritten geführt hat. Hier wird sie zu unserem Anliegen, weil es dieses Handeln, die Selbstgefälligkeit, die Gottesabgewandtheit immer noch gibt. Es besser wissen zu wollen gegen Gottes Urteil, das er uns durchaus wissen lässt, ist zugleich eine bleibende Gefahr für uns. Wir sind wohl doch eher Nachkommen der alten, bösen Weingärtner. Und jede Generation hat für sich diese Frage lösen müssen: wie stellst du dich zu dem Sohn, der von Gott kommt. Nimmst du ihn an? Gibst du ihm seinen Teil? Oder lehnst du ihn ab. Verschließt du dich ihm. Tötest du ihm am Ende gar mit?
Das will sich am Ende doch wirklich niemand nachsagen lassen. Wo sollen wir, wo soll ich mit beteiligt sein, den Sohn aus seinem Weinberg zu werfen? Ich höre doch gerade eine Predigt über ihn. Auch dazu verführt das Gleichnis, zu sagen: die Bösen sind die anderen. Sehr her, da stehen sie: Pharisäer und Schriftgelehrte. Menschen von früher. Die, die wirklich Jesus ans Messer geliefert haben.
Aber in unserem Weinberg heute kommt das doch nicht mehr vor. Wie – geben wir dem Sohn, wenn er vom Vater gesandt kommt, seinen Anteil? Oder gibt es den Sohn gar nicht mehr, arbeiten wir ohne Gott und Gottessohn so für uns? Woraus besteht dann unsere Kirche?
Indem wir noch abwehren, sind wir doch auf dem gleichen Weg, den die falschen Weingärtner gegangen sind. Sich selbst hatten sie zu Maßstab gesetzt. Nur sie hatten Recht. Sollte ihnen keiner hineinreden. Und auch keiner sollte sie wegen etwas beschuldigen. Wir machen schon alles richtig im Weinberg des Herrn.
Wollen wir nicht bessere Winzer sein als sie? Wollen wir nicht bereitwilliger hören, die Aufgaben, die Gott uns gibt, wirklich erfüllen? Nicht nur Hörer sein, sondern die danach tun, was sie gehört und erkannt haben.
Wir versäumen es da, wo wir einseitig meinen, nur bestimmte Menschen seien in Gottes Weinberg zugelassen. Nur die, die in einer Gemeinde aktiv sind, sind die richtigen. Wer sich engagiert ist in Gottes Weinberg angesehen; die anderen nicht. Hat aber Jesus seine Jünger für besser gehalten als die Menge Volks, die er lehrte? Nein, auch sie sollten am Reich Gottes teilhaben.
Menschliche Festlegungen wer dazu gehören darf und wer nicht, waren das Kennzeichen der bösen Weingärtner. So wollen wir doch nicht sein und einteilen, wer es ernst meint und wer nicht. Wer seine Sprüche auswendig weiß und wer nicht. Wer sich in der Bibel auskennt und wer nicht. Die bösen Weingärtner waren allemal gute Kontrolleure. Überlassen wir doch Gott das Kontrollieren.
Auf der anderen Seite haben aber auch alle die keinen Grund sich für gute Winzer zu halten, die es sich leicht machen. Ich bin ja ohnehin eingeladen von Gott. Auch ein kurzer Aufenthalt im Weinberg Gottes, sprich in seiner Gemeinde, hilft zur Seeligkeit. Doch Christ sein nur auf Zeit – und sei es die Konfirmandenzeit – geht ebenso wenig. Und dabei sein, aber die anderen machen zu lassen wie und was sie wollen, ist auch nicht das, was Christen auszeichnet. Die bösen Weingärtner, die hatten eine gut funktionierende Hierarchie. Bei ihren Spielchen, wo einer immer größer als der andere sein musste, übersahen sie letztendlich wer der wahre Herr ist. Bei den guten Weingärtnern muss es heißen: wir sind alle eins unter Christus.
Kann es das aber je geben? Werden wir das denn überhaupt hinbekommen? Werden wir zu guten Weingärtnern? Können wir etwas anders machen?
