Gottesdienst bei der Feuerwehr Kuchen am 14. Juni 2009
 
 
Feuerwehr - Fanfaren                                                          
 
 
Begrüßung                                                                Pfr. Bendler
 
 
Lied: 324, 1+3+7+11-13 Ich singe dir mit Herz und Mund
 
 
Psalm 130 (Nr. 751)                                                  Diakon Plura                                     
 
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
 
 
Gebet / Stilles Gebet                                                 Diakon Plura  
 
 
Kyrie                                                                          Pfr. Bendler
 
Lied 574 Nichts soll dich ängsten                                        
 
 
Schriftlesung: Jakobus 5,13 - 16                              Albert Appenzeller                                                                
 
 Lied:326, 1 – 4 Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut...
 
 
Predigt Psalm 50,14                                                  Pfr. Bendler                                                              
 
 
Lied: 268, 1 – 5 Strahlen brechen viele aus einem Licht
 
 
Dank- und Fürbittegebet                                           Pfr. Bendler                                                                                       Diakon Plura
 
Vaterunser
 
 
Lied: 564, 1 – 3 Segne uns o Herr...
 
 
Abkündigungen                                                        
 
Segen                                                                        Pfr. Bendler
 
                                                                                  Diakon Plura
 
Nachspiel Feuerwehr-Fanfaren
 
 
Gottesdienst bei der Feuerwehr Kuchen am 14. Juni 2009
 
 
Eingangsgebet
 
 
Herr, unser Gott,
 
zu Dir kommen wir in dieser Morgenstunde.
 
Von unserem Alltag, von der Mühe der Woche suchen wir Erholung am Sonntag.
 
Vom täglichen Geschäft, vom Einerlei wollen wir Abstand gewinnen und ganz für Dich da sein.
 
Mache Du uns bereit, alles Unwichtige jetzt abzulegen.
 
 
Herr, unser Gott,
 
wenn wir Dich anrufen, erhörst du uns.
 
Mit unserem Dank und mit unserer Bitte kommen wir zu Dir.
 
Was uns gelungen ist, was uns erfüllt, sprechen wir vor Dir mit Freuden aus.
 
Aber auch was uns beschwert, was uns Not macht, wollen wir vor Dir nicht verschweigen.
 
Du bist ein Gott, der helfen kann und der uns befreit.
 
 
Herr,
 
du trägst uns auf, für andere fürsorglich zu sein.
 
Lass uns nicht nur an uns selber denken, sondern an die, die uns brauchen. Hilf Du den Menschen, die sich für andere einsetzen.
 
Sei bei Pflegerinnen und Pflegern, bei unseren Feuerwehrleuten, bei Polizistinnen und Polizisten und bei den Notfallseelsorgern.
 
Herr, Du willst Leid mindern, Schmerzen nehmen und Leben ermöglichen. Sende  auch uns dazu in die Welt.
 
                                                                                  Amen
 
 
Gottesdienst bei der Feuerwehr Kuchen am 14. Juni 2009
 
 
Fürbittegebet
 
Herr, Jesus Christus,
 
viele Menschen sind in diesen sommerlichen Tagen auf unseren Straßen unterwegs. Sie suchen Entspannung und Vergnügen. Sie streben zu Freizeitparks und Urlaubszielen. Wie schnell aber kann etwas passieren und kommen Menschen zu Schaden.
 
Herr, mache uns bewusst, wie wertvoll und wie zerbrechlich ein Leben ist. Lass uns darum rücksichtsvoll und verantwortlich handeln. Dadurch, dass wir aufeinander achten, können wir menschliches Leben schützen.
 
Bewahre uns vor Gefährdungen und Unfällen.
 
Wir bitten Dich:
 
                                   Herr, erhöre uns!
 
Herr, Jesus Christus,
 
täglich setzen sich viele Menschen ein um Leben zu retten. Menschen engagieren sich beim Roten Kreuz, bei Rettungsstaffeln, als Sanitäter, bei der DLRG als Schwimmer oder Schwimmerin oder an unseren Urlaubsorten in der Bergwacht oder in der Seenotrettung. Die Feuerwehren in unserem Land helfen bei Brand und Hochwasser-gefahren und befreien aus gefährlichen Situationen.
 
Bewahre Du alle, die sich für Menschen einsetzen und dabei nicht zuletzt ihr eigenes Leben einsetzen.
 
Wir bitten Dich:
 
                                   Herr, erhöre uns!
 
