Predigtgottesdienst mit Taufen am Sonntag Jubilate, 03. 05. 2009
in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 455, 1 – 3 Morgenlicht leuchtet
Psalm Nr 766
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Ansprache zur Taufe
Tauflied 582, 1 – 3 Kind du bist uns anvertraut...
Schriftlesung zur Taufe
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
Lied: 171, 1 – 3 Bewahre uns Gott, behüte uns Gott
Predigt
Lied: 619, 1 – 4 Du bist der Weg und die Wahrheit
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 510, 1 – 5 Freuet euch der schönen Erde...
Abkündigungen
Segensstrophe 171, 4 Bewahre uns Gott..
Segen
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Jubilate, 03. 05. 2009 in der Jakobuskirche Kuchen Reihe I: Joh.: 15, 1 – 8
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
den Glauben weiter zu geben haben Eltern und Paten eben bei der Taufe versprochen. Das ist gut und sinnvoll und ist eine schöne Sache. Aber wie macht man das? Wie soll man das beschreiben, wozu die beiden Menschenkinder soeben geworden sind? Alles ist mehr oder weniger abstrakt. Sie sind neue Gemeindeglieder. Ja, das stimmt. Sie sind Kinder Gottes. Auch das ist richtig. Sie gehören mit zur weltweiten großen Christenheit. Nun, das ist schon weit ausgeholt.
Die Bibel nimmt immer wieder Beispiele aus der Natur um Glaubens-dinge zu beschreiben und das Handeln Gottes zu verdeutlichen. Da ist das Himmelreich wie ein Senfkorn, das klein beginnt und wächst. Da ist der Glaube wie unter das Unkraut gesät und unterscheidet sich erst mit der Zeit davon.
Immer wieder ist auch das Gewächs des Weins ein Bildnis für den Frucht bringenden Glauben. Wie in einem Weingarten müsste es im Land der Verheißung zugehen. Im Johannesevangelium ist Christus der wahre Weinstock. In ihm bildet sich ab, wie es sich zwischen Christus und seiner Gemeinde verhält. Wachsen und Gedeihen ist da nur ein Element. Noch viel mehr lässt sich an diesem Vergleich zeigen. Das Johannesevangelium umschreibt es im 15. Kapitel auf folgende Weise:
Text: Johannes 15, 1 – 8
Liebe Gemeinde,
zwei neue Reben am Weinstock, das sind die heute getauften Kinder. Zwei Triebe, zwei Schosse, zwei, die zur Glaubensblüte kommen sollen und die dereinst voll von Glaubensfrüchte schwer herab hängen werden und so ihren Sinn und ihren Zweck erfüllen. Das ist kein Trugbild und keine Wunschversion. So macht es uns die Natur normalerweise vor. Das ist Jahr für Jahr zu beobachten. Ich selbst habe an der Pergola im Pfarrgarten einen Weinstock gepflanzt und da brechen jetzt gerade die hellgrünen Blätter, die sich zu Rebwedeln entwickeln, kraftstrotzend hervor. Das ist ja auch der Sinn, weshalb wir zur Geburt – oder zur Taufe – ein Bäumchen pflanzen, wie das Birnenbäumchen für Mathilda, weil daran so gut sichtbar wird, was wachsen und gedeihen, was groß und stattlich zu werden heißt. So wie dieser Baum eben zu sein: aufrecht, in die Höhe gestreckt, und recht bald schon Frucht tragend. „Mit gelben Birnen hänget und voll mit wilden Rosen das Land in den See...“, so hat Friedrich Hölderlin schon die Lebensfülle besungen. Und so soll es auch dem Weinstock ergehen. Wichtig ist mir, dass diese Abfolge von Wachsen und Früchte ausbilden so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Es ist der normalste Vorgang.