Gott kann es in uns wirken. Wenn wir es zulassen. Nicht unsere ordnende Hand soll verhindern, was Gott gelingen lassen will. Denn all zu schnell wirft man den hinaus vor die Tür, der Gottes wahrer Sohn ist. Dieser Jesus, der in einem der Geringsten der Weinbergarbeiter anwesend ist – und der nicht gesehen wird. Der Bote Gottes, der unter den Stillen mehr sein kann als unter den Marktschreiern im Weinberg. Gott seinen Tribut zu geben und ihn nicht zu verweigern wie die bösen Weingärtner heißt: ihn entscheiden zu lassen, was gültig ist und wer würdig ist. Wir verfehlen uns nur bei unserer Wahl.
Das ist aber der Maßstab Gottes, mit dem er misst: es ist nie einer wegen seiner Makel von Gott weggeschickt oder verdammt worden. Es richtet sich nur der selbst, der sie mit aller Gewalt leugnet. Wer die Sünde nur für die Sünde der anderen hält, für den ist der Herr nicht gestorben. Für den aber kann er auch nicht leben.
Wohl nur so können wir gute Weingärtner werden, wo wir Gott dies in uns wirken lassen. Wo wir nach seinen Maßstäben suchen. Wo wir uns nicht von vornherein als die besseren ansehen.
Der Sonntag heute heißt Reminiscere: Herr gedenke an deine Barmherzigkeit. Das wird gerade heute spürbar. Denn das letzte Kapitel des Gleichnisses ist eben nicht umgesetzt worden: Der Herr kommt und tötet die schlechten Weingärtner und such sich bessere und gibt ihnen den Weinberg. Der Herr ist barmherzig. Er versucht es immer noch einmal mit den bisherigen, mit uns als deren Nachkommen. Gott hält das Gericht auf und lässt seinen Sohn leben. Wir sind beim proben dieser vorletzten Szene: Rauswurf des Sohnes, Töten des Sohnes Gottes – oder nicht. Im Schlechten verharren oder zum Guten sich wandeln lassen. Unser dafürhalten oder Gottes Gebote. Wir die Herren, oder der eine Herr.
Lassen wir es uns nicht einfallen, Gott wegen seiner Barmherzigkeit und wegen seines Langmutes zu schelten. Es ist unser Leben. Gott lässt uns Raum, uns zu wandeln. Gott will nicht andere Weingärtner. Gott will, dass der gute in uns gewinnt.
Amen
Vorspiel
Begrüßung
Lied: 447, 1 – 6 Lobet den Herren, alle, die ihn ehren
Psalm: Nr. 770
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Glaubensbekenntnis
Schriftlesung:
Lied: 405, 1 – 3 Halt im Gedächtnis Jesus Christ
Predigt:
Lied NL 86, 1-5 Wenn das Brot, das wir teilen...
Überleitung z. Abendmahl
Sündenbekenntnis
Vergebungszusage
Einsetzungsworte zum Heiligen Abendmahl
Lied 190.2 Christe du Lamm Gottes...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: NL 93 Wo Menschen sich vergessen...
Abkündigungen
Segensstrophe Nr. 576 Meine Hoffnung und meine Freude...
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Reminiszere, 08. 03. 2009 in der Jakobuskirche Kuchen. Reihe I Markus 12, 1 - 12
>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
nach einem Unglück folgen die Untersuchungen. Wie konnte es dahin kommen? Nach dem Tod eines Menschen werden die Umstände unter die Lupe genommen. Gab es Feinde? Gab es Anzeichen für eine gewalttätig Auseinandersetzung? Was spielte eine Rolle - Neid , Angst oder Ehre?
Die Passionszeit bringt uns in eine solche Situation zu fragen: Was braute sich im Vorfeld der Kreuzigung zusammen. Welche Kräfte waren am wirken? Und doch wissen wir: alles Untersuchen hinterher kann nichts mehr umkehren. Ja, Erklärungen machen es auch nicht besser, eher schlimmer. Vielleicht bleibt doch nur die einzige Möglichkeit, schweigend oder trauernd oder solidarisch Jesu Weg mit zu gehen. Es ist nun einmal so gewesen. Gedenken wir des Opfers. Lassen wir wenigstens die Erinnerung nicht untergehen. Beharren wir auf der Passionsgeschichte als Mahnmal.