Herr, Jesus Christus,
 
wie manches Mal müssen wir von regelrechten Katastrophen hören.
 
Ein Flugzeug ist abgestürzt und Angehörige sind verzweifelt. Tote sind zu beklagen nach einem Amoklauf und Eltern verlieren den Boden unter den Füßen. Ein Auffahrunfall bei Nebel – Menschen stehen unter Schock. Ein Zug ist entgleist und es bietet sich ein Bild der Verwüstung. Ein Selbstmord stürzt die Familie, Freunde und Bekannt in tiefe Trauer.
 
Herr, es darf nicht verdrängt werden. Männer und Frauen als Psychologen und Seelsorgerinnen helfen, soweit sie können. Doch wahre Hilfe kommt von Dir. Sei bei denen, die bis an den Rand ihrer Kräfte gehen.
 
Wir bitten Dich:
 
                                   Herr, erhöre uns!
 
Herr, Jesus Christus,
 
rufe mich an in der Not, lehrt uns das Psalmwort. Du willst, dass wir zu Dir kommen. Du stößt uns nicht zurück in unserem Unglück. Für Dich ist keiner unserer Anlässe zu gering, kein Kummer zu klein, dass wir ihn Dir nicht sagen könnten.
 
Mache uns Mut, Dich anzufragen, bei allem, was uns umteibt und uns zu schaffen macht. Lass uns vor Dir nicht verschweigen, wie es uns ums Herz ist. Unsere Sorgen mögen wir auf Dich werfen, dass wir fähig werden, einer des anderen Last zu tragen und uns zu stützen.
 
Wir bitten Dich:
 
                                   Herr, erhöre uns!    
 
 
 Predigt beim Gottesdienst an der Feuerwehr 14. 06. 2009
 
 
Liebe Gemeinde,
 
„Tatü, tata, die Feuerwehr ist da“, so spielen die Kinder auf der Straße. Und es ist alles darin ausgesagt: Schnelligkeit. Die Feuerwehr kommt nicht erst, sie ist schon da, so schnell wie man sie gerufen hat. Aufmerksamkeit – das Martinshorn, das Blaulicht zeigt an, dass es dringend ist. Und Anerkennung – jetzt muss Platz gemacht werden. Jetzt sind die da, auf die es ankommt. Gott sei Dank – die Feuerwehr ist da. Und wo es um Minuten geht, kann das schon mehr als nur ein Stein sein, der vom Herzen fällt.
 
Ohne Frage hat die Feuerwehr große Anziehungskraft, gerade auch bei Kindern. Der Besuch bei der Feuerwehr war nicht nur tagelanges Gesprächsthema bei unseren Kindern, sondern Anlass mancher Spiele  und Anreiz eine ganze Feuerwache aus Lego nachzubauen und damit den Eltern ein paar ruhige Stunden zu bescheren. So oder so, der Feuerwehr kann man nur dankbar sein.
 
Auf der anderen Seite gibt es auch den Begriff – wohl eher bei den Erwachsenen – den Feuerwehrmann zu spielen. Es meint eine löbliche, wenn auch etwas undankbare Aufgabe, einen Streit zu schlichten und diejenigen, bei denen „Feuer unter dem Dach“ ist durch überhitzte Gemüter, zu ermahnen, ihre Flammen doch wieder zu zügeln, ja den Brand zum Verlöschen zu bringen. Schließlich kann man doch alles in Ruhe besprechen. Besonnenheit, eine erste Regel bei der Feuerwehr, tut auch sonst allen Beteiligten gut und ganz besonders denen, die schnell entflammbar sind.
 
Von daher scheint mir so abwegig die Frage nicht, ob nicht auch Gott manchmal für uns den Feuerwehrmann spielen muss. Schnelle, wirksame Hilfe, Rettung aus höchster Not, Schutz und Trutz vor dem Allerschlimmsten. Der Vers aus dem Psalm 50 hört sich  ganz danach an:
 
            „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten;
 
            und du sollst mich preisen.“ (Psalm 50,14)
 
Die Feuerwehr ruft man nicht aus Spaß an. Und wer es tut, dem kommt es teuer zu stehen. Die Feuerwehr ruft man an in der Not. Wenn Gefahr im Verzug ist.
 
Das Beste aber ist, dass es jeder weiß: im Falle eines Falles wähle die Nummer 112. Ich muss nicht noch lange überlegen: Wo soll ich jetzt Hilfe her kriegen? Wen kann ich denn jetzt fragen? Und wie komme ich an den heran? Noch eindeutiger sagt es der rote Knopf des Feuermelders: Sofort müssen die Helfer her. Das Feuer wartet nicht. Und die Gerufenen kommen, ohne Frage, ohne Aufschub, ohne Einschränkung.
 