Es ist gesagt gegen die so häufig vorkommende Skepsis, ob denn der Glaube sich recht ausbilden wird. Wir alle sind ja solche Reben, die einmal gewachsen sind, die seit der Taufe entsprungen sind. Aber wie ist das mit den Früchten, fragen wir uns zuweilen. Vorsichtig drückt man es auch bei Taufgesprächen zuweilen aus: warten wir einmal ab, was daraus wird. Der Täufling kann sich ja später immer noch anders entscheiden. Als müsse man dies kostbare empfindliche Pflänzchen erst einmal ganz in Ruhe lassen. Wer kann schon sagen, ob sich einmal die Wunschvorstellung erfüllen wird, dass aus dem Pflänzchen ein Busch, ein Baum, eine Blüte wurde.
So hieß es ja auch im Tauflied: Kind, du bist uns anvertraut. Wozu werden wir dich bringen... Nun, an der Stelle ist unser Lied noch ein wenig ungenau und zeichnet keine rechte Glaubenslinie vor.
Werden wir die Kinder im Glauben zu etwas bringen? Oder anders gefragt: Was ist wohl unser Anteil, dass Reben an einem Weinstock wachsen? Es ist Sache des Stammes. Es ist die Kraft des Weinstocks. Es ist das Vermögen des Haupttriebs, dass alle seine Ableger so gut wachsen. Es ist in unserem Glaubensbild gesprochen die Christusmacht, die weiter wirkt. Er ist der Weinstock. Wir sind die Reben. Er ist der Stamm, wir sind die entfernten Spitzen, mit unseren Neugetauften wohl auch die zartesten Spitzen, und doch haben sie Anteil an allem was Christus ist. Er ist die Mitte. Wir sind das Äußerste, das Entlegendste und wir tragen dahin immer noch ihn, Christus, weil wir Mark von gleichem Mark und Saft vom gleichen Saft sind.
Ich muss sagen, mir gefällt das Bild recht gut. Es lässt mir Raum, ich selbst zu sein, eine eigene Rebe. Und es stärkt mich, Kraft zu bekommen von einer Hauptader aus, über die ich mit vielen anderen Reben verbunden bin.
So, und trotzdem muss ich fragen; Sind wir denn das in unserem Glauben, in unseren Gemeinden. Bilden wir das denn ab, dass wir gehalten sind von dem einen Zentrum, an dem wir alle teilhaben. Ist das denn überhaupt noch unser Bild? Eher gleicht doch eine Gemeinde einer großen Wiese mit vielen Blumen, mit Grasbüscheln dazwischen, jede Gemeindewiese charakteristisch mit ihren jeweils besonders hervorgebrachten Pflanzentypen. Hier die Butterblumen des Kindergartens, da ein paar Lippenblütler von Altpietisten, Dort drüben Ringelblumen der Frauenarbeit. Dann ein ganzes Kissen von Glockenblumen aus Chorsängerinnen und –sängern. So könnte man die Pflanzen im einzelnen durchgehen. Das würde sogar viel eher der Vielfalt der heutigen Lebens- und Glaubensformen entsprechen. Eine bunte Mischung bildet heute jede größere Ansammlung von Menschen. Alles, was irgendwie gedeihen mag, darf wachsen. Und es sieht doch auch wunderbar aus. Und auch unsere beiden Täuflinge dürfen da ihren Platz finden, je nachdem, wo sie sich ansiedeln. Es ist Platz für jeden und jede. Der Boden trägt alles. Ob Sportgruppen, ob eine Kochcrew, ob einen Bazar, ob ein Meer von roten Kleeblumen aus KiBiWo – Kindern, das jedes Frühjahr regelmäßig blüht, all das ist vielgestaltiges Christenleben.
Liebe Gemeinde, auch das ist ein schönes Bild. Es gibt bestimmt nicht wenige, die sich so eine Gemeinde wünschen. Lebendig und wild durcheinander. Weit ausgebreitet und doch an einer Stelle, Zu jeder Jahreszeit mit anderen Höhepunkten bestückt. Offen und einladend für noch mehr Pflanzen. Zuweilen denke auch ich: so müsste doch christliches Leben aussehen. Sie müsste sich Kirche der Welt präsentieren. Auf die Weise beschrieben müsste es doch verlockend sein, dazu zu gehören. So wirbt eine Gemeinde für sich. Würde nicht Jesus heute dieses Bild malen, statt das des Weinstocks. Einfach, weil es wirklichkeitsgemäßer ist. Oder auch nur, weil es unserem Bedürfnis nach Farbigkeit mehr entspricht und Jesus darum wüsste.