Nur: Was kommt dabei heraus? Ist es nicht die stumme Anklage: Seht her, so sind die Menschen. Nicht einmal Gott bildet mehr eine Grenze. Alles ist erlaubt, bleibt ohne Sühne. Man kann es erdulden, wenn auch mit Trotz.
Ist es das, was uns die biblische Erzählung empfiehlt? Leidet mit. Hinterfragt nichts. Überlasst Gott, was er tun wird.
Jesus erzählt eine Geschichte. Sie handelt von einem Weinbergbe-sitzer. Sie klingt so wie eine von alters her bekannt Geschichte und ist doch ganz anders. Aufgeschrieben steht sie im Markusevangelium, Kapitel 12 in den Versen 1 bis 12: von den bösen Weingärtnern:
Text: Markus 12, 1 – 12
Liebe Gemeinde,
recht hat der Herr des Weinbergs, wenn er die bösen Weingärtner alle umbringt. Sie haben nichts Besseres verdient. Gerecht ist es, dass es ihnen an den Kragen geht. Endlich. Wer wird nicht aus dem Volk, das dabei stand so gedacht haben? Es bleibt die böse Tat nicht ungestraft. Anmaßung ist doch von kurzer Dauer. Hochmut kommt vor dem Fall.
Natürlich: die Geschichte schreit nach Auslegung, nach Übertragung, nach Beispielen aus dem wirklichen Leben. Und die sind auch schnell bei der Hand:
Der Weinbergbesitzer ist Gott. Er ist außer Land, man sieht ihn nicht. Er schickt Boten. Propheten, Gottesfürchtige Männer und Frauen, die Gottes Anspruch einklagen. Sie werden nicht gehört. Eine religiöse Oberschicht hat den Weinberg unter sich aufgeteilt. Sie verwalten den Kult, den Tempel, die Religion, das öffentliche Leben nach ihrem Gustus und auf ihre Art und Weise. Der Besitzer ist verreist. Sie haben die Herrschaft übernommen. Jeder Bote, der kommt, ist doch nicht der Besitzer selbst.
Dann kommt der Sohn. Der ferne Gott kommt in ziemlich realer Gestalt zu ihnen. Und hier gehen die Weinbauern, gehen die Priester, Gelehrten, die Kirchenoberhäupter zu weit, wo sie ihn töten. Das wird Folgen haben. Eine Organisation, die so auf Macht aufgebaut ist, dass sie den wahrhaft Mächtigen nicht mehr kennen will, kann nicht bestehen. Der Untergang ist ihnen vorausgesagt.
Die Reaktion folgt prompt: Sie trachteten danach ihn zu ergreifen. Mundtot gemacht werden soll der, der so etwas sagt, Jesus. Und wenn er nicht von alleine ruhig ist, so werden wir es bewirken. Und so bemerken die hochgestellten Religionsführer gar nicht, dass sie dadurch gerade im Begriff sind, das Gleichnis in der Wirklichkeit zu Ende zu führen. Sie erfüllen, durch die Geschichte erregt, das, was prophezeit worden ist: den Tod des Sohnes.
Das alles also kann man aus dem Gleichnis herauslesen. Es fragt sich aber zu welchem Zweck. Sollen dem Volk die Augen geöffnet werden über die Abgehobenheit und sogar Gewaltbereitschaft der Geistlichkeit? Oder soll diese ihren Irrweg bemerken und umkehren und den Sohn anerkennen? Droht Jesus, um womöglich doch noch gerettet zu werden? Selbst wenn es so gedacht gewesen wäre, es hat nicht hingehauen. So bleibt dieses Gleichnis nur ein Bestandteil der Ursachenforschung für Jesu Kreuzigung. Weil sich die Oberpriester nicht haben bekehren lassen, kam es zu dem fatalen Schritt.
Nun aber: Hohepriester gibt es nicht mehr. Eine solche Religionsmacht ebenso nicht. Der Sohn ist getötet worden. Es ist nichts mehr übrig geblieben von all dem, was beschrieben worden ist.