Rufe mich – spricht Gott. Und da wäre es doch zweifellos gut, wenn wir uns bei ihm so sicher sein können, wie bei der Feuerwehr, dass Gott immer ansprechbar ist. Dass Gott geradezu dafür da ist, dass man ihn zu jeder Zeit ruft. Auch dann, wenn wir es für die Unzeit halten und meinen: jetzt kann Gott uns doch nicht hören.
 
Wann hört er uns nicht? In der Nacht, wenn alles schläft? Es ist gerade die Nacht, in der uns Probleme manchmal auf den Nägeln zu brennen anfangen. Es gehen um einiges Mal mehr Anrufe bei der Telefon-seelsorge in der Nacht ein, als am Tage. Denn tagsüber sind wir beschäftigt genug, um nicht zu merken, was auf uns lastet. Erst wenn wir zur Ruhe kommen, merken wir, dass unsere Gedanken es nicht können. Den ganzen Tag haben sie sich mit uns mitbewegt und stehen jetzt nicht still.
 
Schlaflosigkeit, eine Lappalie, da ruft man doch nicht Gott an. Nein. Aber wegen dem, was dahinter steht vielleicht: Einsamkeit. Schuld. Angst. Gefühle der Sinnlosigkeit oder dass etwas oder alles zu Ende ist. Dass einen etwas bedrängt. Dass man sich wie gefangen vorkommt.
 
Warum soll ich gerade Gott anrufen? Warum nicht einen Freund, eine Freundin, einfach eine menschliche Stimme? Tut man das denn in diesem Moment? Und wo der Freund fern ist, oder gerade gesagt hat, er hat selbst Probleme, ist nicht Gott in jedem Moment unendlich nah? Und wartet nur darauf: Gott, ich bin umhergeirrt und bin bei dir gelandet. Wie weißt du Rat für mich? Und darf ich glauben, dich kümmert mein Leben? – Einfach erste Worte.
 
Stellen Sie sich vor, wenn wir bei der Feuerwehr so lange bräuchten: Äh, - ich weiß gar nicht ob ich bei Ihnen richtig bin... Ich wollte nur sagen... Äh – es brennt bei mir, ein klein wenig, ich will sagen, es ist nicht der Rede wert, aber kommen Sie mal.“ Ich weiß nicht, ob das die Feuerwehr nicht als Fehlalarm werten würde. Gott als Feuerwehrmann dürfen wir direkt sagen, was los ist, wo es denn bei uns brennt.
 
Und noch einmal besser wäre es, wenn denn auch dieser Dreiklang bei ihm stimmt: die Schnelligkeit – er ist schon da, kaum hat man ihn gerufen. In der Bergpredigt sagt Jesus: Ihr braucht nicht viele Worte machen beim Beten. Und er begründet es mit der Antwort: Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Schneller als die Feuerwehr ist da unser Gott. Er kommt zu uns schon vor dem Brand. Er weiß was wir bedürfen. Neben Essen und Trinken und Kleidung ist es eben auch die Ruhe des Herzens und der Frieden der Seele. Und wo wir eines davon nicht haben, da müssen wir ihn holen.
 
Ob Gott auch Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, das kommt darauf an. Mit Blaulicht kommt er nicht vom Himmel. Wenn es auch manchmal ganz gut wäre, Gott würde mit Tatü tata zwischen all die Ignoranz fahren. Dass Menschen wissen, hier müssen sie zur Seite, denn hier kommt der, der Vorfahrt hat. Hier müssen Menschen verstummen, denn hier ist der, der Wahrheit spricht. Hier muss einem eine Gasse durch die Masse, eine Bahn durch das Gewühl des Menschlichen gewährt werden. Die alte Kunst hatte dieses Gespür noch, wenn sie dem Göttlichen einen Heiligenschein gaben – fast wie ein Blaulicht. Und alles wusste: hier kommt der Richtige.
 
Akzeptanz liegt darin zum dritten, dass alle froh sind, wo der kommt, der gerufen wurde. So wie man froh ist, wenn die Feuerwehr am Brandherd angekommen ist. Gott ist da. Jetzt kann nichts mehr passieren. Gott ist da. Was war, das kann nicht weiter wüten. Gott ist da, und niemand ist mehr schutzlos der Nacht ausgeliefert und niemand der nagenden Schuld und niemand dem Tod.
 