Und doch geht Entscheidendes darin verloren. Der Boden trägt alles, so hieß es bei der Wiese. Und jedes darf zu seiner Blühweise kommen. Aber beim Weinstock ist es nicht so.
Der Boden, der trägt ist nicht das gleiche, wie der Weinstock der trägt. Denn der Weinstock trägt nur seine Zweige, nur seine Reben. Was aus einem Weinstock wächst, muss vom Wesen dieses Weinstocks sein. Bin ich so mit Jesus verbunden, ist die erste Frage. Ist mein Glauben aus dem Leben, aus der Geschichte dieses Jesus gespeist. Will mein Glauben nichts anderes als das ausdrücken und zur Sprache bringen, das, was Jesus war und immer noch ist. Gott unter uns Menschen. Der Erschaffer von allem, der in das von ihm Geschaffene wirklich kam. Jesus aber auch als wirklicher Mensch, dem ich so nachfolge, dass ich handle, ja dass ich werde wie er. Jesus, der den Bedürftigen sah und ihm half, der den blinden Bartimäus so ansah, dass er selbst wieder sehen konnte. Der den Mann, der als Zöllner alle über’s Ohr gehauen hat, verzieh, so dass dieser aus dem Gefängnis seiner Habgier entkam. Jesus, der die Gewalt vermied und seine Jünger ermahnte, lieber das Unrecht zu ertragen und lieber das Schwert wieder einzustecken, als sich mit schuldig zu machen an den Untaten dieser Welt. Das alles kann ich nur, wenn ich auf diesen Jesus wirklich höre. Wenn ich an ihm dran bleibe. In doppeltem Sinn: ihm auf der Spur bleiben und als Rebe an ihm als Stamm bleibe. So werden wie er ist eben nicht so sein, wie ich halt bin. Und eben darum bin ich nicht eine Blume auf der Wiese, die halt wächst wo sie steht und wie es ihr gefällt oder wie sie es gerade braucht. Rebe am Stamm Jesu zu sein, das heißt sich auszurichten. Das heißt auch, das aus seinem Glauben und seinem Leben zu nehmen, was mich hindert, wie er zu sein. Den Verzeihenden zu preisen und selber unbarmherzig zu sein, der üble Nachrede betreibt – geht das? Den, der nach Gott fragt, zu kennen und selbst ständig nach der Befriedigung des eigenen Bedürfnisses als erstes und wichtigstes zu fragen, ist das vereinbar? Dem, der das Leid der Menschen trug zu vertrauen, aber mein eigenes Leid bei mir zu behalten anstatt es ihm zu übergeben, ist das möglich? Bin ich eine Rebe an seinem Stamm, so lebe ich auch als Rebe an seinem Stamm. Das ist manchmal mühsam. Denn Jesus als Weinstock trägt nicht alles, was sich da an ihn hängen mag, ohne sich über die Verbundenheit damit auch im Klaren zu sein. Denn er und ich und er und wir sind eins. Sonst ist es keine organische Pflanze. Der Weinstock trägt. Aber auch nur die, die sich an ihn halten. Die von seiner Kraft leben wollen und nicht von ihrer Kraft. Die stets sich erfüllen lassen wollen von seinem Lebenssinn, weil sie nicht ständig etwas Neues brauchen.
Das Bild des Weinstocks bleibt bestehen. Denn aus ihm wächst die Frucht. Eine blühende Wiese ist schön. Aber letztendlich ist sie im Ergebnis Futter für’s Vieh. Eine blühende Gemeinde ist auch schön. Aber eine fruchtbare Gemeinde ist es mehr. Und zu sagen, eine Gemeinde, die mit Christus verbunden bleibt, die ist das automatisch, so wie es die Natur eben vorsieht, das ist doch bestechend. Nicht jeder Wein bringt jedes Jahr viel Frucht. Aber er bringt welche.
