Predigtgottesdienst am  5. Sonntag nach Epiphanias, 6. Febr.2011
 
in der Jakobuskirche Kuchen                                               9.30 Uhr
 
 
 
                                   Chor: Die Erde ist des Herrn (EG 659)
 
 
Begrüßung
 
 
Lied: 71, 1 + 3 + 4 + 6  O König aller Ehren...
 
 
Psalm 37 (Nr. 720)
 
 
            Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
 
Gebet / Stilles Gebet
 
 
Schriftlesung: Matthäus 17, 1 - 9
 
 
                                   Chor: Als ich ganz unten war
 
 
Predigt zu 2. Mose 3, 1 - 10
 
 
 
Lied: 165, 1 – 3 + 6 Gott ist gegenwärtig     
 
 
Dank- und Fürbittegebet
 
 
Vaterunser
 
 
                                   Chor: Ein Licht geht uns auf (EG 555)
 
 
Abkündigungen
 
 
Segenslied: 66, 1 + 5 Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden...                                  
 
 
Segen
 
Orgelnachspiel
 
 
Predigt am 5. Sonntag nach Epiphanias, 6. Febr.2011
 
in der Jakobuskirche Kuchen                       Reihe III 2. Mose 3, 1 - 10
 
 
>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.Amen<
 
 
Liebe Gemeinde,
 
 
es gibt biblische Geschichten, die begleiten uns von den ersten Tagen an, in denen wir mit dem Glauben in Berührung gekommen sind. Wir hören sie das erstemal im Familienkreis oder in der Kinderkirche, vielleicht auch im Kindergarten, mindestens aber im Religions-unterricht dann. Geschichten, die zum Grundbestandteil unseres Wissen von Gott gehören. Geschichten sind es, mit großer Bild-haftigkeit und deshalb von großer Eindrücklichkeit. Nicht selten aber kommt es vor, dass wir später als Erwachsene von solchen Geschichten  Abstand nehmen und sagen: So etwas kann man doch nur Kindern erzählen. Mit dem Unterton: Die glauben noch alles. Zu wunderhaft erscheinen uns die Vorgänge. Zu wenig gesichert die Fakten, zu weit entfernt von unserer Lebenswelt das Geschehen. Was uns als Kinder mitunter begeistern konnte, wurde zu einer "alten Geschichte".  Unser gefühltes Wissen von Gott, von Größe und Heiligkeit, ging verloren damit. Ob uns das nicht irgendwo mit der folgenden Geschichte genauso gegangen ist? Sie kennen sie alle:
 
 
Text: 2. Mose 3,1 - 10
 
 
Liebe Gemeinde,
 
da stehen wir als abgeklärte Menschen und können ganz einfach das Geschehen begründen: Ein Mann geht hinaus in die Wüste. Es ist heiß. Die Hitze flimmert. Wahrscheinlich war der Wanderer schon einige Zeit unterwegs, ein, zwei Tage. Möglicherweise hatte er nichts getrunken. In einer fremden Gegend war er sowieso. Da kommt auch ein bisschen das Gefühl auf: Wo bin ich hier? Und dann erblickt er etwas, was ihm den Eindruck eines brennenden Gebüschs macht. Er brennt nicht wirklich, sonst würden sich die Blätter lösen und die Äste verkohlen. Der Mann schaut lange in die Richtung dieses Busches.
 
Ganz klar: Ein Spiel der Sinne. Eine körperliche Mangelerscheinung, die sich auf das Sehvermögen und auf das Bewußtsein auswirkt. Eine Halluzination, Fatamorgana. Mit einem Wort: Da war nichts in der Realität. Der Mann hat sich getäuscht. Und wir sind es mit , wo wir mit ihm an das glauben, was er gesehen haben will.
 
Ich frage mich: Was ist es, dass wir uns so wehren gegen diese Ge-schichte? Warum muss sie erfunden sein? Warum kann sie nicht wahr sein für uns, muss Hirngespinst sein, darf keineswegs eine Gottesschau sei?
 
Dabei kann uns unser scharfer Verstand doch so leicht selbst über-führen: Der Mann hat Schafe gehütet und war in einer Grassteppe, wie es ausdrücklich heißt. Er wird mit den Schafen nicht in die Wüste gegangen sein. Wie lange er unterwegs war, wissen wir nicht, steht nicht im Bericht, und dass er kein Wasser hatte und ausgedörrt war, ist auch nirgends beschrieben. Menschen, die aber an der Grenze ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit sind und Trugbilder vor sich sehen, sind in der Regel kraftlos, apathisch und sagen nicht voller Neugier: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen. Das klingt alles sehr frisch, sehr wach und überhaupt nicht nach Sinnestäuschung und Fatamorgana, wovon übrigens die Menschen dieser Gegend mehr verstanden als wir und die sehr gut zu unterscheiden wussten, was sie gesehen haben und was ihnen vor Augen geflimmert hat.
 