So wenig wie an der Feuerwehr gezweifelt wird – können die überhaupt was sie sollen – so wenig müsste der Zweifel an Gott sein. Und keiner sagt: Die Feuerwehr anrufen – so etwas Altmodisches. Aber Gott anrufen, so etwas Altmodisches, warum sagen wir das?
 
Dabei ist es sein ausgesprochener Wille, uns zu erretten.
 
Was es heißt, aus Feuersflammen errettet zu werden, das wissen wir. Oder besser, wir wissen es nicht, sondern können es uns nur vorstellen. Welcher Art von Rettung ist aber Gottes Tat? Es ist nichts, wovon uns auch Menschen retten können. Und es ist gut, dass es wahre Rettungsnetze gibt. Menschen, die uns in Beratungsstellen zur Seite stehen, wenn wir in die Schuldenfalle getappt sind. Menschen, die in den Vesperkirchen dafür sorgen, dass jemand eine warme Mahlzeit bekommt. Menschen, die den Fremden begleiten, wo er sich nicht auskennt und wo er dauernd ausgegrenzt wird. Menschen, die danach schauen, dass Kinder nicht sich selbst überlassen werden, sondern angesprochen und gefördert werden. Sie alle tun ein Teil des Willens Gottes. Sie alle machen das Leben lebbar. Doch was bedeutet Rettung? Wo muss Gott selbst eingreifen? Was ist seine Chefsache? Das ist es, dass wir nicht glauben, wir könnten alles selbst machen. Dass wir uns nicht verführen lassen, uns selbst zu erlösen, indem wir sagen, wir müssen es nur alles ein wenig besser machen, dann ist die Welt heil. Wenn alle Krankheiten bekämpft, wenn alle Unfälle verhindert, wenn alle Kriege befriedet, wenn alle Feuer gelöscht sind, dann ist es soweit. Gott wacht nicht eifersüchtig darüber, dass es nicht so weit kommt. Er weiß nur, dass wir Menschen sind. Menschen und keine Götter. Menschen, die nicht Alleskönner sind. Darum stellt sich Gott auf unsere Seite. Weil er sagt: Zu dem vielen, was ihr könnt und was ihr macht und wo ihr helft, gebe ich Euch Stärke. Und ich gebe Euch Aussicht. Die Aussicht, auch das, was Euch zurückhalten will, zu übersteigen. Das Letzte, das menschliche Unvermögen, dass alles enden muss, das außer unserer Kraft liegt. Es soll Euch nicht halten, spricht Gott.
 
Es ist die Rettung aus der Niedergeschlagenheit, die alle, die sich für’s Leben einsetzen, kennen. Dann, nämlich, wenn ihnen bei allem Wollen doch ein Leben verloren ging. Wenn der oder die aus dem Feuer Geborgene doch starb. Wenn der oder die Operierte tags darauf einen tödlichen Zusammenbruch erlitt. Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten. Es ist die Not der gebundenen Hände. Und es ist die Rettung des göttlich gesprochenen Ja, trotzdem. Es ist die Not, alles versucht zu haben. Und es ist die Rettung, es nicht als Versagen und Niederlage angezählt zu bekommen. Du bist frei, sagt Gott. Frei es wieder zu versuchen. Frei an anderer Stelle gelingende Hilfe zu leisten. Erretten will ich dich vor Überforderung. Erretten auch davor, dich zu gering und wertlos zu sehen. Nur Gott kann es so. Kein Mensch. Kein anderer.
 
Dafür sollen wir ihn preisen. Sollen wir noch, oder wollen wir es schon? Aus uns selbst heraus, Gott unser Lob sagen. Weil uns so aufgeholfen wird. Weil wir durch ihn wieder auf die Beine kommen.
 
Eines ist jedenfalls sicher: Wo wir so mit Gott zu tun bekommen, an der menschlichen Grenze, da lässt uns das nicht unberührt. Es verwandelt uns. Wir können nicht sagen: schön, ich bin wieder hergestellt, jetzt geht es weiter. Oder: Gut, dass die Krise überwunden ist, ich will sie vergessen. Vergessen, dass da ein Zuspruch Gottes war. Es übergehen, dass sich da jemand mit mir verbündet hat um nicht zuzulassen, dass ich untergehe.
 