Nur mit Christus verbunden, wie bleibt man das eigentlich. Woher kenne ich die Beispiele, wie ich mich in meinem Handeln an ihn angleiche? Ist dieser Bartimäus, der sehend wurde oder der Zachäus, der als Halsabschneider gütig wurde, ist der Mann, der unter die Räuber fiel und dem ein Fremder geholfen hat, ist all das denn bekannt? Ist das etwas, das meine Geschichte ausmacht und wo ist es, wenn, dann geschehen.
Wo ihr meine Worte aufnehmt, dort seid ihr meine Reben, dort seid ihr Geäst von meinem Ast.
Also – ich kann entweder für mich oder mit anderen in der Bibel lesen. Oder ich kann mir davon erzählen lassen, von vertrauten Personen, oder im Unterricht. Ich kann in den Gottesdienst kommen Da geschieht es, das ich, dass alle, die daran teilhaben, als Reben ausgebildet werden. Nicht als Blume wachsen, wo sie als Samen hingefallen sind. Sondern die sich einbeziehen lassen ist das Wachstum des Ganzen, Stamm und Glieder.
Diese Chance hat eine Gemeinde, nämlich stark zu werden um eine Mitte. Genährt zu werden aus den Worten Christi, Frucht zu tragen, weil sie wie er handelt, denn sie weiß von ihm.
Christus lässt uns nicht los. Der Stamm bleibt kräftig. Ob sich die Christen an ihn halten? Ob sie dieses althergebrachte Bild des Weinstocks weiter pflegen? Ob sie sich einbinden lassen in das Ganze?
Alles ist gegeben. Und vor allem ist uns Christus nicht fern. Freuen wir uns an diesem Zeichen der Taufe heute, dass damit zwei Reben dazu gekommen sind, sie sich mit uns an Christus halten und die damit schon ab dieser Stunde Schwestern zu uns geworden sind.
All unsere Bemühungen mögen immer noch etwas zweifelhaft sein. Kind, uns anvertraut, wohin werden wir dich bringen. Am Ende aber stimmt das Lied wieder: Taufen euch auf Jesu Namen. Er ist unsere Hoffnung. Amen
in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied: 455, 1 – 3 Morgenlicht leuchtet
Psalm Nr 766
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Ansprache zur Taufe
Tauflied 582, 1 – 3 Kind du bist uns anvertraut...
Schriftlesung zur Taufe
Tauffragen
Taufhandlung
Taufgebet
Lied: 171, 1 – 3 Bewahre uns Gott, behüte uns Gott
Predigt
Lied: 619, 1 – 4 Du bist der Weg und die Wahrheit
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied: 510, 1 – 5 Freuet euch der schönen Erde...
Abkündigungen
Segensstrophe 171, 4 Bewahre uns Gott..
Segen
Orgelnachspiel
Predigt am Sonntag Jubilate, 03. 05. 2009 in der Jakobuskirche Kuchen Reihe I: Joh.: 15, 1 – 8
> Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen<
Liebe Gemeinde,
den Glauben weiter zu geben haben Eltern und Paten eben bei der Taufe versprochen. Das ist gut und sinnvoll und ist eine schöne Sache. Aber wie macht man das? Wie soll man das beschreiben, wozu die beiden Menschenkinder soeben geworden sind? Alles ist mehr oder weniger abstrakt. Sie sind neue Gemeindeglieder. Ja, das stimmt. Sie sind Kinder Gottes. Auch das ist richtig. Sie gehören mit zur weltweiten großen Christenheit. Nun, das ist schon weit ausgeholt.
Die Bibel nimmt immer wieder Beispiele aus der Natur um Glaubens-dinge zu beschreiben und das Handeln Gottes zu verdeutlichen. Da ist das Himmelreich wie ein Senfkorn, das klein beginnt und wächst. Da ist der Glaube wie unter das Unkraut gesät und unterscheidet sich erst mit der Zeit davon.