Bleiben wir also bei dieser Geschichte - und glauben sie.
 
Es ist das Motiv des Brennens, denke ich, das uns durchaus als Erwachsene und nicht nur als Kinder bewegt. Einen Ausdruck heftig-ster Gemütsbewegung stellt es dar, wenn wir beispielsweise sagen: Brennend sind wir vor Liebe. Oder: Es brannte in unseren Herzen.
 
Auf der anderen Seite werden mit diesem Symbol auch einschneiden-de Ereignisse verbunden, wenn es heißt: Er ist in dieser Sache ein gebranntes Kind. Das deutet zuletzt auch daraufhin, dass Feuer eine verherende Wirkung hat. Vielleicht haben Sie einmal selber einen Hausbrand erlebt oder sind später dazugekommen. Wie unheimlich einen da die ausgebrannten schwarzen Fensterlöcher anstarren. Oder sie verbinden Kriegserlebnisse mit Feuer. Bilder des Schreckens, die einem auftauchen. Vielleicht verdrängen sogar einige aus diesem Grund ganz unbewußt die Geschichte vom brennenden Dornbusch, weil sie aus ihrer Erfahrung nie mehr etwas mit Feuer zu tun haben wollen. 
 
Letztlich aber faszinieren einen auch die Flammen. Wie sie so tanzen, wie sie so züngeln, wie sie das, worüber sie herrschen, so rasch, so zusehends verwandeln. Es muß seinen Grund haben, weshalb sich eine spezielle Geisteskrankheit, die Pyromanie, gerade mit dem Element des Feuers verbindet.
 
Heftige Gemütsbewegung, Prägendes, Erschreckendes, Faszinieren-des - all das steckt in dem brennenden Dornbusch - der doch gar nicht brennt. Der doch nicht zerstört wird. Das ist seltsam.  Warum sollte dem Mose nicht bei einem tatsächlichen Buschbrand die Offenbarung Gottes vernehmen? Warum sollte er nicht darin die Gewalt, die Allmacht Gottes erkennen und sich selbst als klein und unbedeutend erfahren. Einer, der nur Werkzeug Gottes sein kann, weil Gott es so will und der Mensch gegen den Willen Gottes machtlos ist: Alles das wären doch ganz gute Deutungen gewesen. Häufig gebraucht in Berufungs- und Erweckungserzählungen: Das Gefühl selbst ein Nichts zu sein, Dornbusch selbst und zum Verbrennen, zum Verglühen bestimmt. Wie oft denken wir Christinnen und Christen in diesen Dimensionen. In solch anrührenden Motiven, dass wir eine Kerze sein sollen, die selbst verbrennt aber während ihrer Brenndauer, ihrer Lebenszeit, anderen Helligkeit spendet. Wieviel Aufopferung, und damit tatsächlich  ver - brennender  Dornbusch ist mit unserem Glauben verbunden? Manche Ideale, manche Vor-bilder werden uns vorgestellt als Menschen, Heilige eher, die von verzehrender Liebe beseelt waren. Menschen, die sich wahrhaft durch ihren Einsatz für den Nächsten haben auffressen lassen. Und auf der anderen Seite macht doch gerade unter den Mitarbeitern sozialer Einrichtungen, in diakonischen Berufen, auch unter Pfarrerinnen und Pfarrern, in psychologischen Beratungsstellen das Wort vom "Ausgebranntsein", neudeutsch: "burn- out - Syn-drom" die Runde. Man kann nicht mehr. Immer nur geben und geben. Da ist man irgendwann ausgebrannt.
 
Wir sind immer noch bei unserem Dornbusch; sehr nahe dran sogar. Wie wird er wohl ausgesehen haben, dieses Steppengewächs, nach-dem er von Gott nicht mehr gebraucht worden war zwecks Offenba-rung und Selbstkundgebung Gottes. Wie wird er wohl dagestanden haben in seiner Welt, nachdem er Gott gedient hatte? Schwarz und verkohlt? Ich stelle mir vor: Im sattesten Grün. Und die Grillen zirpen. Und die stechende Sonne kann ihm nichts anhaben. Eine Augenweide eines Mitarbeiters Gottes.
 
Denn Gott ist kein Gott der Vernichtung.  Er lässt den Dornbusch brennen, aber nicht ihn sich versengen. Gott ist wohl das Feuer heftiger Gemütsbwegungen. Und doch nicht das Feuer das Mensch und Gemüt kaputt macht. Gottes Feuer läßt wohl einen prägenden Ein-druck im Menschen zurück und doch ist der und die kein gebranntes Kind. Und Gottes Feuer fasziniert, so dass  Menschen wie  Mose hin-zutreten und sagen: Ich will hingehen und sehen und will begreifen, will diesem Schein ganz nahe sein. Das Feuer Gottes hat sein Gutes und ausschließlich das. Der leuchtende Dornbusch, der nicht vergeht und ganz das Wesen eines Strauches behält, obwohl Gott durch ihn hindurchwirkt, das scheint mir ein gutes neues Symbol zu sein für Menschen, die gottbeseelt sind - und doch ganz Mensch bleiben dabei.
 
