Gottesdienst mit Singspiel „Der schwarze Hirte“ am 21. 12. 2008 in der Jakobuskirche Kuchen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied 17, 1 – 4 Wir sagen euch an den lieben Advent...
Psalm 100 (Nr. 740)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Schriftlesung :
Singspiel: Der schwarze Hirte
Ansprache
Lied: 12, 1 – 4 Gott sei Dank durch alle Welt...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied 54, 1 – 3 Hört der Engel helle Lieder...
Abkündigung
Segenslied „Macht hoch die Tür“ Lied 1, 5
Segen
Orgelnachspiel
Ansprache zum Singspiel „Der schwarze Hirte“
Liebe Kinder, liebe Erwachsene,
von schwarzen Schafen haben wir schon gehört. Auch ein schwarzer König, der den Stall besucht hat zusammen mit zwei Freunden, ist uns bekannt. Aber ein schwarzer Hirte, der war uns bisher unbekannt. Den habt erst Ihr Kinder uns heute vorgestellt. Und wir hätten etwas verpasst, wenn wir ihn nicht kennen gelernt hätten. Denn das könnte schon möglich gewesen sein, dass es auch einen Schwarzen unter den Hirten gab. So wie es ja auch solche Schafe gibt.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich zu allen Zeiten und auf allen Erdteilen die Geschichte wiederholt: Alle sind sich einig. Alle stehen zusammen. Nur einer, der steht außerhalb. Er passt nicht in die Gruppe. Er kann nicht dazu gehören. Der schwarze Hirte steht für die vielen, denen es so ergangen ist oder denen es so geht. Einer ist nicht mit dabei, steht am Rande.
Aber damit haben wir schon die Moral vor der Geschichte, auch wenn ich sie jetzt hinterher erzähle. Da war sie vom ersten Moment, als ein geheimes Wissen: das ist nicht recht. So verhält man sich nicht, dass man jemanden ausschließt. Das darf man nicht tun, jemanden so in die Ecke stellen. Also, liebe Leut’, merkt es euch und lasst es ein Exempel sein. So nicht!
Es gibt weniges, was auf noch taubere Ohren stößt. Ja, wir sind uns im Klaren. Ja, wir brauchen es nicht noch einmal hören. Schützt alles, was klein ist und schwach.
Aber was wissen wir wirklich? Vielleicht hat der Hirte sich ja von selbst von den anderen abgesondert? Vielleicht war er nicht zuverlässig – als Hirtengruppe muss sich einer auf den anderen verlassen können, zumal in Gefahr. Oder vielleicht war er faul, ließ die anderen die ganze Arbeit machen? Und denen gefiel das verständlicherweise nicht. Vielleicht hat er einmal einen betrogen und steht daher in schlechtem Ansehen. Vielleicht hat er gelogen und einem anderem die Schuld gegeben, dass ein Schaf weggelaufen war, zum Beispiel, auf das er selbst hätte aufpassen müssen.
Es gibt billige Gründe, jemanden auszuschließen – und sei es die Hautfarbe. Und es gibt ernsthafte Gründe. Niemand, der draußen steht, ist ganz schuldlos. Und nicht alle, die ausgrenzen, haben die ganze Schuld allein auf ihrer Seite.
Ich glaube, erst wenn man das erkennt, kann man der Geschichte offen zuhören. Und ich denke, erst wenn man alle Geschichten des Glaubens so hören kann, dass sie nicht von vornherein eindeutig sind, kann erst der wahre Glaube wieder sichtbar werden. Allzu oft kommt das Christentum so daher, dass nur die Schwachen immer recht haben, dass nur die Dummen die Guten sind. Solches Christentum kann man leicht abtun.
Die Wahrheit ist, dass es alles nebeneinander gibt: Starke, die gut sind und doch letzten Endes machtlos, es durchzusetzen. Und Schwache, die gemein sind und niederträchtig und damit nichts besser machen, gleich gar nicht ihre Lage. Vermittler, die nur danach schielen, es allen recht zu machen, weil sie gar nicht vermitteln, sondern sich heraus halten wollen. Leute, die den Gernegroß spielen und das laute Wort führen, denen es aber an Verstand fehlt. Menschen, die Mitleid haben, aber auch Angst, sich zu einem Benachteiligten zu stellen.
So steht es um die Hirten. Und wir können sagen, wir kennen das auch.
So auch trifft sie die Ruf des Engels, die Aufforderung, aufzubrechen. Was heißt es anderes, als weg zu gehen, von dem Ort, wo alles verworren, verstrickt, im Streit, im falschen Leben sich befindet. Geht fort von hier.
Bezeichnenderweise soll der Schwarze da nicht mitkommen. Er soll da bleiben. Er soll es weiter an dem Ort aushalten. Bezeichnenderweise denken alle immer, wenn sie das Schlechte, Üble zurücklassen, wird schon alles dadurch besser. Aber der Schwarze kommt mit. Alle Probleme kommen mit. Die Auseinandersetzung ruht nicht einmal vor dem Stall. Wir sind nun einmal auf Erden und nicht im Himmel. Der eine Engel sagt es überdeutlich. Da ist nichts zu machen. So wie es hier ist, so wird es hier bleiben.