Immer wieder ist auch das Gewächs des Weins ein Bildnis für den Frucht bringenden Glauben. Wie in einem Weingarten müsste es im Land der Verheißung zugehen. Im Johannesevangelium ist Christus der wahre Weinstock. In ihm bildet sich ab, wie es sich zwischen Christus und seiner Gemeinde verhält. Wachsen und Gedeihen ist da nur ein Element. Noch viel mehr lässt sich an diesem Vergleich zeigen. Das Johannesevangelium umschreibt es im 15. Kapitel auf folgende Weise:
Text: Johannes 15, 1 – 8
Liebe Gemeinde,
zwei neue Reben am Weinstock, das sind die heute getauften Kinder. Zwei Triebe, zwei Schosse, zwei, die zur Glaubensblüte kommen sollen und die dereinst voll von Glaubensfrüchte schwer herab hängen werden und so ihren Sinn und ihren Zweck erfüllen. Das ist kein Trugbild und keine Wunschversion. So macht es uns die Natur normalerweise vor. Das ist Jahr für Jahr zu beobachten. Ich selbst habe an der Pergola im Pfarrgarten einen Weinstock gepflanzt und da brechen jetzt gerade die hellgrünen Blätter, die sich zu Rebwedeln entwickeln, kraftstrotzend hervor. Das ist ja auch der Sinn, weshalb wir zur Geburt – oder zur Taufe – ein Bäumchen pflanzen, wie das Birnenbäumchen für Mathilda, weil daran so gut sichtbar wird, was wachsen und gedeihen, was groß und stattlich zu werden heißt. So wie dieser Baum eben zu sein: aufrecht, in die Höhe gestreckt, und recht bald schon Frucht tragend. „Mit gelben Birnen hänget und voll mit wilden Rosen das Land in den See...“, so hat Friedrich Hölderlin schon die Lebensfülle besungen. Und so soll es auch dem Weinstock ergehen. Wichtig ist mir, dass diese Abfolge von Wachsen und Früchte ausbilden so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Es ist der normalste Vorgang.
Es ist gesagt gegen die so häufig vorkommende Skepsis, ob denn der Glaube sich recht ausbilden wird. Wir alle sind ja solche Reben, die einmal gewachsen sind, die seit der Taufe entsprungen sind. Aber wie ist das mit den Früchten, fragen wir uns zuweilen. Vorsichtig drückt man es auch bei Taufgesprächen zuweilen aus: warten wir einmal ab, was daraus wird. Der Täufling kann sich ja später immer noch anders entscheiden. Als müsse man dies kostbare empfindliche Pflänzchen erst einmal ganz in Ruhe lassen. Wer kann schon sagen, ob sich einmal die Wunschvorstellung erfüllen wird, dass aus dem Pflänzchen ein Busch, ein Baum, eine Blüte wurde.
So hieß es ja auch im Tauflied: Kind, du bist uns anvertraut. Wozu werden wir dich bringen... Nun, an der Stelle ist unser Lied noch ein wenig ungenau und zeichnet keine rechte Glaubenslinie vor.
Werden wir die Kinder im Glauben zu etwas bringen? Oder anders gefragt: Was ist wohl unser Anteil, dass Reben an einem Weinstock wachsen? Es ist Sache des Stammes. Es ist die Kraft des Weinstocks. Es ist das Vermögen des Haupttriebs, dass alle seine Ableger so gut wachsen. Es ist in unserem Glaubensbild gesprochen die Christusmacht, die weiter wirkt. Er ist der Weinstock. Wir sind die Reben. Er ist der Stamm, wir sind die entfernten Spitzen, mit unseren Neugetauften wohl auch die zartesten Spitzen, und doch haben sie Anteil an allem was Christus ist. Er ist die Mitte. Wir sind das Äußerste, das Entlegendste und wir tragen dahin immer noch ihn, Christus, weil wir Mark von gleichem Mark und Saft vom gleichen Saft sind.
Ich muss sagen, mir gefällt das Bild recht gut. Es lässt mir Raum, ich selbst zu sein, eine eigene Rebe. Und es stärkt mich, Kraft zu bekommen von einer Hauptader aus, über die ich mit vielen anderen Reben verbunden bin.