Doch – eines gibt es noch: im Bild gesprochen: den Weinberg Gottes. Und der Auftrag ist nicht aufgehoben worden, ihn für Gott zu bestellen. Da nun befinden wir uns, liebe Gemeinde. Gott eröffnet uns einen Raum, ein Feld, auf dem sich unsere Treue zu ihm bewähren soll. Er lädt uns ein, einer den anderen anzunehmen, wie einst sein Sohn jeden Menschen angenommen hat. Er gibt uns Gelegenheit, heillose Unterschiede durch unseren christlichen Zusammenhalt zu überbrücken. Er gibt uns auf, auf seine Worte, auf die Botschaft des Gerettetseins zu bauen. Er mutet uns zu, uns in dieser Welt durchzusetzen. Und - er lässt nicht ab, wie damals, von seinem Anteil.
All diese Aufgaben haben wir als Christen hier in Kuchen. Wir haben sie in unseren verschiednen Lebensaltern, als Konfirmanden, als Eltern, als Seniorinnen und Betagte. Wir haben diese Aufgaben sogar als Kranke oder als Randständige der Gemeinde, weil gerade das eine Herausforderung in Gottes Weinberg ist.
Aber wer sind wir? Sind wir die neuen Weingärtner? Diejenigen, denen Gott sein Reich nach dem Versagen der bösen geben wollte?
Oder sind wir nur die Nachkommen des alten bösen Geschlechts? Spätestens hier ist die Passionsgeschichte nicht mehr ein ohnmächtiges Zurückblicken auf das, was einmal war. Hier ist sie nicht mehr eine Indiziensammlung, was zu welchen Schritten geführt hat. Hier wird sie zu unserem Anliegen, weil es dieses Handeln, die Selbstgefälligkeit, die Gottesabgewandtheit immer noch gibt. Es besser wissen zu wollen gegen Gottes Urteil, das er uns durchaus wissen lässt, ist zugleich eine bleibende Gefahr für uns. Wir sind wohl doch eher Nachkommen der alten, bösen Weingärtner. Und jede Generation hat für sich diese Frage lösen müssen: wie stellst du dich zu dem Sohn, der von Gott kommt. Nimmst du ihn an? Gibst du ihm seinen Teil? Oder lehnst du ihn ab. Verschließt du dich ihm. Tötest du ihm am Ende gar mit?
Das will sich am Ende doch wirklich niemand nachsagen lassen. Wo sollen wir, wo soll ich mit beteiligt sein, den Sohn aus seinem Weinberg zu werfen? Ich höre doch gerade eine Predigt über ihn. Auch dazu verführt das Gleichnis, zu sagen: die Bösen sind die anderen. Sehr her, da stehen sie: Pharisäer und Schriftgelehrte. Menschen von früher. Die, die wirklich Jesus ans Messer geliefert haben.
Aber in unserem Weinberg heute kommt das doch nicht mehr vor. Wie – geben wir dem Sohn, wenn er vom Vater gesandt kommt, seinen Anteil? Oder gibt es den Sohn gar nicht mehr, arbeiten wir ohne Gott und Gottessohn so für uns? Woraus besteht dann unsere Kirche?
Indem wir noch abwehren, sind wir doch auf dem gleichen Weg, den die falschen Weingärtner gegangen sind. Sich selbst hatten sie zu Maßstab gesetzt. Nur sie hatten Recht. Sollte ihnen keiner hineinreden. Und auch keiner sollte sie wegen etwas beschuldigen. Wir machen schon alles richtig im Weinberg des Herrn.
Wollen wir nicht bessere Winzer sein als sie? Wollen wir nicht bereitwilliger hören, die Aufgaben, die Gott uns gibt, wirklich erfüllen? Nicht nur Hörer sein, sondern die danach tun, was sie gehört und erkannt haben.
Wir versäumen es da, wo wir einseitig meinen, nur bestimmte Menschen seien in Gottes Weinberg zugelassen. Nur die, die in einer Gemeinde aktiv sind, sind die richtigen. Wer sich engagiert ist in Gottes Weinberg angesehen; die anderen nicht. Hat aber Jesus seine Jünger für besser gehalten als die Menge Volks, die er lehrte? Nein, auch sie sollten am Reich Gottes teilhaben.