Doch da ist der Stall. Doch da ist Gott, der ganz nahe ist. Da ist das Kind, das ihn, Gott, in die Welt trägt und zeigt, wie Gott ist.
Aus Schwarz mach weiß – diese Formel ist zu einfach, wenn sie auch am deutlichsten zeigt, was geschieht. Dunkel bleibt es im Stall, als die Hirten, die sich einig waren, unter sich sind. Ihr Wohlgefühl und ihr gutes Herz und ihren Wunsch, das Besondere zu erleben, das war in dem Stall. Aber es machte ihn nicht hell. Erst als ihr Problem mit hinein kam, ihr schwarzer Hirte, ihre Schattenseite, ihr Sündenbock, da beginnt der Stall zu wirken. Weil sie das Paradoxe erkennen: Wir müssen das Dunkle annehmen als einen Teil von uns, damit alles sich wandeln kann. Wir können nicht zu Christus kommen mit dem Geschenk unserer besten Absichten. Wie schnell stellt sich vor ihm heraus, dass wir die gar nicht haben. Wir können nicht zu Christus kommen, weil wir ja zu unseren Freunden so gut sind. Weil wir nicht wissen oder es schnell verdrängen, wie bald doch aus einem Freund ein Feind wird.
Nur so können wir zu Christus kommen, genau genommen nackt und bloß, wie er dort in der Krippe war und sagen: Herr, wir haben es bitter nötig, dass du kommst. Gott, mache es um uns hell und in uns.
Es ist dieses Gebet, das dies schafft.
Ich musste es noch einmal sehen das Kind. So wie dem schwarzen Hirten geht es allen, die erkannt haben, wer Christus für sie ist. Einer, dem man immer und immer wieder begegnen will. Er führt zusammen. Er fügt auch zusammen, was sich auf Erden so sperrt, eins zu sein: Schwarz und Weiß, Gutes und Böses, Freund und Feind. Einmal richtig im Stall gewesen zu sein, so dass es hell wurde, zieht einen immer wieder dort hin. Denn dort ist das Licht. Und es ist nicht nur ein frommer Spruch. Weil ich mich nicht fürchten muss, bleibt es licht. Und manchmal ist es doch für alle anderen unbeschreiblich. Aber das werden wir sehen.
Amen
Orgelvorspiel
Begrüßung
Lied 17, 1 – 4 Wir sagen euch an den lieben Advent...
Psalm 100 (Nr. 740)
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Gebet / Stilles Gebet
Schriftlesung :
Singspiel: Der schwarze Hirte
Ansprache
Lied: 12, 1 – 4 Gott sei Dank durch alle Welt...
Dank- und Fürbittegebet
Vaterunser
Lied 54, 1 – 3 Hört der Engel helle Lieder...
Abkündigung
Segenslied „Macht hoch die Tür“ Lied 1, 5
Segen
Orgelnachspiel
Ansprache zum Singspiel „Der schwarze Hirte“
Liebe Kinder, liebe Erwachsene,
von schwarzen Schafen haben wir schon gehört. Auch ein schwarzer König, der den Stall besucht hat zusammen mit zwei Freunden, ist uns bekannt. Aber ein schwarzer Hirte, der war uns bisher unbekannt. Den habt erst Ihr Kinder uns heute vorgestellt. Und wir hätten etwas verpasst, wenn wir ihn nicht kennen gelernt hätten. Denn das könnte schon möglich gewesen sein, dass es auch einen Schwarzen unter den Hirten gab. So wie es ja auch solche Schafe gibt.
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich zu allen Zeiten und auf allen Erdteilen die Geschichte wiederholt: Alle sind sich einig. Alle stehen zusammen. Nur einer, der steht außerhalb. Er passt nicht in die Gruppe. Er kann nicht dazu gehören. Der schwarze Hirte steht für die vielen, denen es so ergangen ist oder denen es so geht. Einer ist nicht mit dabei, steht am Rande.
Aber damit haben wir schon die Moral vor der Geschichte, auch wenn ich sie jetzt hinterher erzähle. Da war sie vom ersten Moment, als ein geheimes Wissen: das ist nicht recht. So verhält man sich nicht, dass man jemanden ausschließt. Das darf man nicht tun, jemanden so in die Ecke stellen. Also, liebe Leut’, merkt es euch und lasst es ein Exempel sein. So nicht!
Es gibt weniges, was auf noch taubere Ohren stößt. Ja, wir sind uns im Klaren. Ja, wir brauchen es nicht noch einmal hören. Schützt alles, was klein ist und schwach.