So, und trotzdem muss ich fragen; Sind wir denn das in unserem Glauben, in unseren Gemeinden. Bilden wir das denn ab, dass wir gehalten sind von dem einen Zentrum, an dem wir alle teilhaben. Ist das denn überhaupt noch unser Bild? Eher gleicht doch eine Gemeinde einer großen Wiese mit vielen Blumen, mit Grasbüscheln dazwischen, jede Gemeindewiese charakteristisch mit ihren jeweils besonders hervorgebrachten Pflanzentypen. Hier die Butterblumen des Kindergartens, da ein paar Lippenblütler von Altpietisten, Dort drüben Ringelblumen der Frauenarbeit. Dann ein ganzes Kissen von Glockenblumen aus Chorsängerinnen und –sängern. So könnte man die Pflanzen im einzelnen durchgehen. Das würde sogar viel eher der Vielfalt der heutigen Lebens- und Glaubensformen entsprechen. Eine bunte Mischung bildet heute jede größere Ansammlung von Menschen. Alles, was irgendwie gedeihen mag, darf wachsen. Und es sieht doch auch wunderbar aus. Und auch unsere beiden Täuflinge dürfen da ihren Platz finden, je nachdem, wo sie sich ansiedeln. Es ist Platz für jeden und jede. Der Boden trägt alles. Ob Sportgruppen, ob eine Kochcrew, ob einen Bazar, ob ein Meer von roten Kleeblumen aus KiBiWo – Kindern, das jedes Frühjahr regelmäßig blüht, all das ist vielgestaltiges Christenleben.
Liebe Gemeinde, auch das ist ein schönes Bild. Es gibt bestimmt nicht wenige, die sich so eine Gemeinde wünschen. Lebendig und wild durcheinander. Weit ausgebreitet und doch an einer Stelle, Zu jeder Jahreszeit mit anderen Höhepunkten bestückt. Offen und einladend für noch mehr Pflanzen. Zuweilen denke auch ich: so müsste doch christliches Leben aussehen. Sie müsste sich Kirche der Welt präsentieren. Auf die Weise beschrieben müsste es doch verlockend sein, dazu zu gehören. So wirbt eine Gemeinde für sich. Würde nicht Jesus heute dieses Bild malen, statt das des Weinstocks. Einfach, weil es wirklichkeitsgemäßer ist. Oder auch nur, weil es unserem Bedürfnis nach Farbigkeit mehr entspricht und Jesus darum wüsste.
Und doch geht Entscheidendes darin verloren. Der Boden trägt alles, so hieß es bei der Wiese. Und jedes darf zu seiner Blühweise kommen. Aber beim Weinstock ist es nicht so.
Der Boden, der trägt ist nicht das gleiche, wie der Weinstock der trägt. Denn der Weinstock trägt nur seine Zweige, nur seine Reben. Was aus einem Weinstock wächst, muss vom Wesen dieses Weinstocks sein. Bin ich so mit Jesus verbunden, ist die erste Frage. Ist mein Glauben aus dem Leben, aus der Geschichte dieses Jesus gespeist. Will mein Glauben nichts anderes als das ausdrücken und zur Sprache bringen, das, was Jesus war und immer noch ist. Gott unter uns Menschen. Der Erschaffer von allem, der in das von ihm Geschaffene wirklich kam. Jesus aber auch als wirklicher Mensch, dem ich so nachfolge, dass ich handle, ja dass ich werde wie er. Jesus, der den Bedürftigen sah und ihm half, der den blinden Bartimäus so ansah, dass er selbst wieder sehen konnte. Der den Mann, der als Zöllner alle über’s Ohr gehauen hat, verzieh, so dass dieser aus dem Gefängnis seiner Habgier entkam. Jesus, der die Gewalt vermied und seine Jünger ermahnte, lieber das Unrecht zu ertragen und lieber das Schwert wieder einzustecken, als sich mit schuldig zu machen an den Untaten dieser Welt. Das alles kann ich nur, wenn ich auf diesen Jesus wirklich höre. Wenn ich an ihm dran bleibe. In doppeltem Sinn: ihm auf der Spur bleiben und als Rebe an ihm als Stamm bleibe. So werden wie er ist eben nicht so sein, wie ich halt bin. Und eben