Menschliche Festlegungen wer dazu gehören darf und wer nicht, waren das Kennzeichen der bösen Weingärtner. So wollen wir doch nicht sein und einteilen, wer es ernst meint und wer nicht. Wer seine Sprüche auswendig weiß und wer nicht. Wer sich in der Bibel auskennt und wer nicht. Die bösen Weingärtner waren allemal gute Kontrolleure. Überlassen wir doch Gott das Kontrollieren.
Auf der anderen Seite haben aber auch alle die keinen Grund sich für gute Winzer zu halten, die es sich leicht machen. Ich bin ja ohnehin eingeladen von Gott. Auch ein kurzer Aufenthalt im Weinberg Gottes, sprich in seiner Gemeinde, hilft zur Seeligkeit. Doch Christ sein nur auf Zeit – und sei es die Konfirmandenzeit – geht ebenso wenig. Und dabei sein, aber die anderen machen zu lassen wie und was sie wollen, ist auch nicht das, was Christen auszeichnet. Die bösen Weingärtner, die hatten eine gut funktionierende Hierarchie. Bei ihren Spielchen, wo einer immer größer als der andere sein musste, übersahen sie letztendlich wer der wahre Herr ist. Bei den guten Weingärtnern muss es heißen: wir sind alle eins unter Christus.
Kann es das aber je geben? Werden wir das denn überhaupt hinbekommen? Werden wir zu guten Weingärtnern? Können wir etwas anders machen?
Gott kann es in uns wirken. Wenn wir es zulassen. Nicht unsere ordnende Hand soll verhindern, was Gott gelingen lassen will. Denn all zu schnell wirft man den hinaus vor die Tür, der Gottes wahrer Sohn ist. Dieser Jesus, der in einem der Geringsten der Weinbergarbeiter anwesend ist – und der nicht gesehen wird. Der Bote Gottes, der unter den Stillen mehr sein kann als unter den Marktschreiern im Weinberg. Gott seinen Tribut zu geben und ihn nicht zu verweigern wie die bösen Weingärtner heißt: ihn entscheiden zu lassen, was gültig ist und wer würdig ist. Wir verfehlen uns nur bei unserer Wahl.
Das ist aber der Maßstab Gottes, mit dem er misst: es ist nie einer wegen seiner Makel von Gott weggeschickt oder verdammt worden. Es richtet sich nur der selbst, der sie mit aller Gewalt leugnet. Wer die Sünde nur für die Sünde der anderen hält, für den ist der Herr nicht gestorben. Für den aber kann er auch nicht leben.
Wohl nur so können wir gute Weingärtner werden, wo wir Gott dies in uns wirken lassen. Wo wir nach seinen Maßstäben suchen. Wo wir uns nicht von vornherein als die besseren ansehen.
Der Sonntag heute heißt Reminiscere: Herr gedenke an deine Barmherzigkeit. Das wird gerade heute spürbar. Denn das letzte Kapitel des Gleichnisses ist eben nicht umgesetzt worden: Der Herr kommt und tötet die schlechten Weingärtner und such sich bessere und gibt ihnen den Weinberg. Der Herr ist barmherzig. Er versucht es immer noch einmal mit den bisherigen, mit uns als deren Nachkommen. Gott hält das Gericht auf und lässt seinen Sohn leben. Wir sind beim proben dieser vorletzten Szene: Rauswurf des Sohnes, Töten des Sohnes Gottes – oder nicht. Im Schlechten verharren oder zum Guten sich wandeln lassen. Unser dafürhalten oder Gottes Gebote. Wir die Herren, oder der eine Herr.
Lassen wir es uns nicht einfallen, Gott wegen seiner Barmherzigkeit und wegen seines Langmutes zu schelten. Es ist unser Leben. Gott lässt uns Raum, uns zu wandeln. Gott will nicht andere Weingärtner. Gott will, dass der gute in uns gewinnt.
Amen