Die Geschichte ist eben nicht alt, sondern immer wieder brand-aktuell.
 
Bleiben wir bei dem Bild - und glauben wir.
 
Denn wie geht es weiter? Dieses Feuer macht neugierig. Diese Er-scheinung zieht an. So wie auch Menschen, denen das abzuspüren ist, faszinierend sind. Doch immer ist es Gott, der darin wirkt und sich in diesem Erscheinen zeigt - und nicht mehr los lässt.
 
Wie  aber nicht mehr loslässt? Indem er Mose mit seinem stillen gewissen Geheimnis , Gott begegnet zu sein, nach Hause schickt? Ja, es gibt ihn noch, den guten alten Gott. Den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs?
 
Nein! Denn in diesem Moment wird er auch zum Gott des Mose. In diesem Augenblick wird ein neues Kapitel des Verhältnisses von Gott und Mensch aufgeschlagen. Gott des Adam, Gott des Abraham, Gott des Mose, Gott des jeweiligen Menschen, den er jeweils neu anspricht, zu dem dieser Mensch: "Mein Gott" sagen wird. Das ist das wichtigste von allem. Gott setzt sich ins Verhältnis mit seinem Geschöpf. Gott geht eine Beziehung ein zu denen, die er selbst geschaffen und in die Welt gesetzt hat. Denn was hätte der ganze brennende Dornbusch sonst gebracht? Dass Gott sich einfach mal zeigt? Dass Gott sagt: Hier bin ich. Es gibt mich. Vergiss es nicht?
 
Bleibenden Eindruck, was immer es sei, ob das unglaublich Schöne oder das Schreckliche, kann immer nur das sein, was eine Trennung von vorher und hachher hinterlässt. Alles andere ist eine kurze Unterbrechung, aber kein prägendes Ereignis. Mose ging ohne das Wissen von einem Gott an diesen Dornbusch - und kehrt mit dem Wissen von Gott zurück. Vorher war sein Leben bewegt, aber bedeutungslos. Als Findelkind von einer Pharaonentochter aufge-lesen. Nach einem Totschlag an einem ägyptischen Aufseher geflohen. Schafshirte. Nach der Begegnung am Dornbusch aber ist er ein Mensch, dem auch nur ein nächster Schritt gesagt wurde: Geh zum Pharao. Bitte darum, Israel gehen zu lassen. Kein Versprechen. Keine Zusicherung des Gelingens. Keine Aussicht darauf ein großer Volks- und Menschenführer zu werden.
 
Und : Nicht einmal einen Adressaten wüsste er zu nennen. Der "Ich bin's " hat mich gesandt, soll er sagen. Da wird sich Mose noch lange gefragt haben: Hatte ich eine Halluzination? Weit mehr als bei dem Dornbusch. Selbstzweifel: hat wirklich Gott mich gesandt, oder bin ich überheblich, größenwahnsinnig, oder sonst etwas? Nicht bei dem Dornbusch sagt Mose: Wer bin ich, dass mir das widerfährt. Das wundersame Nicht-verbrennen des Gebüschs hat sein Leben noch nicht verändert. Aber der Ruf Gottes hat es. Es fängt hier eine Geschichte eines Menschen neu an. Ein neuer Lebensabschnitt nicht nur, sondern ein neues Leben schlechthin. Denn Gott will mit dem Menschen einen Bund haben. Er will ihn zum Verbündeten machen.
 
Denn Mose soll zum Pharao gehen und ihn dazu bringen sein Volk ziehen zu lassen. Gott erscheint nicht in den Träumen des Pharao, wo er das gleiche sagen könnte: Laß Israel frei. Nein, Mose soll es ihm sagen. Goo nimmt dem Volk und Mose die Mühe nicht ab, sich selbst auf den Weg zu machen. Aber er sagt: Ich begleite euch. Ich ziehe mit euch. Ich bin unter euch. Und ich bin mit dir, Mose.
 
Wieder begegnen wir dem gleichen Prinzip, dem wir schon oft zuvor begegnet sind und immer wieder begegnen werden: Gott macht das Geringe groß. Aus etwas so gewöhnlichem wie dem Dornbusch heraus, dieser abweisenden Steppenpflanze, erklärt sich Gott. Und einen sterblichen Menschen beauftragt er, seinen Willen zu tun. Und Mensch wird er selbst in Jesus Christus, mit allem was er getan hat,  erlebt und erlitten hat. 
 
Bleiben wir bei den alten Geschichten - und glauben sie.
 
Sie sind der Anfang von allem.
 
Amen
 
 
 
 
 

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