Auch die Hilfsdienste oder die Feuerwehren kennen, glaube ich, solche schmerzlichen Verhaltensweisen, die alles für selbstverständlich nehmen. Da kann es dann schon heißen: die Feuerwehr hat gelöscht. Den Rest übernimmt die Versicherung und fertig. Oder: die Krankheit ist besiegt. Kosten ja auch genüg Steuergelder, die Krankenhäuser. Da ist es nur recht und billig. Selbst wo es teuer ist.
 
Zum Helfen, da ist Gott ja da. Unser Feuerwehrmann. Bis zur nächsten Not, lieber Gott. Da rufe ich dann wieder. Bis dahin lebe wohl. Und ich auch.
 
Doch in Wahrheit lebt man nicht wohl. Man lebt unverändert, wie bisher. Es ist ein Leben, das niemanden braucht noch brauchen will. Keine Hilfe, keinen Retter, keinen Gott. Und der Einsatz jetzt, der Rettungswagen, das war doch nur eine Ausnahme. War es der Rede wert? War es des Lobes wert? Wann brauche ich schon mal den Notarztwagen, den technischen Hilfsdienst, wann schon einmal die Feuerwehr? Wenn es gut geht, nie im Leben. Und so ist es zwar gut, dass man Gott anrufen kann. Besser aber, man braucht es nicht.
 
„Du sollst mich preisen“, spricht Gott im Psalm. In der Einheitsüber-setzung, die katholische und evangelische Christengemeinsam lesen, heißt es fast noch stärker und deutlicher: „Rufe mich an am Tag der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren.“ Du wirst es tun. Du willst gar nichts anderes mehr. Weil Gott zu deinem Leben gehört. Weil Du begriffen hast, ohne ihn hättest Du gar keines. Und ohne Gott wäre es dumpf und leer. Eine umherwandelnde Hülle, auf die man hin und wieder ein Pflaster klebt, damit’s wieder geht.
 
Was aber Gott rettet, und was jeder der Hilfe leistet mit retten will, ist mehr als der Leib, ist mehr als körperliche Unversehrtheit. Es ist mehr als das schiere Leben. Rettung heißt: wieder hereingeholt werden in das Miteinander des Lebens. Nicht nur für sich leben können, sondern aufeinander bezogen zu leben. Nicht nur sein Leben zu sehen, sondern das Leben aller.
 
Der Notruf S O S wird manchmal übersetzt mit den Worten: save our souls. „Rette unsere Seele“. Nicht meine alleine, sondern unsere. Und nicht den Körper allein, sondern die Seele.
 
Ich glaube, die wirkliche Rettung geschieht erst, wo man preisen, wo man ehren kann, wo einer und eine dankbar wird und das wieder gefundenes Leben spürt. Wo das nicht ist, ist keine Rettung gewesen. Wo ich nicht umgreifend erfasst bin, da ist es nur ein Flicken gewesen. Vielleicht einer unter dem es weiter schwelt. Es ist einer der tückischsten Brände.
 
Gott hilft mir nicht um sein Lob zu bekommen. Aber mir hilft es, von Gott in den höchsten Tönen sprechen zu können, weil er mir nahe geworden ist.
 
Gott will nicht, dass wir unentwegt seine Größe in die Welt hinausposaunen. Aber er will, dass ich mich großartig fühle, weil er sich meiner angenommen hat. Sprachloser Dank ist Gott am verständ-lichsten.
 
Auch die, die Gott helfen, in den Einsatzwagen, bei den Sanitäts-diensten, bei den Rettungsschwimmern, bei den Notfallseelsorgerinnen  oder sonst irgendwo, freuen sich immer über ein Dankeschön. Aber sie freuen sich noch mehr, dass man weiß, sie sind unentbehrlich und sie erhalten das Leben unserer Gemeinde. Sie sind nicht für einzelne da, für Notfälle, für Ausnahmesituationen, sondern sie sind für alle da.
 
Ist Gott unser Feuerwehrmann? Nein. Er ist immer da, nicht nur, wenn es brennt. Er will nicht unsere kleinen oder großen Feuer löschen und dann wieder abziehen. Gott will bleiben. Er will uns nicht nur kurz mal retten. Er will uns zurückbringen zu dem Ganzen, zu dem wir gehören. Und er will, dass wir wieder erfahren, dass wir ihn ehren können, dass wir seinen Namen wieder etwas wert sein lassen, dass wir wissen, er ist da.
 
Dazu braucht es keine Not. Gott würde sie uns ersparen. Aber er schenkt uns wenigstens, dass wir in der Not keine Angst zu haben brauchen. Wir können ihn anrufen.
 
                                                                                  Amen
 
  
 
 
 
 

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