Aber was wissen wir wirklich? Vielleicht hat der Hirte sich ja von selbst von den anderen abgesondert? Vielleicht war er nicht zuverlässig – als Hirtengruppe muss sich einer auf den anderen verlassen können, zumal in Gefahr. Oder vielleicht war er faul, ließ die anderen die ganze Arbeit machen? Und denen gefiel das verständlicherweise nicht. Vielleicht hat er einmal einen betrogen und steht daher in schlechtem Ansehen. Vielleicht hat er gelogen und einem anderem die Schuld gegeben, dass ein Schaf weggelaufen war, zum Beispiel, auf das er selbst hätte aufpassen müssen.
Es gibt billige Gründe, jemanden auszuschließen – und sei es die Hautfarbe. Und es gibt ernsthafte Gründe. Niemand, der draußen steht, ist ganz schuldlos. Und nicht alle, die ausgrenzen, haben die ganze Schuld allein auf ihrer Seite.
Ich glaube, erst wenn man das erkennt, kann man der Geschichte offen zuhören. Und ich denke, erst wenn man alle Geschichten des Glaubens so hören kann, dass sie nicht von vornherein eindeutig sind, kann erst der wahre Glaube wieder sichtbar werden. Allzu oft kommt das Christentum so daher, dass nur die Schwachen immer recht haben, dass nur die Dummen die Guten sind. Solches Christentum kann man leicht abtun.
Die Wahrheit ist, dass es alles nebeneinander gibt: Starke, die gut sind und doch letzten Endes machtlos, es durchzusetzen. Und Schwache, die gemein sind und niederträchtig und damit nichts besser machen, gleich gar nicht ihre Lage. Vermittler, die nur danach schielen, es allen recht zu machen, weil sie gar nicht vermitteln, sondern sich heraus halten wollen. Leute, die den Gernegroß spielen und das laute Wort führen, denen es aber an Verstand fehlt. Menschen, die Mitleid haben, aber auch Angst, sich zu einem Benachteiligten zu stellen.
So steht es um die Hirten. Und wir können sagen, wir kennen das auch.
So auch trifft sie die Ruf des Engels, die Aufforderung, aufzubrechen. Was heißt es anderes, als weg zu gehen, von dem Ort, wo alles verworren, verstrickt, im Streit, im falschen Leben sich befindet. Geht fort von hier.
Bezeichnenderweise soll der Schwarze da nicht mitkommen. Er soll da bleiben. Er soll es weiter an dem Ort aushalten. Bezeichnenderweise denken alle immer, wenn sie das Schlechte, Üble zurücklassen, wird schon alles dadurch besser. Aber der Schwarze kommt mit. Alle Probleme kommen mit. Die Auseinandersetzung ruht nicht einmal vor dem Stall. Wir sind nun einmal auf Erden und nicht im Himmel. Der eine Engel sagt es überdeutlich. Da ist nichts zu machen. So wie es hier ist, so wird es hier bleiben.
Doch da ist der Stall. Doch da ist Gott, der ganz nahe ist. Da ist das Kind, das ihn, Gott, in die Welt trägt und zeigt, wie Gott ist.
Aus Schwarz mach weiß – diese Formel ist zu einfach, wenn sie auch am deutlichsten zeigt, was geschieht. Dunkel bleibt es im Stall, als die Hirten, die sich einig waren, unter sich sind. Ihr Wohlgefühl und ihr gutes Herz und ihren Wunsch, das Besondere zu erleben, das war in dem Stall. Aber es machte ihn nicht hell. Erst als ihr Problem mit hinein kam, ihr schwarzer Hirte, ihre Schattenseite, ihr Sündenbock, da beginnt der Stall zu wirken. Weil sie das Paradoxe erkennen: Wir müssen das Dunkle annehmen als einen Teil von uns, damit alles sich wandeln kann. Wir können nicht zu Christus kommen mit dem Geschenk unserer besten Absichten. Wie schnell stellt sich vor ihm heraus, dass wir die gar nicht haben. Wir können nicht zu Christus kommen, weil wir ja zu unseren Freunden so gut sind. Weil wir nicht wissen oder es schnell verdrängen, wie bald doch aus einem Freund ein Feind wird.
Nur so können wir zu Christus kommen, genau genommen nackt und bloß, wie er dort in der Krippe war und sagen: Herr, wir haben es bitter nötig, dass du kommst. Gott, mache es um uns hell und in uns.
Es ist dieses Gebet, das dies schafft.
Ich musste es noch einmal sehen das Kind. So wie dem schwarzen Hirten geht es allen, die erkannt haben, wer Christus für sie ist. Einer, dem man immer und immer wieder begegnen will. Er führt zusammen. Er fügt auch zusammen, was sich auf Erden so sperrt, eins zu sein: Schwarz und Weiß, Gutes und Böses, Freund und Feind. Einmal richtig im Stall gewesen zu sein, so dass es hell wurde, zieht einen immer wieder dort hin. Denn dort ist das Licht. Und es ist nicht nur ein frommer Spruch. Weil ich mich nicht fürchten muss, bleibt es licht. Und manchmal ist es doch für alle anderen unbeschreiblich. Aber das werden wir sehen.
Amen