darum bin ich nicht eine Blume auf der Wiese, die halt wächst wo sie steht und wie es ihr gefällt oder wie sie es gerade braucht. Rebe am Stamm Jesu zu sein, das heißt sich auszurichten. Das heißt auch, das aus seinem Glauben und seinem Leben zu nehmen, was mich hindert, wie er zu sein. Den Verzeihenden zu preisen und selber unbarmherzig zu sein, der üble Nachrede betreibt – geht das? Den, der nach Gott fragt, zu kennen und selbst ständig nach der Befriedigung des eigenen Bedürfnisses als erstes und wichtigstes zu fragen, ist das vereinbar? Dem, der das Leid der Menschen trug zu vertrauen, aber mein eigenes Leid bei mir zu behalten anstatt es ihm zu übergeben, ist das möglich? Bin ich eine Rebe an seinem Stamm, so lebe ich auch als Rebe an seinem Stamm. Das ist manchmal mühsam. Denn Jesus als Weinstock trägt nicht alles, was sich da an ihn hängen mag, ohne sich über die Verbundenheit damit auch im Klaren zu sein. Denn er und ich und er und wir sind eins. Sonst ist es keine organische Pflanze. Der Weinstock trägt. Aber auch nur die, die sich an ihn halten. Die von seiner Kraft leben wollen und nicht von ihrer Kraft. Die stets sich erfüllen lassen wollen von seinem Lebenssinn, weil sie nicht ständig etwas Neues brauchen.
Das Bild des Weinstocks bleibt bestehen. Denn aus ihm wächst die Frucht. Eine blühende Wiese ist schön. Aber letztendlich ist sie im Ergebnis Futter für’s Vieh. Eine blühende Gemeinde ist auch schön. Aber eine fruchtbare Gemeinde ist es mehr. Und zu sagen, eine Gemeinde, die mit Christus verbunden bleibt, die ist das automatisch, so wie es die Natur eben vorsieht, das ist doch bestechend. Nicht jeder Wein bringt jedes Jahr viel Frucht. Aber er bringt welche.
Nur mit Christus verbunden, wie bleibt man das eigentlich. Woher kenne ich die Beispiele, wie ich mich in meinem Handeln an ihn angleiche? Ist dieser Bartimäus, der sehend wurde oder der Zachäus, der als Halsabschneider gütig wurde, ist der Mann, der unter die Räuber fiel und dem ein Fremder geholfen hat, ist all das denn bekannt? Ist das etwas, das meine Geschichte ausmacht und wo ist es, wenn, dann geschehen.
Wo ihr meine Worte aufnehmt, dort seid ihr meine Reben, dort seid ihr Geäst von meinem Ast.
Also – ich kann entweder für mich oder mit anderen in der Bibel lesen. Oder ich kann mir davon erzählen lassen, von vertrauten Personen, oder im Unterricht. Ich kann in den Gottesdienst kommen Da geschieht es, das ich, dass alle, die daran teilhaben, als Reben ausgebildet werden. Nicht als Blume wachsen, wo sie als Samen hingefallen sind. Sondern die sich einbeziehen lassen ist das Wachstum des Ganzen, Stamm und Glieder.
Diese Chance hat eine Gemeinde, nämlich stark zu werden um eine Mitte. Genährt zu werden aus den Worten Christi, Frucht zu tragen, weil sie wie er handelt, denn sie weiß von ihm.
Christus lässt uns nicht los. Der Stamm bleibt kräftig. Ob sich die Christen an ihn halten? Ob sie dieses althergebrachte Bild des Weinstocks weiter pflegen? Ob sie sich einbinden lassen in das Ganze?
Alles ist gegeben. Und vor allem ist uns Christus nicht fern. Freuen wir uns an diesem Zeichen der Taufe heute, dass damit zwei Reben dazu gekommen sind, sie sich mit uns an Christus halten und die damit schon ab dieser Stunde Schwestern zu uns geworden sind.
All unsere Bemühungen mögen immer noch etwas zweifelhaft sein. Kind, uns anvertraut, wohin werden wir dich bringen. Am Ende aber stimmt das Lied wieder: Taufen euch auf Jesu Namen. Er ist unsere Hoffnung. Amen


